«Das ist eine Katastrophe»
Nicht alle nehmen Todesfälle so ernst wie die Tour de Suisse

Trotz moderner GPS-Technik setzen nicht alle Profi-Rennen auf diese Sicherheit. Tour-de-Suisse-Direktor Olivier Senn kann nur den Kopf schütteln.
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Bei der Abfahrt vom Albulapass verunfallte Gino Mäder 2023 während der Tour de Suisse tödlich.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Tour de Suisse führt umfassendes GPS-Tracking nach tödlichen Unfällen ein
  • Olivier Senn kritisiert fehlenden Einsatz anderer Veranstalter für mehr Sicherheit
  • Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht zur nächsten Tragödie kommt
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Mathias GermannReporter Sport

Der Tod von Gino Mäder (†26) und jener von Muriel Furrer (†18) haben Olivier Senn geprägt. Der Direktor der Tour de Suisse hat beide Schicksale aus nächster Nähe erlebt. Mäder verunglückte 2023 während der Tour de Suisse bei der Abfahrt vom Albulapass tödlich. Er wurde damals zwar rasch gefunden, doch Senn weiss: Es hätte auch anders ausgehen können.

Noch stärker beschäftigt ihn der Fall von Muriel Furrer. Die junge Schweizerin lag nach ihrem Sturz an der WM in Zürich über eineinhalb Stunden unentdeckt im Wald. Für Senn war klar: Das darf nicht mehr passieren.

Deshalb hat die Tour de Suisse ein umfassendes GPS-Tracking eingeführt. Fahrer, Fahrzeuge der Rennkolonne, Streckendaten und Fernsehbilder laufen heute in einer Sicherheitszentrale zusammen. Das Ziel: Unfälle sofort erkennen und Rettungskräfte ohne Zeitverlust an den richtigen Ort schicken. 

Gespräche gab es, aber …

Umso grösser ist Senns Frust darüber, dass viele Veranstalter bis heute nicht nachgezogen haben. «Für mich ist es eine Katastrophe, dass da nicht besser, nicht schneller entwickelt wird und nicht mehr Drive dahinter ist», sagt er. Zwar hätten sich zahlreiche Organisatoren nach dem Schweizer Modell erkundigt. Einige hätten sogar Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt. Doch konkrete Umsetzungen blieben die Ausnahme. «Ich hätte mir gewünscht, dass hier mehr aufspringen.» Mittlerweile ist die Sicherheitszentrale der Tour de Suisse nicht mehr mobil unterwegs, sondern an einem zentralen Ort in der Schweiz während der ganzen Tour fix installiert.

Das sind die Gründe für den GPS-Verzicht

Für Senn ist entscheidend, dass Sicherheit nicht beim reinen Tracking endet. «Das Tracking alleine löst keine Probleme», betont er. Erst die Abläufe dahinter machten den Unterschied. Wer erkennt den Vorfall? Wer reagiert? Wer schickt Hilfe los? Die Tour de Suisse habe dafür klare Prozesse aufgebaut. «Wir können mit gutem Gewissen sagen: Egal, was passiert, wir sehen es, wir wissen, was wir machen.» Im Notfall könne gezielt das nächstgelegene Fahrzeug alarmiert werden, statt über allgemeine Funkkanäle wertvolle Zeit zu verlieren.

Die technischen Möglichkeiten seien längst vorhanden. Die Teamvereinigung Velon stellt ein eigenes Trackingsystem zur Verfügung, die Erfahrungen aus der Schweiz liegen auf dem Tisch. Trotzdem stockt die Entwicklung. Manche Veranstalter scheuten die Kosten, andere wollten Konflikte mit Teams vermeiden. Wieder andere führten Datenschutzbedenken ins Feld.

Senn zeigt dafür wenig Verständnis. «Eigentlich ist alles da. Man muss nur noch wollen.» Gerade nach den Erfahrungen mit Mäder und Furrer könne sich der Radsport kein weiteres Zögern leisten. Denn die nächste Tragödie werde unweigerlich die Frage aufwerfen, warum vorhandene Sicherheitsinstrumente nicht genutzt wurden. «Dass die UCI nach der WM 2025 das Tracking-System nicht obligatorisch machte, verstehe ich nicht.»

Tour de France plant Technologie erst 2027

Senns Botschaft an die Branche ist klar: Sicherheit darf kein Nebenschauplatz sein. Die Technologie existiert, die Prozesse sind erprobt. Was fehlt, ist der Wille, sie flächendeckend einzusetzen.

Immerhin: Die Tour de France, das bei weitem grösste Radrennen der Welt, will nächstes Jahr nachziehen. Bis dahin bleibt nur die Hoffnung, dass es keine weitere Tragödie gibt. 

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