Privateinladungen und anstössige Sprüche – Untersuchung läuft
Schwere Vorwürfe gegen GC-Spitzenfunktionäre

Frauenfussball – ein Männerreich: Blick-Recherchen bringen heikles Verhalten von Erich Vogel, Heinz Spross und weiteren Funktionären ans Licht. Der Klub reagiert mit einer externen Untersuchung.
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Erich Vogel begleitet die GC-Frauen am Spielfeldrand.
Foto: Dominique Meienberg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Erich Vogel, Mitglied der Sportkommission, soll GC-Spielerinnen privat zu sich nach Hause einladen
  • GC-Nachwuchschef wurde von Ex-Arbeitgeber FCZ mit einem Stadionverbot belegt
  • Klub veranlasst externe Untersuchung und meldet Vorwürfe an Swiss Sport Integrity
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Andreas SchmidInlandredaktor

Mächtige, oft gesetzte Männer an der Macht – und Strukturen, die den Bedürfnissen der Spielerinnen nicht gerecht werden. Was im Frauenfussball vorbei schien, ist nach wie vor Gegenwart – zumindest, was das Beispiel GC Frauenfussball betrifft, wie übereinstimmende Schilderungen von Eingeweihten zeigen. Protagonisten unter anderen: Erich Vogel (87) und Heinz Spross (78).

Im vergangenen Frühling trat Vogel zwar als Sportchef der GC-Fussballerinnen zurück. Doch ist er seit einigen Monaten als Mitglied der Sportkommission wieder beim Team. Nahe dabei. Vogel ist zum Beispiel auch im Februar ins Trainingslager in die Türkei mitgereist. Wie in den Vorjahren nach Spanien (2024) und nach Portugal (2025). Vogel war bei den Trainings am Spielfeldrand dabei und badete bei Ausflügen mit den jungen Frauen im Meer.

Vogels Nähe zu den Spielerinnen empfinden manche als störend. Informierte Personen sagen, der Funktionär lade Fussballerinnen zu sich nach Hause ein, um mit ihnen Trainerausbildung zu betreiben. Auch Vertragsverhandlungen fänden regelmässig bei ihm daheim statt. Mehrere Eingeweihte – Blick hat mit einem halben Dutzend Personen gesprochen – bestätigen dies. Aus Angst vor möglichen Folgen wollen die Quellen anonym bleiben.

Unangebracht, aber nicht strafbar

Vogels Verhalten ist nicht verboten, strafrechtlich sind die Vorwürfe nicht von Belang. Aber in einem professionellen Betrieb, in dem es ein Machtgefälle zwischen Vorgesetzten und Angestellten gibt und in dem Abhängigkeitsverhältnisse bestehen, sei solches Verhalten unangebracht und stossend, kritisieren dem Klub Nahestehende.

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In diesem Zusammenhang wird auch erzählt, Präsident und Mäzen Heinz Spross (78) habe im Februar-Trainingslager in der Türkei vor versammeltem Team gefragt, ob es als Einladung ins Zimmer anzusehen sei, dass eine Spielerin ihre Hotelkarte verloren habe.

Die Altherren Spross und Vogel betätigen sich seit einigen Jahren bei den Frauen der Grasshoppers. Sie geben den Ton an und gelten als unzertrennliches Duo. Vogel war jahrzehntelang als Trainer, Manager und Sportchef bei Spitzenklubs im Männerfussball tätig, der finanzkräftige Gartenbauunternehmer Spross ist GC seit vielen Jahren als Investor verbunden. Von den Männern sagte sich Spross 2019 los und wandte sich dem Frauenfussball zu. Eine unabhängige Betriebsgesellschaft bietet professionalisierte Strukturen für die GC-Fussballerinnen.

Nachwuchschef mit Stadionverbot

Neben den Vorwürfen gegen Spross und Vogel schildern informierte Personen auch einen Vorfall, für den der heutige Nachwuchschef bei GC Frauenfussball von seinem Ex-Arbeitgeber sanktioniert wurde.

Der junge Mann handelte sich im Jahr 2022 wegen ungebührlichen Verhaltens eine Strafanzeige ein. Er schickte ein Video an Bekannte, in dem er und weitere Beteiligte mit obszönen Gesten und sexistischen Sprüchen gegen eine damalige FCZ-Angestellte auftreten. Wie diese war der Funktionär einst Mitarbeiter des Stadtklubs.

Die Betroffene reichte eine Anzeige ein, und die Zürcher Staatsanwaltschaft eröffnete eine Strafuntersuchung. Im Juni 2025 stellte sie diese ein. Trotzdem blieb der Vorfall für den Urheber nicht folgenlos. Der FCZ verhängte ein Stadionverbot gegen den Ex-Angestellten und einen weiteren Beteiligten, der früher beim Klub tätig gewesen war. «Die beiden dürfen bei Spielen der FCZ-Frauen die Heim-Areale Letzigrund und Heerenschürli nicht betreten», bestätigt der Klub Informationen von Blick. Diese Sanktion gelte bis im November 2029. «Bei uns herrscht Nulltoleranz», begründet der FCZ. Deshalb habe der Klub auch den Schweizerischen Fussballverband und Swiss Sport Integrity – die Stelle bekämpft Verstösse und Missbräuche im Sport – über den Fall informiert.

Zutritt zu Spielerinnen-Wohnungen

Neben Vogel, Spross und dem Nachwuchschef hat sich auch der Generalsekretär Kritik eingehandelt. Als Verwalter von einigen Wohnungen der Spielerinnen in Zürich-Oerlikon und Zürich-Seebach – diese werden vom Präsidenten und Immobilienbesitzer Spross sowie einem Sponsor zur Verfügung gestellt – soll er mehrfach in Abwesenheit der Fussballerinnen mit seinem Passepartout die Apartments betreten haben. Dem Vernehmen nach zum Ärger der Bewohnerinnen.

Zum Gebaren von Vogel und Spross sowie zum Stadionverbot des Nachwuchschefs bei den FCZ-Frauen stellte Blick GC Frauenfussball einen ausführlichen Fragenkatalog zu. Weiss der Klub von privaten Einladungen Vogels? Welche Funktion nahm dieser im Februar-Trainingslager in der Türkei ein? Was sagt Präsident Spross zu seiner Anspielung auf eine Einladung einer Spielerin? Wissen die Verantwortlichen vom Stadionverbot ihres Nachwuchschefs beim Stadtrivalen? Trifft es zu, dass der Generalsekretär Wohnungen von Spielerinnen in deren Abwesenheit betritt?

Der Klub reagiert

Auf die einzelnen Vorhalte tritt GC Frauenfussball nicht ein. Aber im Namen von Geschäftsleitung und Vorstand – mit Präsident Spross an der Spitze – sendet Geschäftsführerin Lauryn Reuber eine Stellungnahme. Mit deutlichen Aussagen. Der Klub handelt: Der Vorstand habe aufgrund der Vorwürfe entschieden, eine externe, unabhängige Untersuchung in Auftrag zu geben. «Allfällige Verstösse gegen die Ethikrichtlinien des Schweizer Sports tolerieren wir nicht.»

Deshalb habe der Vorstand gleichzeitig zur eingeleiteten Untersuchung die Meldestelle von Swiss Sport Integrity über die Vorwürfe informiert und eine Abklärung gefordert. «Die lückenlose und transparente Aufklärung ist für Geschäftsleitung und Vorstand zentral», heisst es in der Stellungnahme.

Geschäftsführerin Reuber weist darauf hin, dass GC Frauenfussball bereits vor einigen Monaten eine externe Anlaufstelle geschaffen habe, die anonyme Meldungen entgegennehme. «Zu den angesprochenen Vorwürfen sind dort bisher keine Meldungen eingegangen», hält Reuber fest.

Sportlich erfolgreich

In der vergangenen Saison wurden die GC-Fussballerinnen Zweite, sie spielten im Europacup und sind in der laufenden Meisterschaft im Verfolgerquartett von Leader Servette. Umso mehr sei ein Gebaren, wie es vielleicht vor 40 Jahren als «normal» angesehen worden sei, in einem professionellen Spitzenfussball-Betrieb unangebracht, sagen kritische Personen.

Doch für die Angestellten des Klubs – die Stammspielerinnen haben Monatslöhne von 2000 bis 5000 Franken – sind die Hürden für Widerstand hoch. Eingeweihte fügen zudem an: Es störten sich nicht alle daran, und manche profitierten von guten Anstellungsbedingungen, wenn sie sich beispielsweise gut zu Erich Vogel stellten und private Einladungen annahmen.

Wiederholt Verfehlungen im Frauenfussball

Der Frauenfussball erlebt seit einigen Jahren einen Aufschwung. In der Schweiz speziell mit der letztjährigen Heim-Europameisterschaft. Immer wieder richten jedoch Funktionäre mit Übergriffen Schaden an. Wie etwa der damalige nationale Verbandspräsident, der 2023 nach dem WM-Sieg der spanischen Fussballerinnen eine Spielerin auf den Mund küsste, später für schuldig befunden und mit einer Geldstrafe belangt wurde.

Erst vor einem Monat wurde ein Schweizer, der als Funktionär im österreichischen Klub Altach tätig war, zu einer bedingten Haftstrafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe verurteilt, weil er Spielerinnen beim Duschen heimlich gefilmt hatte.

Den nun erhobenen Vorwürfen gegen GC-Funktionäre liegen keine strafbaren Taten zugrunde. Dennoch wirkt ihr Verhalten stossend. In seiner Stellungnahme macht der Klub denn auch klar, was die Aufarbeitung bringen soll: «Der Schutz der persönlichen Integrität sowie das Wohl der Spielerinnen haben oberste Priorität», lautet ein Statement.

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