Biathlon
Amy Baserga schreitet diese Saison mit fünf Top-10-Plätzen voran. Von den erwartbaren Olympia-Hoffnungen ist die Schwyzerin mit Abstand am besten in Schwung. Lena Häcki-Gross, die eigentliche Team-Leaderin, erfüllte bloss die halben Selektionskriterien, immerhin scheint aber ihre Form rechtzeitig anzusteigen. Niklas Hartweg kämpfte vor und während der Saison viel mit gesundheitlichen Rückschlägen. Vieles scheint offen ein Jahr nach der guten, aber medaillenlosen Heim-WM in Lenzerheide.
Die Medaillen-Prognose: Schwierig. An einem Tag, an dem vieles zusammenpasst, ist ein Edelmetall-Coup möglich. Baserga hat gezeigt, dass sie in Einzel, Sprint, Verfolgung und Massenstart gefährlich sein kann. Warum kein Olympia-Exploit? Häcki-Gross und Hartweg könnten auch Aussenseiterchancen haben, wenn sie noch rechtzeitig in Top-Form kommen.
Das Aufgebot: Amy Baserga (25), Lea Meier (24), Lena Häcki-Gross (30), Aita Gasparin (31), Lydia Mettler (29), Niklas Hartweg (25), Joscha Burkhalter (29), Sebastian Stalder (28), Jeremy Finello (33), James Pacal (22).
Bob
Die Schweiz wollte bei den Frauen und den Männern drei Startplätze herausfahren, es gelang nur bei den Männern. Was vor allem für einen prominenten Namen einschneidend war: Muswama Kambundji, die zweitjüngste der vier Kambundji-Schwestern, kommt nun aller Voraussicht nach nicht wie Ditaji und Mujinga zu olympischen Einsätzen, sie ist nur als Ersatzanschieberin im Kader. Anders hingegen Salomé Kora – die 100-Meter-Sprinterin nahm schon dreimal an Sommerspielen teil. Nun krönt die St. Gallerin ihr eben erst gestartetes Bob-Abenteuer als Anschieberin schon mit der Winterspiele-Teilnahme.
Medaillen-Prognose: Im Eiskanal teilt die einstige Bob-Nation Schweiz das Leid aller Nationen ausserhalb Deutschlands – hinter den dominanten Deutschen gehts nur um den Preis als «Best of the Rest». In Peking 2022 holte Deutschland sieben der zwölf möglichen Bob-Medaillen und drei der vier Siege. Das wird wohl auch 2026 so sein. Leise (Bronze-)Hoffnungen kann sich Michael Vogt im Zweierbob machen. Gleiches gilt für Melanie Hasler im Mono- und Zweierbob.
Das Aufgebot: Melanie Hasler (27, Pilotin), Nadja Pasternack (29, Anschieberin bei Hasler), Debora Annen (23, Pilotin), Salomé Kora (31, Anschieberin bei Annen), Muswama Kambundji (30, Ersatzanschieberin), Michael Vogt (28, Pilot), Andreas Haas (29, Anschieber bei Vogt), Amadou Ndiaye (23, Anschieber bei Vogt), Mario Aeberhard (20, Anschieber bei Vogt), Cédric Follador (31, Pilot), Omar Vögele (26, Anschieber bei Follador), Luca Rolli (29, Anschieber bei Follador), Tim Annen (21, Anschieber bei Follador), Timo Rohner (27, Pilot), Cyril Bieri (32, Anschieber bei Rohner), Pascal Moser (29, Anschieber bei Rohner), Mathieu Hersperger (29, Anschieber bei Rohner), Livio Matossi (28, Ersatzanschieber), Dominik Hufschmid (27, Ersatzanschieber).
Curling
Sowohl das Frauen-Team mit den Vierfach-Weltmeisterinnen um Skip Silvana Tirinzoni als auch die Männer um Yannick Schwaller gehören zu den besten Equipen der Welt. Beide sind aktuell Vize-Weltmeister, beide überzeugten diese Saison in Kanada bei der prestigeträchtigen Grand-Slam-Serie. Bei Schwaller muss sich allerdings zeigen, wie er die Doppelbelastung verkraftet. Der Solothurner spielt in der ersten Woche mit seiner Frau Briar Schwaller-Hürlimann bereits das Mixed-Doubles-Turnier.
Medaillen-Prognose: Glänzende Aussichten! Während das Mixed-Double-Turnier unberechenbar ist, stehen die Schweizer Chancen auf gleich zwei Medaillen im Vierer-Curling ausgezeichnet. Läuft für die Männer das Turnier ähnlich wie zuletzt die EM (Silber), gehören sie auch in Cortina zu den heissen Top-3-Anwärtern. Bei den Frauen ist es noch krasser: Tirinzoni und Co. gewannen die letzten vier Jahre bei allen Titelkämpfen, bei denen sie teilnahmen, entweder Gold oder Silber. Bei Olympia wäre nun alles andere als ein Final gegen die grosse Rivalin Rachel Homan (Ka) eine Überraschung.
Das Aufgebot: Silvana Tirinzoni (46, Frauen), Alina Pätz (35, Frauen), Carole Howald (32, Frauen), Selina Witschonke (27, Frauen), Stefanie Berset (29, Frauen Ersatz), Yannick Schwaller (30, Mixed Doubles und Männer), Benoît Schwarz-van Berkel (34, Männer), Sven Michel (37, Männer), Pablo Lachat-Couchepin (25, Männer), Kim Schwaller (22, Männer Ersatz), Briar Schwaller-Hürlimann (32, Mixed Doubles).
Eishockey
Nati-Trainer Patrick Fischer kann zwar auf zehn NHL-Stars zählen, hinter zwei derzeit Verletzten stehen allerdings noch Fragezeichen: Pius Suters letzter Einsatz mit St. Louis datiert am 27. Dezember, jener von Philipp Kurashev mit San Jose gar am 13. Dezember. Beide kehren erst in den nächsten Tagen aufs Eis zurück. Fiele einer der beiden aus, würde ihn wohl Tyler Moy (Lakers) ersetzen – naja, immerhin der Topskorer der letzten WM.
Frauen-Headcoach Colin Muller stellt ein junges Team, das Durchschnittsalter liegt bei 23 Jahren. Das Abwehr-Talent Laure Mériguet (17) hat es als Küken ins Aufgebot geschafft.
Medaillen-Prognose: Das Wunder von Mailand. So könnte man einen Medaillengewinn bezeichnen. Ja, unsere NHL-Stars sind – wie bei allen Teams – an Bord. Und ja, unser Frauen-Hockey hat einen Schritt nach vorne gemacht. Dennoch: Sobald es Richtung K.o.-Spiele geht, ist die Gegnerschaft vor allem bei den Männern hochkarätiger besetzt. Der Modus könnte ihnen höchstens noch bei der Quali für den Viertelfinal in die Karten spielen, aber irgendwann warten die Amis, Schweden, Finnen, Tschechen oder Kanadier.
Weil das Frauen-Team in der stärkeren Gruppe A spielt und somit schon fix im Viertelfinal ist, wäre dort die grösste, aber schwierige Chance auf ein Weiterkommen, den 4. oder 5. Platz in der Gruppe zu vermeiden.
Tor: Reto Berra (HC Fribourg-Gottéron), Leonardo Genoni (EV Zug), Akira Schmid (Vegas Golden Knights)
Verteidigung: Tim Berni (Genève-Servette HC), Michael Fora (HC Davos), Andrea Glauser (HC Fribourg-Gottéron), Roman Josi (Nashville Predators), Dean Kukan (ZSC Lions), Christian Marti (ZSC Lions), Janis Moser (Tampa Bay Lightning), Jonas Siegenthaler (New Jersey Devils)
Sturm: Sven Andrighetto (ZSC Lions), Christoph Bertschy (HC Fribourg-Gottéron), Kevin Fiala (Los Angeles Kings), Nico Hischier (New Jersey Devils), Ken Jäger (Lausanne HC), Simon Knak (HC Davos), Philipp Kurashev (San Jose Sharks), Denis Malgin (ZSC Lions), Timo Meier (New Jersey Devils), Nino Niederreiter (Winnipeg Jets), Damien Riat (Lausanne HC), Sandro Schmid (HC Fribourg-Gottéron), Pius Suter (St. Louis Blues), Calvin Thürkauf (HC Lugano)
Tor: Reto Berra (HC Fribourg-Gottéron), Leonardo Genoni (EV Zug), Akira Schmid (Vegas Golden Knights)
Verteidigung: Tim Berni (Genève-Servette HC), Michael Fora (HC Davos), Andrea Glauser (HC Fribourg-Gottéron), Roman Josi (Nashville Predators), Dean Kukan (ZSC Lions), Christian Marti (ZSC Lions), Janis Moser (Tampa Bay Lightning), Jonas Siegenthaler (New Jersey Devils)
Sturm: Sven Andrighetto (ZSC Lions), Christoph Bertschy (HC Fribourg-Gottéron), Kevin Fiala (Los Angeles Kings), Nico Hischier (New Jersey Devils), Ken Jäger (Lausanne HC), Simon Knak (HC Davos), Philipp Kurashev (San Jose Sharks), Denis Malgin (ZSC Lions), Timo Meier (New Jersey Devils), Nino Niederreiter (Winnipeg Jets), Damien Riat (Lausanne HC), Sandro Schmid (HC Fribourg-Gottéron), Pius Suter (St. Louis Blues), Calvin Thürkauf (HC Lugano)
Tor: Andrea Brändli (Frölunda HC), Saskia Maurer (SC Bern), Monja Wagner (Union College)
Verteidigung: Alessia Baechler (Northeastern University), Annic Büchi (EV Zug), Lara Christen (SC Bern), Laure Mériguet (Genève Servette), Shannon Sigrist (ZSC Lions), Nicole Vallario (PWHL New York), Stefanie Wetli (SC Bern)
Sturm: Leoni Balzer (HC Davos Ladies), Rahel Enzler (EV Zug), Naemi Herzig (Holy Cross University), Sinja Leemann (SC Bern), Lena-Marie Lutz (HC Ambri-Piotta), Alina Marti (EV Zug), Alina Müller (PWHL Boston), Kaleigh Quennec (SC Bern), Lisa Rüedi (ZSC Lions), Vanessa Schaefer (University of British Columbia), Lara Stalder (EV Zug), Ivana Wey (EV Zug), Laura Zimmermann (St. Cloud University)
Tor: Andrea Brändli (Frölunda HC), Saskia Maurer (SC Bern), Monja Wagner (Union College)
Verteidigung: Alessia Baechler (Northeastern University), Annic Büchi (EV Zug), Lara Christen (SC Bern), Laure Mériguet (Genève Servette), Shannon Sigrist (ZSC Lions), Nicole Vallario (PWHL New York), Stefanie Wetli (SC Bern)
Sturm: Leoni Balzer (HC Davos Ladies), Rahel Enzler (EV Zug), Naemi Herzig (Holy Cross University), Sinja Leemann (SC Bern), Lena-Marie Lutz (HC Ambri-Piotta), Alina Marti (EV Zug), Alina Müller (PWHL Boston), Kaleigh Quennec (SC Bern), Lisa Rüedi (ZSC Lions), Vanessa Schaefer (University of British Columbia), Lara Stalder (EV Zug), Ivana Wey (EV Zug), Laura Zimmermann (St. Cloud University)
Eiskunstlauf
Der Schaffhauser Lukas Britschgi ist die Konstante im Aufgebot, der Europameister von 2025 nimmt zum zweiten Mal an den Winterspielen teil. Debütantinnen sind die Baslerin Kimmy Repond und die Thurgauerin Livia Kaiser. Beide haben sich nach Verletzungen wieder zurückgekämpft. Kaiser verpasste eigentlich die Selektionskriterien, doch die WM-Neunte von 2024 fährt dank ihres grossen Entwicklungspotenzials dennoch nach Mailand. Bitter ist die Ausgangslage für Riesentalent Leandra Tzimpoukakis (16). Die Zürcherin knackte an der SM eigentlich die Limite – doch wegen der Altersgrenze ist sie ein Jahr und 14 Tage zu jung für Olympia.
Die Medaillen-Prognose: Auch trotz der Russland-Sperre ist die internationale Konkurrenz vor allem aus den grossen Eiskunstlaufländern wie USA und Japan zu gross, die Schweiz wird in Mailand ohne Podest bleiben. Selbst olympische Diplome sind für das Schweizer Trio ein hohes Ziel – liegen mit zwei Traumtagen aber drin.
Das Aufgebot: Kimmy Repond (19), Livia Kaiser (21), Lukas Britschgi (27).
Eisschnelllauf
Olympia-Debüt mit 31 Jahren! Kaitlyn McGregor schreibt ein ganz spezielles Wintermärchen. Die Tochter des kanadischen Eishockeyspielers und -trainers Mark McGregor hatte 2014 eigentlich schon desillusioniert mit Eisschnelllauf aufgehört, ehe die in der Schweiz aufgewachsene Doppelbürgerin nach sieben Jahren Auszeit doch nochmals angriff – und jetzt den grossen Traum real werden liess. Routinier Livio Wenger ist bereits zum dritten Mal an den Spielen dabei.
Die Medaillen-Prognose: Wenn beim Schweizer Trio was geht, dann im Massenstart. In dieser taktischen, aber auch unberechenbaren Sparte können McGregor, Härdi und Wenger jederzeit in die Top Ten skaten. Der Luzerner verpasste Massenstart-Bronze schon 2018 als Vierter nur hauchdünn. Es wäre die erste Schweizer Eisschnelllauf-Medaille der Geschichte.
Das Aufgebot: Ramona Härdi (28), Kaitlyn McGregor (31), Livio Wenger (33).
Langlauf
Die Schweiz ist in den letzten Jahren dank Nadine Fähndrich, aber auch dank Valerio Grond und Janik Riebli zur echten Sprint-Konkurrenz für die dominierenden Skandinavier geworden. Im Val di Fiemme wird während Olympia ein Klassisch-Sprint ausgetragen. In den Distanz-Wettkämpfen ist die Lücke im Weltcup derweil deutlich grösser. Nadja Kälin ist geschlechterübergreifend die einzige Schweizerin, die in dieser Disziplinenwertung in den Top 20 steht.
Die Medaillen-Prognose: Fähndrich hat als aktuelle Gesamtzweite der Sprintwertung beste Karten auf Edelmetall. Nach dem tränenreichen fünften Rang in Peking 2022 will sie sich diesmal ihren grossen Olympia-Medaillentraum erfüllen. Bei Grond, Riebli oder Anja Weber sind Sprint-Exploits möglich, wären aber kleine Sensationen. Und: Aufgepasst auf die Schweizer Staffeln oder den Teamsprint, wo immer eine Überraschung möglich ist.
Das Aufgebot: Fabienne Alder (22), Nadine Fähndrich (30), Lea Fischer (27), Nadja Kälin (24), Marina Kälin (22), Alina Meier (29), Anja Weber (24), Valerio Grond (25), Beda Klee (29), Noe Näff (22), Janik Riebli (27), Nicola Wigger (24).
Rodeln
Ohne die Familie Maag aus dem Zürcher Oberland wäre der Schweizer Rodelsport schlicht inexistent. Natalie Maag rast seit Jahren als einsame Schweizer Einzelkämpferin durch die Bahnen, ihre Mutter Käthi sitzt für die Eiskanaldisziplin im Swiss-Sliding-Vorstand. Auch der Vater und der Bruder waren früher im Rodeln aktiv. Maag trainiert oft mit dem deutschen Team und hat sich im Weltcup längst auf konstantem Top-Ten-Niveau etabliert.
Die Medaillen-Prognose: Im internationalen Vergleich gehört Maag nicht zu den heissen Podestanwärterinnen. Eine Medaille wäre eine Sensation und historisch einmalig. Das Ziel der Zürcherin ist aber klar: Sie will ihren olympischen Rang 9 von Peking 2022 verbessern und in Cortina in die Top 5 rasen.
Das Aufgebot: Natalie Maag (28).
Skibergsteigen
Mit dem Skibergsteigen feiert in Milano-Cortina 2026 eine neue Sportart Olympia-Premiere – und die Schweiz gehört sofort zu den interessantesten Nationen. Mit Weltmeisterin Marianne Fatton, der aufstrebenden Caroline Ulrich sowie den Sprint-Spezialisten Jon Kistler und Arno Lietha schickt Swiss Olympic ein ausgewogenes Team ins Rennen. Alle vier bringen internationale Podesterfahrung mit, vor allem in den olympischen Formaten Sprint und Mixed-Staffel. Dass Skibergsteigen technisch anspruchsvoll, taktisch geprägt und extrem intensiv ist, spielt der Schweiz in die Karten: In neuen Disziplinen war sie an Olympischen Spielen traditionsgemäss immer stark.
Medaillen-Prognose: Vielversprechend. Als Olympia-Neuling ist Skibergsteigen schwer einzuschätzen, doch genau das kann zum Vorteil werden. Im Sprint ist besonders bei den Frauen eine Medaille realistisch, in der Mixed-Staffel zählt die Schweiz klar zum erweiterten Favoritenkreis. Eine Überraschung ist durchaus möglich.
Das Aufgebot: Caroline Ulrich (23, Frauen), Marianne Fatton (30, Frauen), Jon Kistler (22, Männer), Arno Lietha (26, Männer).
Ski Freestyle
Die Schweiz stellt mit Mathilde Gremaud und Sarah Höfflin gleich zwei Olympiasiegerinnen. An der Erfahrung dürfte es also nicht scheitern. Einiges erlebt an Olympischen Spielen hat auch Slopestyle-Weltmeister und Internet-Star Andri Ragettli. Aber eher im negativen Sinn. Bisher fehlt ihm diese Medaille noch in seinem Palmarès.
Die Medaillen-Prognose: Kurz vor Olympia setzt Gremaud ein fettes Ausrufezeichen. Sie triumphierte an den X-Games. Ein Medaillen-Jubel in Italien scheint deshalb wahrscheinlich. Genauso wie bei Ragettli, der nur ein Problem hat: Während er in der Quali meist überzeugt, leistet er sich im Wettkampf oft einen kleinen Fehler zu viel. Wenn er diesen abstellt, liegt der Olympiasieg drin.
Das Aufgebot: Andri Ragettli (27), Fabian Bösch (28), Kim Gubser (25), Nils Rhyner (23), Robin Briguet (26), Mathilde Gremaud (25), Sarah Höfflin (35), Giulia Tanno (27), Anouk Andraska (22).
Skeleton
Einst war diese spektakuläre Eiskanalsparte ein Schweizer Hit, wie der Olympiasieg von Maya Pedersen und Bronze vom heutigen St. Moritzer Eiskanal-Geschäftsführer Gregor Stähli 2002 zeigt. Später glänzte die aktuelle Swiss-Sliding-Sportchefin Marina Gilardoni mit einem Vize-WM-Titel. Doch nun hatte Gilardoni wenig Spielraum bei der Selektion: Es gibt zwar einige Skeletontalente, doch an der Weltspitze ist aktuell die Schweiz nicht vertreten. Nur Vinzenz Buff schafft es auch dank des Potenzial-Bonus nach Cortina.
Die Medaillen-Prognose: Buff reist ohne Podestchancen nach Italien. Im Weltcup war der Engadiner in seiner Karriere erst einmal in den Top Ten klassiert.
Das Aufgebot: Vinzenz Buff (24)
Snowboard Freestyle
Pat Burgener ist die Snowboard-Antwort auf Ski-Superstar Lucas Pinheiro Braathen. Während sich Braathen von Norwegen verabschiedete und nun für Brasilien startet, drehte Burgener im letzten Sommer der Schweiz den Rücken zu. Während er dank mehreren Top-Resultaten an die Olympischen Spielen reisen darf, muss Iouri Podladtchikov zu Hause bleiben. Sein Sensations-Comeback zielte auf den Grossanlass ab. Doch ein Sturz im November liess seinen Olympia-Traum platzen. Die Augenverletzung bereitet ihm bis heute Mühe.
Die Medaillen-Prognose: Ein Podestplatz wäre eine Sensation. Zu stark sind unter anderem die Asiaten. Sie dominieren sowohl in der Halfpipe als auch im Slopestyle. Immerhin einmal aufs Weltcup-Podest sprangen in diesem Winter David Hablützel und Isabelle Lötscher. An diesen Wettkämpfen fehlten aber eine Reihe von Topcracks.
Das Aufgebot: David Hablützel (29), Jan Scherrer (31), Mischa Zürcher (17), Jonas Hasler (19), Ariane Burri (25), Isabelle Lötscher (21).
Snowboard alpin
Das Snowboard-Paar Dario und Ladina Caviezel absolviert sein Athletiktraining neuerdings gemeinsam mit einem König. ESAF-Triumphator Armon Orlik schwitzt am Freitag jeweils genauso bei Robin Städler wie die beiden Snowboarder. Auf Abschiedstournee befindet sich die zweifache Weltmeisterin Julie Hänggi-Zogg. Nach dieser Saison ist Schluss – ob sie diese mit einem Olympia-Titel krönen kann?
Die Medaillen-Prognose: Es scheint etwas in der Luft zu liegen. Dario Caviezel schnupperte immer wieder am Podest. Gian Casanova schaffte es sogar einmal unter die besten drei. Ebenfalls einen Podestplatz vorweisen kann Hänggi-Zogg. Etwas möglich scheint auch im Mixed Team. So kurvten Caviezel und Hänggi-Zogg in Österreich auf Rang 2.
Das Aufgebot: Gian Casanova (25), Dario Caviezel (30), Flurina Bätschi (22), Ladina Caviezel (32), Julie Hänggi-Zogg (33), Xenia von Siebenthal (18).
Snowboardcross
Während andere Geschenke auspackten, lag Noémie Wiedmer im Spital. Das 18-jährige Supertalent hat sich über die Weihnachtstage das Handgelenk gebrochen. Rechtzeitig für die Olympischen Spiele ist sie wieder fit. Genauso wie ihr Vorbild Sina Siegenthaler. Die Bernerin ist die einzige der vier selektionierten Schweizerinnen, die bereits Olympia-Erfahrung hat.
Die Medaillen-Prognose: Zwei Top-3-Plätze in der Quali und ein vierter Rang zeigen: Eine Medaille scheint vor allem für Siegenthaler möglich. Wiedmer könnte mit ihrer Unbekümmertheit punkten. Und bei vier Athleten, die sich gleichzeitig die Strecke runterstürzen, spielt auch der Faktor Zufall eine grosse Rolle.
Das Aufgebot: Kalle Koblet (28), Aline Albrecht (24), Anouk Dörig (23), Sina Siegenthaler (25), Noémi Wiedmer (18).
Ski alpin Herren
Bis heute hat es zwei Alpin-Herren gegeben, die bei Olympischen Spielen drei Goldmedaillen gewonnen haben: Der Österreicher Toni Sailer 1956 in Cortina und Frankreichs Jean-Claude Killy 1968 bei seinen Heimspielen in Grenoble. Marco Odermatt hat im laufenden Weltcup-Winter drei Abfahrten, drei Riesenslaloms und zwei Super-Gs gewonnen. Deshalb wäre es keine Überraschung, wenn auch der Nidwaldner dreimal Gold einfahren würde. Aber aufgepasst: Neben Italiens Überflieger Giovanni Franzoni lauern im eigenen Team gefährliche Widersacher auf Odermatt.
Die Medaillen-Prognose: Die Männer von Cheftrainer Tom Stauffer besitzen das Potenzial, um in sämtlichen Disziplinen mindestens zwei Medaillen zu gewinnen. In den Speed-Disziplinen sind neben Odermatt auch Abfahrts-Weltmeister Franjo von Allmen und Alexis Monney, der im Vorjahr in Bormio seinen ersten Weltcupsieg realisierte, brandheiss. Aber auch Niels Hintermann hat auf der Stelvio schon den Sprung aufs Podest geschafft, der mega konstante Stefan Rogentin gehört im Super-G zu den gefährlichen Aussenseitern. Loïc Meillard wird nach seinem Riesen-Sieg in Schladming mit besonders viel Selbstvertrauen nach Italien reisen, im Slalom besitzt auch Tanguy Nef Aussenseiterchancen. Und nicht zu vergessen: Die Team-Kombination fungiert bei den Alpinen erstmals im Olympia-Programm. In dieser Sparte haben wir bei der letzten WM in Saalbach dank von Allmen/Meillard, Monney/Nef und Rogentin/Rochat einen Dreifachsieg gefeiert.
Das Aufgebot: Luca Aerni (32), Niels Hintermann (30), Matthias Iten (26), Loïc Meillard (29), Alexis Monney (26), Tanguy Nef (29), Marco Odermatt (28), Stefan Rogentin (31), Thomas Tumler (36), Franjo von Allmen (24), Daniel Yule (32).
Ski alpin Frauen
Alles ging gut los: Lara Gut-Behrami fuhr beim Saison-Auftakt in Sölden (Ö) direkt auf den dritten Platz. In den Wochen danach brach das Schweizer Ski-Kartenhaus zusammen. Zuerst verletzte sich Gut-Behrami. Dann flog Corinne Suter im Training heftig ab. Und schliesslich erwischte es Michelle Gisin. Gut-Behrami und Gisin verpassen mit Olympia in Cortina ihr letztes grosses Karriere-Ziel. Ob sie weitermachen, ist offen. Suter hat sich erholt, ihr fehlen aber Rennkilometer. Schweizer Glanzpunkte gab es danach trotzdem. Vor allem wegen Camille Rast. Sie fuhr achtmal aufs Podest und gewann dabei zweimal – einmal im Riesenslalom und einmal im Slalom.
Die Medaillen-Prognose: Sieben Medaillen hamsterten die Schweizer Frauen bei den letzten Olympischen Winterspielen. So viele werden es diesmal bei weitem nicht sein. In Abfahrt und Super-G liegen die Hoffnungen auf den Schultern von Suter. Sie reist nicht in Top-Form an, war bei Grossanlässen aber stets eine Bank. Und sonst? Rast hat das Potenzial, drei Medaillen zu holen (Slalom, Riesenslalom, Team-Kombi). Sie hat Klasse und Nerven aus Stahl. Und wer weiss: Vielleicht schlägt Wendy Holdener bei ihren wohl letzten Winterspielen ja auch noch einmal zu.
Das Aufgebot: Corinne Suter (31), Malorie Blanc (22), Jasmine Flury (32), Delia Durrer (23), Janine Schmitt (25), Camille Rast (26), Wendy Holdener (32), Eliane Christen (27), Mélanie Meillard (27), Sue Piller (20), Vanessa Kasper (30).
Skicross
Ein letztes Hurra von Altmeister Alex Fiva? Der Bündner überlegt sich seit Jahren, zurückzutreten. Die Olympischen Spiele dürften nun definitiv sein letzter Grossanlass werden. Unsicher ist die Zukunft von Fanny Smith. Fakt ist, dass sie noch immer brutal schnell fährt. Viermal raste sie in diesem Winter aufs Weltcup-Podest. Eine Blackbox ist die Strecke. Niemand weiss genau, wie sie aussehen wird.
Die Medaillen-Prognose: Läuft alles nach Plan – was im Skicross selten der Fall ist –, dann gewinnt die Schweiz eine Medaille. Bei den Männern stellen wir mit Fiva, Regez und Tobias Baur gleich drei Podest-Fahrer aus dieser Saison. Zu den Top-Favoritinnen auf Gold gehört auch Fanny Smith. Die Erinnerungen an die letzten Olympischen Spiele sind zudem hervorragend: Regez triumphierte vor Fiva. Smith sicherte sich die Bronzemedaille. Gerne noch einmal so!
Das Aufgebot: Tobias Baur (28), Romain Détraz (32), Alex Fiva (39), Ryan Regez (32), Sixtine Cousin (26), Talina Gantenbein (27), Saskja Lack (25), Fanny Smith (33).
Ski Freestyle Aerials
Bei den letzten Olympischen Spielen in Peking wollte es mit einer Schweizer Medaille bei den Aerials-Wettkämpfen knapp nicht klappen. In dieser Saison sind die Voraussetzungen aber wieder gut. In der Weltcup-Gesamtwertung dieses Winters liegt Pirmin Werner aktuell auf dem sechsten Rang – mit zwei Punkten Vorsprung auf Noé Roth. Beide standen schon auf dem Podest. Und dann gibt es da noch Lina Kozomara. Die 20 Jahre junge Schweizerin, die den vergangenen Winter mit einem Sieg im Europacup abschloss, ist Anfang Saison zum ersten Mal im Weltcup gestartet und ist nun zum ersten Mal bei Olympischen Spielen mit dabei. Dank ihr kann Swiss Olympic auch wieder eine Auswahl für den Teamwettbewerb stellen. Die grossen Dominatoren des Sports kommen aktuell aber sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen aus China.
Die Medaillen-Prognose: Bei den Einzelwettkämpfen hat sowohl Noé Roth als auch Pirmin Werner durchaus Chancen auf Edelmetall. Beide standen in dieser Saison schon auf dem Weltcup-Podest, und an der Heim-WM in St. Moritz vor einem Jahr zeigten die beiden Freunde, dass sie am Tag X abliefern können. Damals holte Roth Gold und Werner Bronze. Für die einzige Frau im Aerials-Team dürfte eine Einzel-Medaille ein schwierigeres Unterfangen werden. Lina Kozomaras beste Weltcup-Resultate waren zwei 20. Plätze. Ihr Fokus dürfte in Livigno deshalb vor allem auf dem Teamwettkampf liegen. Die WM-Bronzemedaille in St. Moritz zeigte, dass vieles möglich ist. Aber Achtung: Den bisher einzigen Weltcup-Teamwettbewerb dieser Saison in Secret Garden (China) dominierten die Chinesen, die die Plätze 1 und 2 holten. Das Schweizer Team sprang auf Platz 7.
Das Aufgebot: Lina Kozomara (20), Noé Roth (25), Pirmin Werner (26).
Skispringen
Keine achten Olympischen Spiele für Simon Ammann – dafür eine Premiere für Felix Trunz. Der Teenager setzte sich im engen Duell mit der Skisprung-Legende durch. Letztlich sprachen unter anderem auch die Zukunftsperspektiven für den Ostschweizer. Nun wird sich zeigen, wie gut sich Trunz auf der grösstmöglichen Bühne bereits in Szene setzen kann. Der Titel als Aufsteiger der Saison gehört Sandro Hauswirth. Der Berner Oberländer sprang regelmässig in die Punkte. Gleiches gelang auch Gregor Deschwanden.
Die Medaillen-Prognose: Wir brauchen Hilfe vom Wettergott! Aufwind zur richtigen Zeit und ganz viel Rückenwind für die Konkurrenz. Doch selbst dann ist eine Medaille alles andere als sicher. Teamleader Deschwanden sucht noch nach dem optimalen Fluggefühl. Ein zehnter Platz ist sein bester Ergebnis in diesem Winter. Noch in der letzten Saison sprang er mehrfach aufs Podest. Viel Freude macht dafür Hauswirth – aber ein Podestplatz? Nein, das scheint unmöglich …
Das Aufgebot: Gregor Deschwanden (34), Sandro Hauswirth (25), Felix Trunz (19).
