Tausende Menschen, ausgelassene Stimmung und ein gemeinsames Ziel: Beim Wings for Life World Run 2026 wurde Zug am Sonntag erneut zum Treffpunkt für Laufbegeisterte aus aller Welt. Mehr als 8’000 Teilnehmer gingen beim ausverkauften Schweizer Flagship Run an den Start und weitere 4'657 nahmen über App Runs im ganzen Land teil.
Schon vor dem Start ist die besondere Atmosphäre spürbar. Musik schallt über das Gelände, Gruppen machen Erinnerungsfotos, und überall wird gelacht, aufgewärmt oder diskutiert, wie lange man dem Catcher Car wohl davonlaufen kann.
«Man will einfach nicht eingeholt werden!»
«Eigentlich sind wir zum Spass hier, aber irgendwann spürt man dann doch den Ehrgeiz. Man will eben einfach nicht eingeholt werden!», sagt Läuferin Diana Kulik (55) kurz vor dem Rennen. Denn beim Wings for Life World Run gibt es keine klassische Ziellinie: Stattdessen nimmt 30 Minuten nach dem Start das sogenannte Catcher Car die Verfolgung auf und beendet die Läufe der Teilnehmenden nach und nach.
Auch Skicross-Athletin Chiara von Moos (20) stellt sich der Herausforderung. Ihr Ziel: mindestens zehn Kilometer. «Ich bin ein bisschen nervös, aber die Stimmung ist super», sagt sie vor dem Start. Besonders beeindruckt sie das Gemeinschaftsgefühl vor Ort: «Es ist sehr cool, wie alle zusammen sind und sich die Freude dadurch noch steigert.»
Viele prominente Sport-Stars sind mit dabei
Diese Euphorie lockt auch die Sportstars aus der Schweiz an. Unter anderem standen Ski-Star Marco Odermatt, Triathlon-Legende Daniela Ryf, Weltrekord-Leichtathlet Simon Ehammer und Freeski-Olympiasiegerin Mathilde Gremaud auf der Teilnehmerliste. Die Beachvolleyball-Schwestern Anouk und Zoé Vergé-Dépré setzten sich hingegen ins Catcher Car.
«Es war richtig beeindruckend, wie die Leute sich ans Limit pushen», erzählt Zoé nach dem Lauf. Die Stimmung entlang der Strecke habe sie immer wieder mitgerissen: «Wir hatten ständig Hühnerhaut, weil es so abging.» Vier Stunden lang waren sie im Catcher Car unterwegs – hupend, anfeuernd und im ständigen Austausch mit den Teilnehmenden. «Das war schon intensiv», sagt sie lachend.
«Man hatte das Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein»
Besonders eindrücklich sei ein Läufer gewesen, der unmittelbar nach dem Überholtwerden völlig erschöpft zusammenbrach. «Man hat gemerkt, wie sehr die Leute ans Limit gehen», erzählt Zoé weiter. Und Anouk ergänzt: «Trotzdem hat fast jede und jeder noch gelächelt. Man hatte das Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein.»
Denn obwohl der sportliche Wettkampf beim Wings for Life World Run im Vordergrund steht, geht es vor allem um den guten Zweck. Auch dieses Jahr fliessen sämtliche Startgelder und Spenden wieder zu 100 Prozent in die Rückenmarksforschung, mit dem Ziel, Querschnittslähmung heilbar zu machen. Weltweit wurden dieses Jahr 9,2 Millionen Euro gesammelt.
Männlicher Gewinner des Flagship Runs in Zug wurde Raphael Josef, der 61,68 Kilometer lief, bevor die Vergé-Dépré-Schwestern ihn im Auto einholten. Bei den Frauen im Laufwettbewerb gewann Seraina Stettler das Rennen mit 49,08 zurückgelegten Kilometern. Im Rollstuhl war Witold Misztela wieder einmal nicht zu schlagen. Er legte 56,93 Kilometer zurück.