Darum gehts
- Chats deuten auf Einflussnahme von Swiss Tennis im Verbands-Zoff hin
- Nachrichten zeigen Absprachen zwischen Swiss Tennis und den Nationalspielern
- Swiss Tennis weist alle Vorwürfe zurück
Der Schweizer Padelsport wird von einem Machtkampf erschüttert. Ur-Verband Swiss Padel und Swiss Tennis liegen sich in den Haaren. Der Tiefpunkt der Padel-Posse: Die Herren-Nati wurde von Swiss-Padel-Präsident Rico Jacober (51) gesperrt und verpasste die WM-Qualifikation in Madrid.
Die betroffenen Top-Spieler schossen auf Social Media scharf gegen Jacober («Diktator»). Jacober wehrte sich im Blick und nannte die vermeintliche Spieler-Rebellion eine orchestrierte «Rauchpetarde».
Jetzt zeigen Whatsapp-Chats, die Blick vorliegen: Dass sich die Männer-Nati geschlossen gegen ihren eigenen Verband stellte, war tatsächlich orchestriert. Von Swiss Tennis. Vom Verband also, der sich in der Schweiz des boomenden Padel-Sports annehmen will.
Der «ST-Padel-call»-Leak
Die Whatsapp-Protokolle stammen aus einer Chat-Gruppe namens «ST-Padel-call». Die Nachrichten zeigen Absprachen im Hintergrund zwischen Swiss Tennis und den Nationalspielern. Das Ziel? Die Nati im schwelenden Verbands-Zoff auf die Seite des Tennis-Verbands zu ziehen.
Gegründet wurde die Chat-Gruppe von Matthieu Amgwerd (50), dem starken Padel-Mann bei Swiss Tennis. Darin bereitete er die Nati-Spieler offenbar auch vor einem Jahr auf die Abstimmung im Sportparlament vor. Denn im November 2025 stand Ur-Verband Swiss Padel als neues Mitglied bei Swiss Olympic zur Debatte. Eine Aufnahme von Swiss Padel als offizielles Swiss-Olympic-Mitglied hätte es für Swiss Tennis erheblich erschwert, den Padel-Bereich in der Schweiz zu übernehmen.
Amgwerd forderte die Spieler im Chat unmissverständlich auf, das Nationalteam solle im Vorfeld der Abstimmung «mit einer Stimme» für die Seite von Swiss Tennis sprechen.
Gratis-Courts für den Treueschwur
Doch wie bringt man Athleten dazu, sich gegen ihren eigenen Verband zu stellen? Die Whatsapp-Protokolle zeigen einen pikanten Deal. Im exakt gleichen Zeitraum, als Swiss Tennis die Spieler auf Linie brachte, köderte Amgwerd sie mit kostenlosen Trainingsmöglichkeiten.
Im Chat schreibt Amgwerd: «Swiss Tennis Padel wird die Platzmiete in Biberist finanzieren.» Auch Plätze in Solothurn wurden den Spielern «free of charge» gebucht und gar die Zutrittscodes via Chat verschickt. Kurz darauf stellte Swiss Tennis den Spielern das Förderpaket «Top-Players support 2025» in Aussicht.
Der verräterische Chat-Verlauf
Die Strategie ging voll auf: Kurz nach diesen Versprechen setzten die Spieler einen Unterstützungsbrief auf. Dieser ging an Swiss Olympic. Dass dieser Brief keine reine Eigeninitiative war, gibt ein Nationalspieler im Whatsapp-Chat sogar ungeniert zu. Er teilt das Dokument in der Gruppe und schreibt: «Das wurde übrigens von Swiss Tennis Padel verlangt, wie mit René (Stammbach) und Matthieu (Amgwerd) am 27. September besprochen.»
Ob dieser Brief der Nationalspieler grossen Einfluss hatte, sei dahingestellt. Fakt ist: Das Sportparlament lehnte die Aufnahme von Swiss Padel als Swiss-Olympic-Mitglied ab.
«Nie instrumentalisiert oder gekauft»
Blick hat Swiss Tennis mit den brisanten Protokollen konfrontiert. Der Padel-Verantwortliche wehrt sich auf Anfrage vehement gegen die Vorwürfe. «Ich habe die Spieler nie instrumentalisiert oder mit freien Trainingsstunden ‹gekauft›», so Amgwerd.
Die Nati-Spieler hätten aus Frust über die fehlende sportliche und finanzielle Unterstützung durch Swiss Padel aus eigenem Antrieb gehandelt. Dass sie im Leistungszentrum in Biberist SO gratis spielen durften, sei keine Gegenleistung für Loyalität gewesen, sondern der Zweck der Anlage: «Wenn wir den Sport unterstützen, dann müssen wir den besten Athleten helfen. Dieser Ort ist für die Spieler da.»
Auch den umstrittenen Unterstützungsbrief an Swiss Olympic hätten die Athleten selbst initiiert, weil sie für eine bessere Zukunft der Sportart kämpfen wollten. Amgwerd stellt klar: «Sie sind Erwachsene, intelligent und haben ihre eigene Meinung. Wir hatten mit diesem Brief nichts zu tun.»