Riesiger Wirbel um Boom-Sportart
Im grossen Schweizer Padel-Zoff gehts um Macht, Geld und eine gesperrte Nati

Padel ist die am schnellsten wachsende Sportart der Schweiz. Doch während auf den Plätzen der Bälle-Boom herrscht, brennt im Hintergrund der Baum. Ein Machtkampf zwischen dem Verbands-Pionier und dem mächtigen Swiss Tennis blockiert den Sport, mit leidtragenden Athleten und platzenden Olympia-Träumen.
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Frust pur, ein schmutziger Verbandskrieg blockiert die Boom-Sportart Padel.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Der Schweizer Padel-Boom wird von einem erbitterten Verbandskrieg zwischen Swiss Padel und Swiss Tennis blockiert.
  • Für eine Übernahme bot Swiss Tennis 80'000 Franken, Swiss Padel forderte 488'000 Franken für den kompletten Rückzug.
  • Wegen des Zoffs verpasst die Schweizer Herren-Nati die WM und wertvolle Fördergelder bleiben eingefroren.
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Joël HahnRedaktor Sport

Wenn zwei sich streiten, weint in diesem Fall der Schweizer Sport. Padel – eine rasante Mischung aus Tennis und Squash, ist die am schnellsten wachsende Sportart der Schweiz. Doch während auf den Courts der Bälle-Boom herrscht, eskaliert hinter den Kulissen ein beispielloser Machtkampf.

Welcher Verband soll Padel künftig in die Zukunft führen? Auf der einen Seite steht der Ur-Verband Swiss Padel unter Präsident Rico Jacober (51), der seit 2006 Pionierarbeit leistet. Auf der anderen Seite Swiss Tennis, der die Trendsportart 2023 in seine Statuten aufnahm. Ein erbitterter Zoff, der inzwischen Fördergelder einfriert, Athleten blockiert und Olympia-Träume platzen lässt.

Der Seitenwechsler und die Parallelstruktur

Ein Name fällt im Gespräch mit Blick immer wieder: Matthieu Amgwerd (50). Heute ist er der starke Mann für Padel bei Swiss Tennis. Was bisher kaum jemand wusste: Amgwerd stand zuvor auf der Gehaltsliste von Swiss Padel.

«Er war Ausbildungschef bei uns», erzählt Rico Jacober im Gespräch mit Blick. Nun wurde aus dem einstigen Mitstreiter ein Gegenspieler. Gemäss Jacober habe Amgwerd bereits im Herbst 2023 beim Tennis-Verband unterschrieben, seinen bisherigen Arbeitgeber aber erst Ende Jahr informiert. Jacober tobt: «Er hat das ganze Know-how, das aufgebaut wurde, zu sich rübergenommen.»

Für den Swiss-Padel-Boss ist klar, dass der Tennisverband eine Abmachung gebrochen hat: «Sie haben hinter unserem Rücken eine komplette Parallelstruktur aufgebaut.» Dass Swiss Tennis das Padel-Potenzial erst jetzt erkennt, ärgert Jacober besonders: Blick liegt eine E-Mail von 2011 vor, in der Swiss Tennis eine Kooperation explizit ablehnte, aus Mangel an Ressourcen und Finanzierungsmöglichkeiten.

Blick konfrontiert Swiss Tennis mit den happigen Vorwürfen. Matthieu Amgwerd schiesst scharf zurück. «Swiss Padel wollte allein auf dem Markt bleiben, befriedigte die Nachfrage der Community aber nicht. Ihre Organisation war schlecht und die finanziellen Mittel begrenzt.»

Gegenüber Blick zeichnet Amgwerd das Bild eines Ur-Verbandes, der längst implodiert ist: «Swiss Padel ist eine leere Hülle. Sie organisieren keine Turniere mehr seit Februar.» Amgwerd wirft Jacober vor, den Verband wie ein Alleinherrscher zu führen: «Die letzte Generalversammlung fand im Januar 2025 statt. Die für 2026 geplante Versammlung wurde zwei Tage zuvor abgesagt. Die Webseite ist nicht aktualisiert: Wir wissen nicht, wer dem Vorstand angehört und ob die Personen im aktuellen Vorstand gewählt wurden.»

Auf der anderen Seite vermeldet Swiss Tennis mittlerweile 85 Klubs und über 3'000 lizenzierte Spieler im Padel-Bereich.

Der Streit um die Millionen: Wer zahlt das alles?

Natürlich geht es im Zoff auch um die Finanzen. Der Aufbau von Padel-Strukturen kostet viel Geld. Jacober wirft die Frage auf, ob Swiss Tennis dafür Mittel aus dem Tennissport zweckentfremdet.

Matthieu Amgwerd wehrt sich vehement gegen diesen Vorwurf. «Swiss Tennis investiert nicht in Padel-Courts. Das machen private Investoren und Klubs.» Die vom Tennis-Verband budgetierten 2 Millionen Franken für die nächsten vier Jahre fliessen laut Amgwerd in Personal, Kurse und Turniere. Amgwerd versichert: «Es gibt keine J+S- oder Swiss-Olympic-Gelder für den Padelsport. Das geht in den Tennissport.»

Man finanziere Padel über Lizenzen und Sponsoren, gebe aber zu: «Im Moment investieren wir mehr, als wir verdienen, aber die Idee ist, in drei bis vier Jahren ein finanzielles Gleichgewicht zu finden.»

Der Zoff in der Übersicht

2006: Rico Jacober gründet Swiss Padel als offiziellen Dachverband (Mitglied des Weltverbands FIP).

2008–2020: Mehrere Annäherungsversuche an Swiss Tennis bleiben laut Swiss Padel unbeantwortet.

2023: Swiss Tennis nimmt Padel in seine Statuten auf und startet den Aufbau von eigenen Ligen, Turnieren und Lizenzen.

November 2025: Das Aufnahmegesuch von Swiss Padel bei Swiss Olympic scheitert am Sportparlament.

2026: Der Konflikt gipfelt im WM-Ausschluss der Herren-Nationalmannschaft. Über 3'000 Spieler spielen bei Swiss Tennis, doch die internationale Anerkennung liegt weiter bei Swiss Padel.

2006: Rico Jacober gründet Swiss Padel als offiziellen Dachverband (Mitglied des Weltverbands FIP).

2008–2020: Mehrere Annäherungsversuche an Swiss Tennis bleiben laut Swiss Padel unbeantwortet.

2023: Swiss Tennis nimmt Padel in seine Statuten auf und startet den Aufbau von eigenen Ligen, Turnieren und Lizenzen.

November 2025: Das Aufnahmegesuch von Swiss Padel bei Swiss Olympic scheitert am Sportparlament.

2026: Der Konflikt gipfelt im WM-Ausschluss der Herren-Nationalmannschaft. Über 3'000 Spieler spielen bei Swiss Tennis, doch die internationale Anerkennung liegt weiter bei Swiss Padel.

Geheimes Angebot: 80'000 vs. 488'000 Franken

Um Geld ging es auch bei der Frage, ob der grosse Tennis-Verband und der kleine Padel-Verband auch auf friedlichem Weg fusionieren könnten. Blick liegt eine E-Mail von Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach (70) aus dem Juli 2026 vor. Darin bietet Stammbach konkret 80'000 Franken für die Übernahme an: 65'000 Franken für die Liquidierung von Swiss Padel und 15'000 Franken als Honorar direkt an Rico Jacober für einen dreimonatigen «Know-how-Transfer».

Swiss-Tennis-Mann Amgwerd will die genauen Summen gegenüber Blick nicht kommentieren, bestätigt aber das Scheitern der Verhandlungen, da die Gegenseite viel mehr verlangt habe. «Wir können nicht einfach jemandem oder einem Verein Geld geben. Wohin würde dieses Geld gehen? Ein Verein gehört seinen Mitgliedklubs. Wir haben eine Offerte gemacht, um eine Fusion zu bestätigen.»

Eine E-Mail von Jacober an Stammbach bringt nun Licht ins Dunkel: Jacober forderte 488'000 Franken für die komplette Übergabe aller Markenrechte und der Webseiten. Auch das Filetstück, die Lizenz für die Schweiz beim internationalen Padel-Verband FIP, wäre an Swiss Tennis übergegangen.

Diese rund halbe Million sei laut Jacobers Treuhänder der exakte «Break-even-Punkt» zur Deckung der privaten Vorleistungen und Kosten seit 2006 gewesen. Stammbach lehnte ab – zu teuer.

Der Eklat um die Nationalmannschaft: «Reine Smokebomb!»

Swiss Padel oder Swiss Tennis: Wer hat künftig das Sagen im Padel-Bereich? Im Zoff ist kein Ende in Sicht. Am sichtbarsten wurde der Konflikt kürzlich beim Ausschluss der Herren-Nationalmannschaft für die WM-Qualifikation. Die betroffenen Schweizer Top-Spieler stellten sich öffentlich als Opfer dar, weil sie mit Swiss Tennis sympathisieren.

Es war Jacober, der die Nati-Spieler nicht für die WM-Quali meldete. Als Inhaber der internationalen Lizenz ist es nach wie vor Swiss Padel, der Spieler nominieren kann.

Vom eigenen Verband gesperrt? Jacober widerspricht dieser Darstellung vehement. Die angebliche politische Sperre sei eine «reine Smokebomb» (Rauchpetarde). Der wahre Grund sei rein disziplinarisch: Er wirft den Athleten unprofessionelles Verhalten und «Tanking» (absichtliches Verlieren) an der letztjährigen EM vor. Jacober stellt klar: «Ich schicke nur Spieler an eine Weltmeisterschaft, die die Schweiz würdig vertreten.»

Blick konfrontiert die betroffenen Athleten mit den happigen Vorwürfen. Nati-Spieler Till Gygax (26): «Das ist der schlimmste Vorwurf, den man einem Athleten machen kann. Wir haben nie absichtlich verloren, das ist absurd.»

Für Gygax und die anderen Athleten ist das Vertrauensverhältnis zum Padel-Präsidenten komplett zerstört. «Wir Spieler wussten extrem lange nicht, was passiert. Wir haben Rico mehrmals angerufen und viele E-Mails geschrieben. Er hat nie geantwortet, es gab keinen Dialog.»

Aus Verzweiflung haben die Spieler sogar versucht, sich hinter dem Rücken des Schweizer Verbandes direkt beim Weltverband FIP für die WM-Quali anzumelden und zahlten die Gebühr gar aus eigener Tasche. Kurz vor dem Turnier intervenierte Swiss Padel jedoch und blockierte die Teilnahme der rebellierenden Truppe endgültig.

Olympia rückt näher – Swiss Olympic räumt Fehler ein

Für den Ur-Verband Swiss Padel hätte im ganzen Machtkampf die Aufnahme bei Swiss Olympic ein Trumpf sein können. Dann hätte man hochoffiziell die Padel-Hoheit und zudem die Möglichkeit, Fördergelder zu beantragen. Doch vor einem Jahr lehnt das Sportparlament von Swiss Olympic die Aufnahme ab.

Brisant: Wie Swiss Olympic auf Blick-Anfrage einräumt, lief die Padel-Übernahme durch Swiss Tennis formell nicht sauber ab. Alexander Wäfler, Sprecher von Swiss Olympic, gibt einen Formfehler zu: Swiss Tennis habe die Statutenanpassung erst nachträglich gemeldet und nicht, wie vorgesehen, vorgängig. Da Swiss Padel aber (noch) kein Mitglied war, liess der Dachverband den Tennis-Riesen gewähren. Zu den internen Problemen bei Swiss Padel (keine Generalversammlungen) äussert sich Swiss Olympic lediglich so: Da der Verband kein Mitglied sei, kenne man diese Details nicht und fungiere lediglich als Vermittler.

Während der Sport international boomt und auf die Aufnahme in die Olympischen Spiele schielt, blockiert sich die Schweiz selbst. Während in Nachbarländern Tennis- und Padelverbände Hand in Hand arbeiten, herrscht in der Schweiz Totalblockade. Der Gewinner im Verbandskrieg? Derzeit niemand. Der grosse Verlierer: der Sport selbst.

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