Vom Krebs zurück auf die Segel-Weltbühne
Diese Frau greift mit Alinghi 2027 nach dem America's Cup

2027 muss am America's Cup erstmals auch eine Frau mit an Bord sein. Bei Alinghi übernimmt diese Rolle die dreifache Olympiateilnehmerin Nathalie Brugger. Mit Blick redet sie über den Rückstand auf die Konkurrenz – und wie sie frischen Wind in das Team bringen will.
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Zweites Leben: Seglerin Nathalie Brugger überstand eine Krebserkrankung und ist nun im America's Cup engagiert.
Foto: BENJAMIN SOLAND
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Benjamin GwerderRedaktor Sport

Der America’s Cup steckt mitten in einer Transformation. Der traditionsreiche Segel-Wettbewerb will moderner werden – und mit boomenden Rennserien wie SailGP mithalten können. Dafür braucht es Regeländerungen: Die Crews werden von acht auf fünf Personen reduziert, ein Kostendach wird eingeführt, die Nationenregel gelockert und ganz wichtig: Neu muss jedes Team mit einer Frau an Bord antreten.

Beim Schweizer Syndikat Alinghi übernimmt diese Rolle Nathalie Brugger (40). Die dreifache Olympiateilnehmerin aus Estavayer-le-Lac FR soll den Schweizer Neustart im Team von Ernesto Bertarelli mitprägen – und gleichzeitig ein neues Kapitel für Frauen im Segelsport aufschlagen.

Denn das sei für den Frauen-Segelsport «eine riesengrosse Chance und auf jeden Fall ein grosser Schritt nach vorne», weiss Brugger selber.

«Muss noch viel aufholen»

Noch ist allerdings vieles offen. Welche Rolle die Pionierin später auf der AC75-Rennyacht genau übernehmen wird, ist noch nicht endgültig definiert. Denn während ihre Teamkollegen seit Jahren Erfahrung im America’s Cup gesammelt haben, arbeitet sie sich erst jetzt in die Welt der foilenden AC-Hochleistungsboote ein. Datenanalyse, Flugsteuerung und Kommunikation – alles ist neu für die studierte Sportwissenschaftlerin.

Entsprechend ehrlich ist Brugger mit sich selber. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie im Vergleich zu ihren Teamkollegen noch viel aufholen muss. Auf Unterstützung kann sie jedoch zählen. Brugger schwärmt: «Die Jungs helfen mir extrem und schauen, dass ich schnell auf dieses Niveau komme.»

Ausserdem sieht sie darin auch eine Chance. Die langjährige Olympia-Seglerin bringt einen anderen Blickwinkel ins Team. Sie weiss: «Vielleicht können die anderen ja auch von meiner Erfahrung aus Mixed-Teams profitieren. Manchmal sehe ich die Dinge anders. Sie sind alle schon sehr lange in der Cup-Welt unterwegs, und ich bringe etwas frischen Wind hinein.»

Lange war für Brugger nicht mehr an Spitzensport zu denken

Dass Brugger heute überhaupt wieder auf diesem Niveau segelt, ist alles andere als selbstverständlich. 2021 erhielt sie die Diagnose Darmkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium. Zwischenzeitlich war an Spitzensport nicht mehr zu denken.

Am 14. September 2021 fallen die für Brugger unvergesslichen Worte. «Sie haben Darmkrebs», erklärt ihr der Arzt. Die Lage ist ernst. «Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und Todesangst», schildert sie einst bei Blick.

Doch sie kämpfte sich durch eine monatelange Chemo-Tortur zurück – auch dank Alinghi. Bereits 2024 führte sie das Schweizer Frauen-Team beim ersten Women’s America’s Cup in Barcelona als Skipperin an.

Nun folgt der nächste Schritt im neuen Team der Genfer. Allerdings befindet sich dieses noch immer mitten im Aufbau. Die im April vorgestellte Crew war bislang erst wenige Tage gemeinsam auf dem Wasser.

«Jeder weiss, dass wir spät dran sind», sagt Brugger offen. «Deshalb geht es jetzt vor allem darum, gemeinsam zu wachsen und die richtige Teamdynamik aufzubauen.»

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