Der America's Cup war am Ende
Für Neustart darf Alinghi-Boss Bertarelli wieder Ausländer holen

Alinghi gibt schon wieder sein Comeback. Das Schweizer Segelteam kehrt zum America's Cup zurück, weil Boss Ernesto Bertarelli Gefallen an der neuen Ära der legendären Segel-Regatta gefunden hat.
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Ernesto Bertarelli und Alinghi: Die Schweiz ist beim runderneuerten America's Cup doch wieder dabei.
Grégoire Surdez, Neapel

Die Präsentation in Neapel ist prunkvoll. Der runderneuerte America's Cup zeigt sich erstmals offiziell in Süditalien. Dort, wo es 2027 zur 38. Austragung kommt. Aber in Neapel ist nichts mehr, wie es einst beim Kampf um die älteste Sporttrophäe einmal war. 

Der America's Cup ist komplett modernisiert. Auf eine Weise, die das Schweizer Alinghi-Team dazu bewogen hat, nach dem Rückzug nach der Ausgabe 2024 nun doch wieder an den Start zu gehen. 

Fünf Teams (Neuseeland, Grossbritannien, Italien, Schweiz und Frankreich) haben sich darauf geeinigt, die Umrisse des Cups 2.0 zu definieren. Mehr Transparenz, mehr finanzielles Fairplay, mehr wirtschaftliche Auswirkungen, mehr Fans, mehr Fernsehzuschauer und mehr Gesamtpublikum in den sozialen Netzwerken standen im Mittelpunkt der Diskussionen, die die Debatten nach einer durchwachsenen 37. Ausgabe in Barcelona belebten.

Die Modernisierung ist eine Antwort auf die boomende SailGP-Serie

Die seit 1857 geltende Regel, dass jeweils der Titelverteidiger die ganze Macht über die Cup-Organisation hat – über Bord geworfen. Nun spannen die fünf Teams in der neuen «America's Cup Partnership» (ACP) zusammen. Auch, um den Mythos America's Cup zu retten. 

Denn für viele Beobachter aus der Segel- und Sportwelt war klar: Der Cup muss sich weiterentwickeln – oder er wird untergehen. In einer Zeit, in der der Segelsport zwölfmal im Jahr mit der spektakulären Serie «SailGP» in die Herzen der Städte einzieht, konnte der altehrwürdige Cup sich nicht mehr damit begnügen, von seiner Geschichte zu leben und alle vier oder fünf Jahre die Truhe mit den Erinnerungen zu öffnen.

Jetzt soll es einen fixen Kalender geben mit Austragungen jedes zweite Jahr. Neapel 2027 markiert den Startschuss in die neue Ära. Ist der America's Cup so zu retten? Die Teilnehmerzahl ist seit fast 20 Jahren drastisch zurückgegangen. Zu gross, zu teuer, zu selten. «Ich selbst habe 2007 in Valencia eine unglaubliche Ausgabe mit zwölf Mannschaften erlebt», erinnert sich Nils Frei. Der frühere Topsegler arbeitet bei Alinghi nun im Marketing.

Anwälte formulierten die Cup-Revolution auf 400 Seiten

Die ACP will das grösste Segelereignis der Welt dauerhaft sichern und weiterentwickeln. Ein 400-seitiger, von renommierten Anwälten verfasster Wälzer betoniert den Rahmen, der die nächsten Ausgaben eines Wettbewerbs regelt, der seinen Platz im Weltsport behaupten will.

Auch wenn nur fünf Teams enttäuschend sind. Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli hat das neue Projekt immerhin so sehr überzeugt, dass er nach dem Ausstieg von Partner Red Bull Racing alleine weitermacht. Nils Frei: «Für unsere Partner, die bereits mit uns zusammenarbeiten, und für andere, die vielleicht noch dazukommen, ist diese Stabilität von entscheidender Bedeutung. Wir wissen, wohin wir in finanzieller und sportlicher Hinsicht gehen, wenn alle zwei Jahre ein Pokal ausgespielt wird.»

Was passiert jetzt auf dem Transfermarkt?

Aber Alinghi braucht zuerst wieder ein Team. Eines, das zwanzig Jahre nach dem zweiten Triumph 2007 wieder um die legendäre Trophäe segeln kann. 

Mit dem Ende der Nationenregel (2027 sind wieder zwei Ausländer an Bord zugelassen) wird Bertarelli zweifellos zwei hochkarätige Segler im Ausland suchen, um die Schweizer zurück an die Spitze zu bringen. Die Siege 2003 und 2007 hatte Bertarelli vor allem neuseeländischen Söldnern zu verdanken. Wo wird er diesmal fündig?

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