Darum gehts
- Schweizer Doppel-Vierer gewinnt EM-Gold in Varese, grosser Erfolg für Swiss Rowing
- Schwestern Lisa und Flavia Lötscher holen Medaille am Grossanlass
- Ihr grösster Fan ist Schwester Sonja Lötscher
Dieses Bild ist bereits fixer Teil der Schweizer Ruder-Geschichte: Wie Nina Wettstein (27), Flavia Lötscher (21), Célia Dupré (24) und Lisa Lötscher (26) mit ihren EM-Goldmedaillen synchron vom obersten Podesttreppchen dem Fotografen entgegenspringen.
Was für ein Coup an der EM in Varese (It) – die Schweizerinnen im Doppel-Vierer werden sensationell Europameisterinnen. Das seit mehreren Jahren mit einigem Aufwand betriebene Prestigeprojekt von Swiss Rowing, ein Grossboot bei den Frauen an die internationale Spitze zu bringen, wurde mit EM-Gold gekrönt.
Der Ruder-Coup löst auch rund 120 Kilometer vom Lago di Varese entfernt bemerkenswert grosse Luftsprünge aus. Sonja Lötscher (23) verfolgt das Rennen in ihren Sommerferien im Engadin im Livestream. Und jubelt, als auf einen Schlag gleich zwei ihrer insgesamt drei Geschwister EM-Gold holen. «Ich bin einfach extrem stolz», sagt Sonja Lötscher zu Blick.
Auch die dritte Lötscher-Schwester war im Rudern aktiv
Sonja, die mittlere der drei Schwestern, kennt den Sport auch aus eigener Erfahrung. Im Nachwuchsbereich gewinnt sie Medaillen am prestigeträchtigen Coupe de la Jeunesse und rudert durch den Altersabstand auch jedes zweite Jahr mit Schwester Flavia im Doppelzweier.
Doch auf den Sprung in die Elite verzichtet sie: «Neben dem Sport und dem Studium bleibt praktisch keine Zeit mehr, ich wollte mein Leben anders gestalten.» Seither ist Sonja der grösste Fan ihrer rudernden Schwestern. «Wenn ich nicht vor Ort dabei bin, schaue ich die Rennen immer live an. Das ist Pflicht für mich!» Im Engadin, wo sie im Winter jeweils als Skilehrerin arbeitet und nun die Sommerferien verbrachte, hat sie mittlerweile auch die Kolleginnen mit dem Ruderfieber angesteckt. Auch diese jubeln am Wochenende mit.
Die ersten Gratulationen schickt Sonja direkt nach dem Rennen aus der Ferne in den Geschwister-Chat. Auch Bruder Ueli, der jüngste der vier Geschwister, sass früher ambitioniert im Ruderboot. Vier Geschwister, einst alle in derselben Sportart unterwegs, mehrere von ihnen feiern internationale Erfolge und der Geschwister-Chat läuft heiss – die verblüffenden Parallelen zu den vier Kambundji-Schwestern sind da.
Im Gegensatz zu den vier sprintenden Bernerinnen wohnen die Lötschers noch alle daheim bei den Eltern. Am Sonntagabend kommts zu Hause in Meggen LU zum grossen Wiedersehen. Die beiden Europameisterinnen werden von Sonja herzlich geknuddelt. «Ich mag es ihnen so sehr gönnen», sagt die mittlere Schwester glücklich.
Ende August reist Sonja Lötscher an die WM nach Holland
Auch, weil sie die Schattenseiten stets hautnah miterlebt. Die wochenlange Schinderei im Training. Das Zittern bei den Selektionen. Die zähen Stunden auch bei bitterer Kälte auf dem Wasser. Der ganze, riesige Aufwand, den Lisa neben einem 60-Prozent-Job in der Immobilienbranche und Flavia neben dem Studium betreiben.
«Und sportlich haben sie beide auch härtere Zeiten erlebt», schildert Sonja Lötscher. Lisa etwa ist beim Vierer-Projekt von Anfang an dabei und jagt jahrelang die angestrebte Medaille vergeblich, inklusive des bitteren vierten Olympia-Rangs 2024 – bis es nun in Varese klappt.
Folgt nun auch noch ein WM-Coup? Wenn Ende August in Amsterdam die vier Gold-Ruderinnen ins WM-Rennen steigen, ist Sonja Lötscher diesmal vor Ort dabei. Und der grösste Fan der rudernden Lötscher-Sisters träumt auch schon den ganz grossen Traum von Lisa und Flavia mit: eine Olympia-Medaille 2028.