Heisser Tanz um 100-m-Ticket
Kambundji vor Herkulesaufgabe im EM-Showdown

Mujinga Kambundji hat sich nach ihrer Schwangerschaftspause zurückgemeldet, aber die Schweizer Königin des Sprints muss über 100 m um ihre Teilnahme an der EM zittern. Die Schweizer Meisterschaften im Letzigrund versprechen Spektakel.
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Mujinga Kambundji (2. v. r.) läuft der Konkurrenz (noch) hinterher.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mujinga Kambundji muss um EM-Startplatz über 100 m kämpfen
  • Favoritin Géraldine Di Tizio-Frey führt mit 10,98 Sekunden die Bestenliste an.
  • Kambundji benötigt EM-Limite von 11,18 Sekunden und Top-3-Platzierung in Zürich.
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Marco PescioReporter Sport

Es klingt nach verkehrter Welt. Mujinga Kambundji (34) ist tatsächlich nicht die Favoritin für die Schweizer Meisterschaften? Die Bernerin hat seit ihrem erstmaligen SM-Triumph im Jahr 2009 – als damals 17-Jährige – den nationalen Wettkampf regelrecht dominiert. Sie mauserte sich zur Seriensiegerin, zur klaren Nummer 1 in der Schweiz und mit einer Zeit von 10,89 Sekunden zur Rekordhalterin über 100 Meter. Dass sie den Rekord 2022 ebenfalls im Rahmen des besagten Wettbewerbs und ebenfalls in Zürich aufgestellt hat, passt zu den Kambundji-Festspielen, die die Schweizer Meisterschaften bislang waren.

An diesem Wochenende aber sind die Vorzeichen anders. Und das aus gutem Grund. Kambundji ist erst gerade aus ihrer Schwangerschaftspause zurückgekehrt. Vor acht Monaten hatte sie Söhnchen Léon auf die Welt gebracht. Jetzt versucht sie, sich allmählich an ihre alte Stärke heranzutasten.

In Bulle ist ihr Anfang Juli ein Wiedereinstieg nach Mass gelungen (11,33 Sekunden). Kurz danach gab es in Luzern mit 11,58 jedoch eine Zeit, die weniger dem Gusto der schnellsten Frau der Schweiz entspricht. Allerdings weiss sie diese auch genau einzuordnen. Den Körper nach einer Schwangerschaft wieder auf absolutes Spitzenniveau zu bringen, sei ein langer und herausfordernder Prozess, sagt sie: «Ich merke, dass das noch nicht abgeschlossen ist.»

Di Tizio-Frey ist die Gejagte

Ihr von Beginn an klar kommuniziertes Saisonziel ist die EM in Birmingham (ab 10. August). Dort besitzt sie als amtierende Titelträgerin über 200 m eine Wildcard. Über 100 m hingegen muss sie sich auf sportlichem Weg ein Ticket ergattern. Kurz: in den als Trials ausgetragenen Schweizer Meisterschaften von diesem Wochenende im Zürcher Letzigrund. Der Verband hat dabei festgelegt, dass die drei besten Läuferinnen auch die drei verfügbaren EM-Startplätze bekommen würden. Heisst: Kambundji muss am Samstag (Vorlauf 14.25 Uhr, Halbfinal um 16.35 Uhr, Final um 18.20 Uhr) aufs Podest laufen. Plus: die EM-Limite von 11,18 Sekunden knacken.

«Das wird ein schwieriges Unterfangen», hatte die Rückkehrerin schon vor Wochenfrist in Luzern gesagt. Die Konkurrenz ist im Vergleich zu ihr nämlich grösstenteils in sehr guter Form: Allen voran Géraldine Di Tizio-Frey, die die Schweizer Bestenliste in diesem Jahr anführt (10,98). Dahinter folgen in dieser Wertung Ajla Del Ponte (11,11) und das erst 18-jährige Sprint-Juwel Xenia Buri, die allerdings auf einen Start in Zürich verzichtet und sich voll auf die U20-WM in Eugene (USA) konzentriert und die EM ohnehin ausgelassen hätte. Und die vierte Frau, die die EM-Limite bereits auf sicher hat, ist SM-Vorjahressiegerin Salomé Kora.

Entspanntere Lage als sonst

Kambundji hingegen ist dieses Aufgebotsargument bislang noch schuldig geblieben. Wobei es für sie möglicherweise noch ein kleines Hintertürchen gäbe: Sollte sie in Zürich in den Top 3 sein, bräuchte sie die Limite dann nicht, wenn sie im Ranking (Road to Birmingham) noch in die Top 36 hineinrutschen würde. 

So viel zur Ausgangslage. Allerdings hält sich der Druck für die erfahrene Sprinterin aktuell trotz allem in Grenzen: Durch die Wildcard über 200 m ist ihre EM-Reise ohnehin gesichert. Und sollte es über 100 m nicht klappen, wäre dies in ihrer verkürzten Comebacksaison auch verkraftbar, zumal sie selbst auch angekündigt hat: «Die schnellen Zeiten werden noch kommen. Vielleicht aber erst nächstes Jahr.»

Gleichwohl sind sich Beobachter einig: Abschreiben darf man einen Wettkampftyp wie Mujinga Kambundji auch diesmal nicht. Überraschen würde es niemanden, sollte sie im Letzigrund, an den sie so gute Erinnerungen hat, doch noch über ein EM-Ticket strahlen.

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