Darum gehts
- Mujinga Kambundji kehrt beim Meeting in Luzern nach Babypause zurück
- Wegen Unwetter flüchten Zuschauer in Thermoplan Arena, Kambundji läuft 11,58 Sekunden
- 6000 Fans feiern sie, trotz letztem Platz im B-Finale
Eigentlich ist die Rückkehr von Mujinga Kambundji (34) auf eine der hierzulande grössten Sprint-Bühnen ein Freudentag für den Schweizer Sport. Doch der Abend von Spitzen Leichtathletik Luzern beginnt mit Weltuntergangsstimmung. Eine heftige Gewitterzelle bringt im Stadion Allmend nicht nur enorme Wassermassen mit sich, sondern auch derart starke Sturmböen, dass auf dem angrenzenden Trainingsplatz des FC Luzern das eine Tor umfällt, Wettkampfzelte nicht mehr standhalten und zahlreiche Zuschauer in die Thermoplan Arena (ehemals Swissporarena) flüchten müssen.
So manch ein Fan verfolgt das verspätet beginnende Traditionsmeeting hinterher patschnass. Viele nehmen es allerdings mit Humor, genauso wie der Stadion-DJ, der prompt «Rain over me» von Marc Anthony spielt. Und spätestens als die Aushängeschilder des Wettkampfs vorgestellt werden, wirds auf der Sportanlage wieder richtig laut. Besonders, als Kambundji für den 100-m-Lauf angekündigt wird. Die schnellste Frau der Schweiz (10,89 Sekunden) steht an diesem Abend im Fokus – auch wenn die Zeit bei ihrem Comeback nach der Schwangerschaftspause noch nicht aller oberste Priorität geniesst.
Noch bleibt sie ohne Chance
Der Bernerin, die vor knapp acht Monaten ihren Sohn Léon zur Welt brachte, will bis zur EM in Birmingham (10. bis 16. August) Wettkampfpraxis sammeln, um beim grossen Saisonhighlight konkurrenzfähig zu sein. Am letzten Wochenende absolvierte sie in Bulle einen ersten Test über 100 m, bei dem sie sich mit der starken Zeit von 11,33 Sekunden sogar selbst überraschte.
Und nun in Luzern? Da liegt für sie auf der nassen Bahn keine ähnliche Zeit drin. In der B-Serie, in der auch das Berner Sprint-Juwel Xenia Buri (11,38 Sekunden) sowie Ajla Del Ponte (11,41) mitrennen, läuft Kambundji mit 11,58 Sekunden der Konkurrenz noch hinterher. In der Endabrechnung über A- und B-Final, bei der Géraldine Di Tizio-Frey die beste Schweizer Marke realisiert (11,20), belegt sie den letzten Rang.
Kambundji strahlt hinterher trotzdem. 6000 Fans feiern sie, als hätte sie gerade gewonnen. Und sie sagt mit einem Augenzwinkern, es fühle sich so an wie zu Beginn ihrer Karriere, als sie den anderen auch noch nachgerannt sei: «Aber das ist okay. Ich versteife mich noch nicht zu fest auf die Zeiten. Es ging mir heute mehr um das Gefühl. Und es hat richtig gfägt!»
«Die schnellen Zeiten werden noch kommen»
Der Prozess, den Körper nach der Schwangerschaft wieder auf absolutes Spitzenniveau zu bringen, sei lange und herausfordernd: «Ich merke, dass das noch nicht abgeschlossen ist.» Gleichwohl sei sie nach den letzten Wochen zuversichtlich, bald auf einem sehr guten Level zu sein. Schon im Platzinterview unmittelbar nach ihrem Rennen hatte sie verlauten lassen: «Die schnellen Zeiten werden noch kommen!» Spätestens nächstes Jahr. Am allerliebsten aber natürlich schon an der EM, für die sie über 200 m als amtierende Europameisterin eine Wildcard besitzt. Oder schon zuvor in Zürich an den Schweizer Meisterschaften (25./26. Juli), wo das «schwierige Unterfangen», ein EM-Ticket über 100 m zu ergattern, auf sie wartet.
Übrigens: Söhnchen Léon wird an der EM – mit Kambundjis Mutter Ruth und Vater Safuka – ebenfalls als Glücksbringer dabei sein. Wie schon in Luzern, wo er sich mit seinen Grosseltern im Hintergrund aufgehalten hat.