«Mujingas Rekordzeit wird fallen»
Diese Berner Maturandin wandelt auf Kambundjis Spuren

Ihre grossen Vorbilder Mujinga und Ditaji Kambundji hat sie auf Juniorenstufe bereits übertrumpft, bald macht sie Jagd auf die Elite-Bestmarken: Mit Xenia Buri steht das nächste grosse Berner Leichtathletik-Versprechen in den Startlöchern.
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Unter genauer Beobachtung: Xenia Buri macht auch im Training ordentlich Tempo.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Xenia Buri bricht Schweizer U20-Rekorde über 100 m und Staffel 2026
  • Die Berner Maturandin hat sich in den letzten Jahren hochgekämpft
  • Schweizer Rekord von Mujinga Kambundji ist in Buris Fokus

Am liebsten würde sie Mathe, Französisch und Geografie so schnell hinter sich bringen wie einen 100-m-Lauf. Doch zumindest was das Schulische anbelangt, muss Xenia Buri (18) noch Geduld beweisen. Während sich die Bernerin auf der Tartanbahn längst auf der Überholspur befindet, wartet am Sportgymnasium Neufeld noch ein weiteres Jahr auf sie. Das Schweizer Sprint-Juwel absolviert die Maturaprüfungen in zwei Etappen, auf 2026 und 2027 verteilt.

Als Blick Buri während eines Trainings auf der Leichtathletik-Anlage Wankdorf trifft, hat sie gerade den schriftlichen Teil in Französisch («nicht gerade mein Lieblingsfach») sowie Pädagogik und Psychologie hinter sich: «Aber mündlich steht leider noch an, deshalb habe ich die letzten Tage mit Französisch-Büchern verbracht.»

Verblüffend: Buri scheint der Spagat zwischen Matura-Stress und Sport spielend leicht zu gelingen. So sehr, dass sie sich sogar «selbst überrascht» hat, als sie im Juni in Mannheim in Vorlauf und Final gleich zweimal den Schweizer U20-Rekord über 100 m verbesserte. Auf starke 11,13 Sekunden, was aktuell die sechstbeste Zeit des Jahres darstellt. Weltweit.

Eigentlich dürfte sie schon an die Elite-EM

Wenig später, nach überstandener Französisch-Büez, rast sie in Fribourg mit der U20-Staffel in 43,32 Sekunden zu einem neuen Schweizer U20- und U23-Rekord. Kein anderes U20-Team auf der Welt ist in diesem Jahr schneller gelaufen als Buri mit Mara Schwitter (18), Milla Tonazzi (19) und Joy Umegbolu (18), was die Aussichten auf die Anfang August stattfindende U20-WM in Eugene (USA) ausgezeichnet erscheinen lässt.

Dieser Grossanlass stellt für Buri das klare Saisonhighlight dar. Das war von Anfang an so geplant, und daran ändern nun auch ihre jüngsten Raketen-Auftritte nichts, heisst es aus ihrem Umfeld. Und das, obwohl sie als erst 18-Jährige über 100 m sogar die Limite für die Elite-EM in Birmingham Mitte August geknackt hätte. Doch in Bern, wo Buri mit Coach Daniel Ritter, der Physiotherapeutin Nicole Ritter sowie hin und wieder mit Nationaltrainer Patrick Saile trainiert, will man das Toptalent nicht verheizen, sondern behutsam an die Weltspitze heranführen.

Buri hat in ihrer jungen Karriere schon dicke Ausrufezeichen gesetzt, aber auch Rückschläge erlitten. 2023 stürzte sie während eines Hürdenlaufs so unglücklich, dass später ein Kreuzbandriss festgestellt wurde. «Da war eine Welt für mich zusammengebrochen», sagt Buri rückblickend, «anfangs hiess es, es sei wohl nur eine Prellung an der Hüfte – doch dann kam diese schlimme Diagnose». Während Buri zusehen musste, wie ihre Trainingsgruppe regelrecht davonrannte, habe sie versucht, das Maximum aus der Situation herauszuholen: «Und zwar, indem ich nebst der normalen Reha an meinen Defiziten gearbeitet habe, also an Rumpf, Fussstabilität und Beweglichkeit.»

«Xenia ist ein Ausnahmetalent»

Wie gut Buris Arbeit in jenen schwierigen Monaten war, zeigte sich anschliessend bei ihrem bombastischen Comeback. Im Januar 2025 ging am Schweizer Leichtathletik-Himmel ein neuer Stern auf: Buri brach am selben Tag die Schweizer U18-Rekorde von Mujinga Kambundji (34) über 60 m und deren Schwester Ditaji (24) über 60 m Hürden. Später schraubte sie beide Bestmarken gar noch auf 7,21 (60 m) und 8,16 Sekunden (60 m Hürden) herunter: «Das hat mir enorm viel bedeutet und war extrem motivierend für mich. Ich verfolge beide seit meiner Kindheit, beide sind Bernerinnen, und ich sehe sie auch oft im Training. Sie sind ein Stück weit meine Inspiration. Sie haben uns aufgezeigt, dass es möglich ist, als Schweizerin hoch hinaus zu kommen.»

Buri spricht nicht wie eine, die erst Anfang Jahr ihre Volljährigkeit erreicht hat. Sie wirkt deutlich reifer. Das bestätigt auch ihre Entourage. Coach Ritter sagt: «Es ist cool, mit ihr zu arbeiten. Sie ist aufgestellt, zielorientiert, fokussiert, diszipliniert, lässt kein Training aus – und reisst auch den Rest der Gruppe komplett mit. Sie ist der Leader und ein Vorbild im LC Kirchberg.»

Seit diesem Jahr gehört Buri «EP» an. Einer Agentur, die grosse Namen wie beide Kambundji-Schwestern, Dominic Lobalu (27), Annik Kälin (26) und aus dem Fussball Ex-Nati-Goalie Yann Sommer (37) unter Vertrag hat. Gemeinsam mit Ritter und Swiss Athletics will «EP» Buri zu den nächsten Schritten in Richtung Leichtathletik-Olymp verhelfen. Nationaltrainer Saile sagt: «Xenia ist ein Ausnahmetalent. Wichtig ist nun, dass sie gesund und verletzungsfrei bleibt – dann wird das ganz spannend.» Um weitere Dämpfer zu vermeiden, wie vor einem Jahr, als eine Fussverletzung ein vorzeitiger Saisonabbruch bedeutete, passte Ritter zusammen mit der Physiotherapeutin das Training entsprechend an. Auch ist der Disziplinenfokus mittlerweile geschärft auf 100 m und Staffel, plus den 200-m-Lauf, der weiter beobachtet wird. Das Hürden-Projekt wurde fürs Erste zur Seite gelegt.

«Wenn sie das liest, …»

Ritter sagt, Buri müsse man manchmal «fast etwas bremsen». Er schmunzelt. Und dann ergänzt er: «Sie sehe an vielen Orten Potenzial, aber ich will jetzt hier nicht sagen, wo genau. Denn wenn sie das liest, weiss ich genau, dass sie es am liebsten gleich morgen ändern würde.» Auch wohin ihr Weg führen könnte, will der Trainer des Nationalen Leistungszentrums Bern Magglingen nicht konkretisieren. Nur so viel: «Ich sehe die Fähigkeiten, dass sie deutlich unter 11 Sekunden laufen kann. Den Schweizer Rekord von Mujinga (10,89 Sekunden, d. Red.) hat sie im Kopf. Und der wird früher oder später fallen.»

Die Experten sind sich einig: Bei Buri ist der endgültige Durchbruch nur eine Frage der Zeit, zweiter Matura-Stress hin oder her.

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