Darum gehts
- Audrey Werro (22) startet nach EM-Gold bei Athletissima in Lausanne
- Weltrekord über 800 m (1:53,28) aus 1983 könnte bald fallen
- Werro lief im Juni in Paris bereits 1:53,80 Minuten
Für Audrey Werro (22) gibts nach ihrem EM-Gold-Streich keine Pause, die diesen Namen auch wirklich verdient. Schon eine Woche nach den aufwühlenden Birmingham-Tagen, von Sturz-Drama über Social-Media-Kritik bis hin zu ihrem Europameistertitel, steht der nächste Höhepunkt ihrer Saison an. Die Athletissima ist ihr grosses Romandie-Heimspiel des Jahres. Anfang Juli gab es in Fribourg schon einmal ein Meeting, das praktisch vor der Haustüre der Frau aus Courtepin FR stattfand. Beim Diamond-League-Event in Lausanne aber ist die Bühne bedeutend grösser. Und die ganze Leichtathletik-Welt wird hinschauen.
An der EM haben die wenigsten Experten erwartet, dass der Weltrekord über 800 m (1:53,28 Minuten) geknackt werden würde, weil keine Pacemaker dabei waren und Meisterschaftsrennen oft taktisch ablaufen. Lausanne aber gilt als erstes von einigen, noch in diesem Jahr folgenden Pflastern, auf dem es endlich passieren könnte. Die Pacemaker sind zurück. Und Werro kann sich nach der EM voll auf den Weltrekord konzentrieren. Die Tschechin Jarmila Kratochvilova (75) hält die älteste, noch bestehende Bestmarke der Leichtathletik. Sie stammt von 1983 – und sie wackelt gewaltig. Im Juni war Werro in Paris mit 1:53,80 schon gefährlich nahe dran.
«Einfach schnell rennen»
Zweifel daran, dass es in naher bis mittelfristiger Zukunft klappt, hegen die wenigsten in der Szene. Die Frage wird sein, wann. Und ob es wirklich Werro ist. Zumal mit Keely Hodgkinson (24, Gb) eine zweite und, etwas dahinter, mit Femke Broeders-Bol (26, Ho) eine dritte Top-Läuferin davon träumt. In Lausanne fehlt die Britin. Bei Weltklasse Zürich (27. August) hingegen sind alle drei gemeinsam am Start.
«Sie standen mit mir in Birmingham auf dem Podest. Und sie werden in den nächsten zwei, drei Jahren auch meine grössten Rivalinnen sein», sagt Werro, «und das ist gut so – wir brauchen uns, um uns zu pushen».
Lausanne? Zürich? Brüssel? (5. September) Budapest? (12. September) Oder 2027? «Ich weiss es nicht, wann es möglich ist. Es ist einfach mein Traum, eines Tages den Weltrekord zu haben», sagt Werro, die schon das ganze Jahr über mit ihrer Unbekümmertheit verblüfft. Den Sturz-Schock an der EM hat sie einfach so abgeschüttelt. Und auch jetzt, vor dem Saisonfinish, hält sie die Dinge völlig simpel: «Ich möchte einfach schnell rennen.»