Dreimal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze. Die Schweizer Birmingham-Bilanz kommt nicht ganz an die Rekordausbeute von der EM 2024 in Rom heran, als es neunmal Edelmetall zu bejubeln gab. Dennoch ist der Eindruck, den die Schweizer Delegation hinterliess, ein positiver – und ein nachhaltiger.
Das liegt auch daran, dass Swiss Athletics für sich reklamieren darf, den allerwichtigsten Sieg der EM-Woche eingefahren zu haben. Nicht nur Europa, sondern die ganze Welt blickte nach Birmingham, als es am späten Freitagabend zum Mega-Showdown über 800 m zwischen der Freiburgerin Audrey Werro (22) und der Lokalmatadorin Keely Hodgkinson (24) kam. Werro siegte trotz Sturz-Drama im Vorfeld. Die 800er-Welt hat sich vor der «neuen Königin» verneigt. Mehr Prestige geht nicht.
Werro ist erst Anfang 20 und scheint noch am Anfang einer Karriere, die in diesem Jahr enorm rasant Fahrt aufgenommen hat. Beobachter trauen ihr alles zu: die Dominanz über Jahre. Und freilich das Knacken des Weltrekords von Jarmila Kratochvilova (1:53,28 Minuten), dem sie heuer in Paris (1:53,80) schon gefährlich nahekam. Nicht auszuschliessen, dass er in den nächsten zwei Wochen in der Schweiz fällt, wenn Werro in Lausanne (diesen Freitag) oder in Zürich (27. August) in der Diamond League an den Start geht.
Grosse Premiere auf Frauenseite?
Werro ist im Nu zur grössten Hoffnungsträgerin für die nächsten Jahre aufgestiegen. Vor allem für die Olympischen Spiele, bei denen es noch nie eine Schweizer Leichtathletin geschafft hat, eine Medaille abzuräumen. Spätestens mit Werro – sofern sie sowie die weiteren Hoffnungen gesund bleiben – ist die Wahrscheinlichkeit für das Ende dieses Fluchs riesig.
Werro ist 2028 in Los Angeles im besten Alter. Hürden-Weltmeisterin Ditaji Kambundji (24) oder Siebenkämpferin sowie Weitspringerin Annik Kälin (26) ebenso. EM-Dämpfer mit ihren zwei vierten Rängen hin oder her. Gleiches gilt für Angelica Moser (28, Stabhochsprung-Gold an der EM) oder auch Simon Ehammer (26, Weitsprung-Silber), die 2024 in Paris beide Olympia-Leder holten.
Bei den Männern dauert die Medaillen-Durststrecke in der Leichtathletik auch schon satte 38 Jahre lang. Damals gewann Werner Günthör (65) in Seoul im Kugelstossen Bronze. Die generelle Konstanz auf Schweizer Seite sowie die immer grösser werdende Breite aber lassen hoffen. Auch über LA hinaus.