«Wir schweben auf einer Glückswolke»
So fieberte Werros Familie bei ihrem Gold-Coup mit

Europas Gold-Girl und Siegerin des Prestige-Duells mit ihrer grossen Rivalin: Audrey Werro räumt in Birmingham trotz Drama im Vorfeld auf eindrückliche Weise ab – und wird hinterher von ihren Liebsten ausgelassen gefeiert.
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Audrey Werro wird nach ihrem EM-Titel gefeiert.
Foto: keystone-sda.ch
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Marco PescioReporter Sport

Nach Audrey Werros Gold-Streich an der EM in Birmingham gibt es im Lager der 22-jährigen Freiburgerin kein Halten mehr. Als die frisch gekürte Europameisterin rund eine Stunde nach dem Rennen ihren Fanklub trifft, erinnern die Szenen an eine Meisterfeier im Fussball. Ein grosser Pulk singender, hüpfender Fans sorgt vor dem Alexander Stadium für Riesenstimmung. Selbst die in dieser EM-Woche so strikten Stewards und Polizisten sehen ein, dass es keinen Sinn macht, bei diesem Partyvolk irgendwelche Sperrzeiten durchzusetzen.

Und mittendrin: Fast die ganze Familie Werro. Mama Philomène, Papa Claude sowie die Brüder Ryan und Arno. Einzig Schwester Carole ist in England nicht vor Ort, weil sie sich die Reise arbeitsbedingt nicht einrichten konnte. Audrey Werros Liebste tanzen fröhlich mit. Die Erleichterung nach zwei verrückten Tagen ist bei ihnen am meisten spürbar.

«Emotionen sind unbeschreiblich»

Niemand hat mehr mitgelitten, als die 800-m-Überfliegerin im Halbfinal stürzte und auszuscheiden drohte. Niemand hat das Wechselbad der Gefühle in Birmingham derart mitgenommen wie sie. «Das war nicht gut fürs Herz», hatte Mama Philomène nach dem Schreckmoment gesagt. Und jetzt? «Nun bin ich einfach nur immens stolz auf meine Tochter. Ich konnte in der letzten Nacht kaum ein Auge zumachen. Ich fragte mich immer wieder: Warum musste sie stürzen? Warum gerade sie? Dass sie nun Gold gewonnen hat, ist meiner Meinung nach pure Gerechtigkeit.»

Von Papa Claude gibts noch im Stadion eine herzliche Umarmung.
Foto: freshfocus

Auch Vater Claude ist «erleichtert»: «Diese Emotionen sind unbeschreiblich. Wir schweben gerade auf einer Glückswolke.» Auch er gibt zu verstehen, dass die Ereignisse vor dem grossen Showdown mit der britischen Mitfavoritin Keely Hodgkinson (24) nicht einfach handzuhaben waren. Zunächst galt es, den ersten Schock nach dem Sturz zu verdauen – und dann die Tochter mental auf den Final vorzubereiten. Denn es gab auch Stimmen, die der Meinung waren, Werro habe es nicht verdient gehabt, doch noch weiterzukommen. Das Riesentalent aus Courtepin FR musste sogar die Instagram-App auf ihrem Handy löschen, um sich vor negativen Einflüssen zu schützen.

Fans feiern Europameisterin Werro
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Gold über 800 m:Fans feiern Europameisterin Werro

All dies ist nach dem Gold-Coup aber vergessen. Vater Claude lässt durchblicken, dass es für die Familie wohl eine Freinacht geben würde, denn um 6 Uhr morgens stand schon der Heimflug in die Schweiz an. «In der Heimat werden wir auch noch feiern. Und dann natürlich nach der Saison, wenn all die wichtigen, noch anstehenden Rennen vorbei sind.»

Was er meint: In den nächsten Wochen wird der Fokus der Leichtathletik-Welt ganz klar weiterhin auf dem Duell zwischen Werro und Hodgkinson liegen. Die Westschweizerin hat in Birmingham nun zwar einen Prestigesieg davongetragen. Die Britin aber wird zurückschlagen wollen. Die grosse Frage wird deswegen sein, ob eine von beiden noch in dieser Saison den angestrebten Weltrekord schafft.

Spezielle Kleidung der Eltern

Die älteste, noch bestehende Bestmarke aus dem Jahr 1983, aufgestellt von der Tschechin Jarmila Kratochvilova (1:53,28 Minuten), soll bald geknackt werden. So lautet das Vorhaben beider Spitzenathletinnen. Claude Werro blickt mit Freude voraus: «Natürlich ist das ein Ziel. Wir werden sehen, wann es so weit ist. Ob schon dieses Jahr oder erst nächste Saison.» Dann verschwindet er wieder in der Masse an Schweizer Fans, unter denen über 30 Mitglieder von Werros Verein CA Belfaux sind. Diese haben eigens für die EM Shirts drucken lassen. Mit Bildern darauf – sogar von Perle, einem der geliebten Hasen von Audrey Werro.

Und die engste Familie hat überdies ebenfalls eine ganz spezielle Bekleidung nach Birmingham mitgenommen. Ein traditionelles Gewand aus der Elfenbeinküste, woher die Mutter Philomène stammt. Mit typischen Mustern aus dem westafrikanischen Land und Bildern von Audrey darauf. Die Mama verrät: «Ich habe diese Gewänder in meiner Heimat anfertigen lassen und in die Schweiz schicken lassen. Extra für dieses Jahr.»

Das hat sich definitiv gelohnt. Die Werros fallen im Fan-Tross auf – und sie bekommen von allen Seiten Lob und Glückwünsche. Und irgendwann ziehen sie dann doch noch von dannen. «In die Innenstadt, in ein Pub», sagt Werros Manager Julien Nuoffer, der die Leistung seines Schützlings als «etwas Wahnsinniges» bezeichnet: «Es ist einfach ein tolles Ergebnis. Für Audrey, die Familie, das Team, das hinter Werro steckt, aber auch für die Leichtathletik und die ganze Schweiz.»

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