Wow! Was für ein Rennen und was für eine Audrey Werro! Einen Tag nach ihrem Sturz-Drama läuft die 22-jährige Freiburgerin an den Europameisterschaften in Birmingham zu GOLD. Werro entscheidet damit den mit Spannung erwarteten Showdown gegen die britische Sportikone Keely Hodgkinson für sich.
Audrey Werro – 1:54,81 Minuten
Keely Hodgkinson (Gb) – 1:55,01
Femke Broeders-Bol (Ho) – 1:55,54
Audrey Werro – 1:54,81 Minuten
Keely Hodgkinson (Gb) – 1:55,01
Femke Broeders-Bol (Ho) – 1:55,54
Die Lokalmatadorin muss sich im Alexander Stadium vor heimischer Kulisse als Zweite geschlagen geben. Mitfavoritin Femke Broeders-Bol klassiert sich auf dem dritten Rang. Werro kommt in 1:54,81 Minuten (EM-Rekord) ins Ziel und lässt sich von Mama Philomène, Vater Claude, weiteren Familienmitgliedern und zahlreichen Vertretern ihres Vereins CA Belfaux bejubeln. «Ich werde Schlaf brauchen, um alles zu realisieren. Es ist wunderschön», sagt Werro nach ihrem Gold-Lauf zu SRF.
Den Weltrekord haben sich die Top-Athletinnen noch aufgespart. Die älteste Bestmarke aus dem Jahr 1983 bleibt zumindest vorläufig bestehen. Damals war die Tschechin Jarmila Kratochvilova in 1:53,28 Minuten ins Ziel gekommen.
Am Donnerstag lag sie noch am Boden
Dass Werro an diesem Freitagabend um 22.46 Uhr Schweizer Zeit einen solchen Top-Lauf auspackt, ist mit einer mentalen Monsterleistung gleichzusetzen. Am Tag zuvor gab es im Halbfinal noch den grossen Schock, als sie in der letzten Kurve als Führende stürzte, hart aufprallte und für kurze Zeit liegenblieb. Weil sie sich jedoch wieder aufrappelte und ins Ziel lief und sich später herausstellte, dass sie von der Französin Anaïs Bourgoin mit der Hand touchiert wurde, durfte sie dennoch im Finallauf ran. «Für den Kopf waren die letzten 24 Stunden schwierig. Ohne Qualifikation im Final zu sein, war nicht einfach für mich», gibt Werro zu.
Im Final stellt sie auf eindrückliche Art und Weise unter Beweis, dass sie jene Schrecksekunde trotz Schürfwunden an Knie und Hüfte gut überwunden hat. Ihr Lauf ist ein weiteres Versprechen für die Zukunft und unterstreicht einmal mehr das 800er-Niveau bei den Frauen, das ihre Teamkollegin Veronica Vancardo (Achte/Valentina Rosamilia Neunte) als «extrastratosphärisch» bezeichnet.
Krönung einer Saison
Werros Saison war schon vor ihrem Erfolg in Birmingham grossartig. Im März holte sie sich an der Hallen-WM in Torun (Pol) hinter Siegerin Hodgkinson Silber über 800 m. Daraufhin folgten ihre grossen Auftritte in der Diamond League: Erst mit ihrem Sieg in Rabat (Mar). Dann mit der aufsehenerregenden Performance in Stockholm, als sie Rivalin Hodgkinson erstmals schlug und so die Weltpresse so richtig auf sie aufmerksam machte. Und dann gab es da freilich jenen Super-Lauf in Paris Ende Juni, als sie in 1:53,80 Minuten die drittschnellste Frauen-Zeit überhaupt gelaufen war.
Die Löwin, wie sie von ihrem Vater bezeichnet wird, hat in diesem Jahr ihre Krallen ausgefahren.