Darum gehts
- Beat Schluep radelt 1800 km von Herisau nach Birmingham für EM 2026
- Er bewältigte die Strecke in nur 16 Tagen ohne E-Bike
- Er hat schon so manche verrückte Reise mit dem Velo unternommen
Es gibt einen Direktflug von Zürich nach Birmingham, mit dem man bequem, wenn auch umweltbelastend, in rund eineinhalb Stunden in die zweitgrösste Stadt Englands gelangt. Aber man kann es auch einfach so machen wie Beat Schluep (67) und sich auf den Sattel setzen – und einfach mal drauflosradeln.
Der gebürtige Solothurner, der als der Entdecker von EM-Weitsprung-Silberheld Simon Ehammer (26) gilt und einst in die Ostschweiz übersiedelte, schwang sich in Herisau AR auf sein Velo und legte in 16 Tagen die rund 1800 km bis in die englischen West Midlands zurück. Einzig zwischen Calais und Dover nutzte er die Fähre.
«Drei Tage vor dem Start der EM war ich erst in London. Also sagte ich mir: Jetzt musst du Gas geben», erzählt Schluep lachend. Danach habe er pro Tag 130 Kilometer zurückgelegt und so sein Ziel, vor dem Auftakt des Grossanlasses anzukommen, erreicht.
Er war schon in Alaska und am Nordkap
Wenn Schluep von seinem Abenteuer berichtet, tut er dies mit einem grossen Strahlen im Gesicht. Er habe schliesslich zwei Leidenschaften miteinander vereinbaren können, meint er: «Ich war früher Sportlehrer und Leichtathletik-Coach und ich fuhr schon immer liebend gerne Velo. Darum habe ich mir vorgenommen, in der Pension Anlässe von A bis Z vor Ort zu verfolgen – und eben mit dem Velo anzureisen.»
Schluep ist, im positiven Sinne, ein Veloverrückter. Schon zur EM 2024 in Rom ist er 1500 km geradelt. Und auch sonst machte er schon Touren im ganz grossen Stil: darunter eine 5000 km lange Reise zum Nordkap, eine ebenso lange Fahrt durch Alaska und einen 7000-km-Trip auf beiden neuseeländischen Hauptinseln, zusammen mit seiner Tochter.
Schluep sagt, auf zwei Rädern unterwegs zu sein, sei eine ganz eigene Erfahrung: «Du erlebst ein Land auf völlig andere Art und Weise. Du fühlst es, wenn es unter dir rüttelt. Und du riechst es, wenn du durch Felder oder an Kläranlagen vorbeifährst. Du erfährst das Land mit allen Sinnen.»
Nächster Streich ist schon geplant
Eines sei dabei noch vermerkt: Schluep ist nicht etwa mit einem E-Bike unterwegs, sondern mit einem hundskomunnen, schwarzen Velo, ausgestattet mit Seitentaschen und diversen Anbringungen für Getränke oder das Handy. Ansonsten aber kommt es alleine auf seine Beinkraft an. Schlafen würde er jeweils in günstigen Unterkünften, aber er sei sich auch nicht zu schade, mal auf einem Campingplatz zu zelten, so Schluep.
Dass er in Birmingham für seinen grossen Aufwand mit einer Silbermedaille seines früheren Schützlings Ehammer entschädigt wird, mache ihn enorm stolz: «Auf einer Skala von eins bis zehn? Über zehn!» 2011 hatte er den jungen Appenzeller beim UBS-Kids-Cup entdeckt und ihn daraufhin beim TV Herisau gefördert, bis Ehammer später innerhalb des Kantons nach Teufen wechselte.
Seither hat er den Werdegang von Ehammer genau verfolgt. Und das werde er auch in den nächsten Jahren tun, so Schluep. Denn er plant bereits den nächsten EM-Trip für 2028. Dann findet die Europameisterschaft im polnischen Chorzow statt. Auch auf diese rund 1600 km freut er sich.