Darum gehts
- 800-m-Final Frauen-EM Birmingham: Werro gegen Hodgkinson, Freitag 22.46 Uhr
- Hodgkinson verdient jährlich 1 Mio. Franken durch Werbung, eigene Nike-Kollektion
- Warum die Frau aus Manchester in ihrer Heimat so beliebt ist
Es gilt als DAS Rennen dieser Leichtathletik-EM in Birmingham: Kein anderer Bewerb als der 800-m-Lauf der Frauen wird in England mit mehr Spannung erwartet. Es ist der grosse Auftritt von Keely Hodgkinson (24), dem britischen Liebling, der es mit der Schweizerin und aktuell Jahresweltbesten Audrey Werro (22) aufnimmt. Der Kracher über die zwei Bahnrunden wurde eigens auf Freitagabend, 21.46 Uhr Ortszeit (22.46 Uhr Schweizer Zeit) gelegt. Niemand soll es verpassen, wenn es zum Showdown der Athletinnen kommt, die beide vom Weltrekord träumen, gegensätzlicher allerdings kaum sein könnten.
Hier die schüchterne junge Frau aus dem 5800-Seelen-Ort Courtepin FR, die auf der Bahn zwar frech, daneben aber leise und manchmal fast verlegen auftritt. Und dort der Superstar aus dem Umkreis von Manchester, der sich im immer noch jungen Alter schon ein kleines Imperium aufgebaut hat und durch ihre Nahbarkeit enorme Popularitätswerte aufweist.
«Weil sie Spass macht»
Seit ihrem Olympiasieg 2024 in Paris ist Hodgkinson in ihrer Heimat das «Golden Girl». In der renommierten BBC-Wahl wurde sie daraufhin zur Sport-Persönlichkeit des Jahres erkoren, um wenige Monate später von Prinz William auch noch den Ritterorden überreicht zu bekommen. «Sie bewegt sich in England tatsächlich in den Top 5 der wichtigsten Sport-Grössen», sagt auch Jeremy Wilson, Chefreporter von «The Telegraph», gegenüber Blick. Kurzum: Sie nimmt es locker auf mit Fussballern wie Harry Kane (33) oder Jude Bellingham (23), Formel-1-Star Lewis Hamilton (41), Dart-Weltmeister Luke Littler (19), Tennis-Ass Emma Raducanu (23) oder Leichtathletik-Kollegin Amy Hunt (24), die soeben EM-Gold über 100 m gewann.
Warum? «Weil sie Spass macht», meint Wilson und verweist auf das jüngste Beispiel in Birmingham, als Hodgkinson im Vorlauf erstmals mit einer Sonnenbrille antrat, was in England direkt zum Thema gemacht wurde. Der Grund für diese Premiere war eigentlich gar keine grosse Geschichte, Hodgkinson beantwortete die Fragen jedoch mit ihrer typischen Schlagfertigkeit: «Ich versuche nur, keine Falten zu bekommen, um nicht zu früh auf Botox zurückgreifen zu müssen.» Und zack, waren die Schlagzeilen gemacht.
Um 13.10 Uhr am Donnerstagmittag erfolgt an der EM in Birmingham die Hauptprobe für den grossen 800-m-Final vom Freitagabend: Dann müssen Audrey Werro und Keely Hodgkinson zuerst noch im Halbfinal ran. Läuft alles normal, ist das für beide reine Formsache. Auch Veronica Vancardo und Valentina Rosamilia streben im Halbfinal einen Exploit an.
Um 13.10 Uhr am Donnerstagmittag erfolgt an der EM in Birmingham die Hauptprobe für den grossen 800-m-Final vom Freitagabend: Dann müssen Audrey Werro und Keely Hodgkinson zuerst noch im Halbfinal ran. Läuft alles normal, ist das für beide reine Formsache. Auch Veronica Vancardo und Valentina Rosamilia streben im Halbfinal einen Exploit an.
Während Werro (noch) über eine überschaubare Anzahl an Werbepartnern verfügt – bis auf Puma und Omega nur auf nationaler Ebene –, ist Hodgkinson bereits eine echte Popikone, die bei Fashionshows in der ersten Reihe sitzt und auf Social Media Hunderttausende Follower vereint.
Nike gab ihr eine eigene Mode-Linie
Ihre eigene Firma, Runway Pro, hat Medienberichten zufolge ein Vermögenswachstum auf über 1,3 Millionen Pfund verzeichnet. Seit diesem Jahr verfügt sie bei Ausrüster Nike über eine eigene Outfit-Kollektion, daneben dürfte sie auch mit Omega und dem britischen Gesundheitsdienstleister Vitality dick im Geschäft sein. Laut Schätzungen kassiert sie alleine durch Werbeverträge umgerechnet rund eine Million Franken jährlich. Das Potenzial dürfte hierbei noch nicht ausgereizt sein, dafür sorgt ganz sicher ihre neue Agentur WME Sports, die auch Hamilton und Raducanu zu ihren Klienten zählt. Zum Vergleich: Werro hält ihre Entourage noch immer sehr klein. Ihr Manager ist Julien Nuoffer, der Ehemann ihrer Trainerin Christiane Berset Nuoffer. Allerdings werden auch bei der Romande schon jetzt zahlreiche Anfragen von Weltmarken hineinflattern – zu gut ist das Riesentalent aus dem Kanton Freiburg.
Hodgkinson weiss in Birmingham nicht nur ihr Team hinter sich, sondern auch das ganze Alexander Stadium. Sie ist zwar ein Star, gleichzeitig aber auch «sehr bodenständig, weil sie sich trotz des Erfolgs nicht verändert hat», so Wilson. Sie stamme aus einer Working-Class-Gegend und habe dieses Image trotz Glamour behalten: «Sie ist so beliebt, weil sie zugänglich und authentisch ist.» Selbst eine allfällige Niederlage gegen Werro dürfte daran nichts ändern.