Darum gehts
- Ditaji Kambundji verpasst EM-Podium in Birmingham um zwei Hundertstelsekunden
- Oberschenkelverletzung beeinträchtigte Saison, dennoch fühlt sie sich wieder fit
- Nun wartet eine Schweizer Tour auf die Bernerin
Ditaji Kambundji (24) zuckt im Medienzelt von Birmingham mit den Schultern, dann sagt sie: «Natürlich bin ich enttäuscht – aber ich vermute, genau so tickt eben der Sport.» Was die Berner Hürdenläuferin in diesem Jahr erlebt, ist der absolute Kontrast zur vorherigen Saison. 2025 stieg sie zur Königin ihrer Disziplin auf, wurde im September in Tokio (Jap) sensationell Weltmeisterin in 12,24 Sekunden. Die Hürdenwelt lag ihr zu Füssen. Fast ein Jahr später ist sie freilich immer noch ein Star der Szene, doch sie macht heuer die Erfahrung, wie es sich anfühlt, den Erwartungen als Favoritin nicht gerecht werden zu können.
An der Hallen-WM in Torun (Pol) im März war es der bittere Platz vier, dann folgten Frühjahr und Sommer, die geprägt waren von einer Oberschenkelverletzung – und nun ist es bei der EM in Birmingham erneut der undankbare Lederrang, der für sie herausschaut. Zwei Hundertstel trennen sie bei den kontinentalen Wettkämpfen vom Podest, das die Welt schon wieder ganz anders aussehen liesse. «Aber so ist das nun mal, in unserem Geschäft zählen Medaillen», meint Kambundji, die schon kurz nach ihrem Resultatdämpfer eine reflektierte Situationsanalyse hinlegt.
Die EM-Bronzegewinnerin von München 2022 und Silberheldin von 2024 in Rom sucht keine Ausreden, obwohl sie das theoretisch könnte. Ihre Vorbereitung war alles andere als einfach, nachdem sie sich Ende Juni in Paris eine Zerrung im Oberschenkel geholt hatte und bis vor rund zwei Wochen im Training nicht voll belasten konnte. Lange war unklar, ob oder wie fit sie für Birmingham sein würde. «Es war wirklich knapp, aber ich darf jetzt festhalten: Ich bin wieder beschwerdefrei.» Heisst: Beeinträchtigt hat sie der Oberschenkel an der EM nicht. Gleichwohl dürfte die reduzierte Vorbereitung eine Rolle gespielt haben. Hier gibt sie auch zu: «Die Geduld zu bewahren, war am schwersten. Man merkt zwar, wie man in der Reha Fortschritte macht, doch gleichzeitig spürt man, wie die Zeit drückt.»
«Es ist noch lange nicht fertig»
Kambundji stempelt das bisherige Jahr schon jetzt als wichtigen Lehrblätz in ihrer Laufbahn ab. Sie habe «viele Erfahrungen» gemacht, auch solche, auf die sie freilich gerne verzichtet hätte, «dennoch ist das für mich im Gesamtbild mit Sicherheit sehr wertvoll». Sie wolle daraus wachsen und gestärkt hervorgehen.
Und dann, zum Schluss und mit Blick auf die verbleibende Saison, gibts auch noch eine Art Kampfansage: «Es ist noch lange nicht fertig. Ich freue mich nun auf die Schweizer Tour, die auf mich wartet.» Erst Lausanne (21. August), dann Weltklasse Zürich (27. August) und schliesslich Bellinzona (30. August). Später folgt dann noch das Saison-Finale in Budapest (Un) mit den erstmals ausgetragenen Ultimate Championships (13. bis 15. September), bei denen die Crème de la Crème der Leichtathletik mittut. Und zu dieser gehört die Weltmeisterin nach wie vor. Birmingham-Downer hin oder her.