Darum gehts
- Pierre Biege läuft seit Freitag 14 Uhr im Münsterland im Kreis
- Er träumt von 75 Runden, Schweizer Rekord liegt bei 63
- Letztes Jahr schaffte er 268 Kilometer, jetzt möchte er 500 Kilometer durchhalten
Seit Freitag, 14 Uhr, läuft Pierre Biege (33) im Kreis. Irgendwo im Münsterland, an einem geheimen Ort in Nordrhein-Westfalen, dreht der Mann aus Albinen VS jede Stunde eine 6,706 Kilometer lange Runde. Bis Montagmorgen will er damit nicht mehr aufhören.
Warum tut er sich das an? Der «Last Soul Ultra», an dem Biege teilnimmt, folgt den Regeln des Backyard-Formats: Wer nach einer Stunde nicht wieder am Start steht, scheidet aus. Das Rennen endet erst, wenn nur noch eine Person übrig ist.
Vom Unbekannten zum geladenen Gast
Kein Wunder, reist der Vater von drei Kindern nicht mehr als Unbekannter an. Organisator Kim Gottwald – ein Lauf-Influencer aus Deutschland – hat ihn genau wie die meisten anderen Läufer persönlich eingeladen.
Damit ist die Konkurrenz stärker denn je. Mit dem Amerikaner Harvey Lewis (50, 108 Runden) und dem deutschen Rekordhalter Hendrik Boury (35, 100 Runden) sind zwei der stärksten Backyard-Läufer der Welt am Start.
Der Magen wird mittrainiert
Um in diesem Umfeld ebenfalls ein Wörtchen mitzureden, hat Biege sein Training im Vergleich zum letzten Jahr nicht nur gesteigert, sondern auch professionalisiert.
Sein grösster Lehrblätz ist allerdings das Essen. «Ich habe viel zu wenig gegessen», sagt Biege mit Blick zurück. Nun hat er seinen Magen deshalb wie seine Beine trainiert, sodass er in den fünf bis maximal zehn Minuten kurzen Pausen zwischen den Runden möglichst viele Kalorien zu sich nehmen kann.
Dafür kann er allerdings nicht die ganze Pause aufwenden. Bei Bedarf wechselt er in dieser Zeit Kleidung und Schuhe – ganze 14 Paar hat er mit dabei – oder er schläft, so viel es geht. «Ich lege mich hin, schlafe nach einer Minute ein und wache nach vier bis fünf Minuten wieder auf», erzählt er. Damit will er früh Reserven für die zweite und dritte Nacht anlegen.
Eine weitere taktische Anpassung: Die ersten 24 Stunden will er sicher ohne Musik laufen. Diese hebt er sich für später auf, wenn es in den langen Nächten einen Motivationsschub braucht.
Der Traum von 75 Runden
Sein Ziel: 75 Runden, umgerechnet knapp 503 Kilometer. Das wäre ein neuer Schweizer Rekord (aktuell 62 Runden) und auch deutlich über seiner Bestleistung aus dem letzten Herbst (41 Runden).
Biege weiss deshalb: «Ich muss Runde für Runde nehmen. Am Anfang schon an die 75 zu denken, wäre dumm.»
Sollte es trotzdem in einer Nacht mal so richtig hart werden, hat der Verrückte noch einen Joker. Jeden Abend und jeden Morgen wird er kurz mit seiner Frau Lea telefonieren, die daheim mit den drei Töchtern mitfiebert. Eine Regel gibt es dabei: «Lea will das Ende im Livestream mitbekommen», sagt Biege. Bis das Telefon am Morgen kommt, wird er also in den so harten Nächten alles daransetzen, dass es irgendwie weitergeht.