WM-Vorbereitung mit Nebengeräuschen
Aebischer und Manzambi top, Widmer und Rieder flop

Am Donnerstag begann für die Nati die unmittelbare Vorbereitung auf das WM-Auftaktspiel gegen Katar. Das sind die Gewinner und Verlierer der WM-Vorbereitung.
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Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

In weniger als 60 Stunden startet die Nati in Santa Clara im Silicon Valley gegen Katar in das WM-Abenteuer. Die Vorbereitung auf das Turnier lief nicht ohne Nebengeräusche ab. In den Testspielen gab es einen eine Halbzeit lang überzeugenden Auftritt gegen Jordanien (4:1) in St. Gallen und eine diskrete Vorstellung bei der WM-Hauptprobe in San Diego gegen Australien (1:1), die Captain Granit Xhaka auf den Plan rief. Blick sagt, wer die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung sind:

Die Gewinner

Michel Aebischer (29): Der Freiburger ist der grosse Gewinner der letzten zehn Tage. Nach der persönlich zwar guten, sportlich aber enttäuschenden Saison mit Serie-A-Absteiger Pisa nutzte der Mittelfeldspieler die Gunst der Stunde und spielte sich in die Stammelf, sofern Murat Yakin gegen Katar nicht eine Überraschung aus dem Hut zaubert. «Ich kann relativ gut mit Druck umgehen. Vielleicht spiele ich darum immer an grossen Turnieren», so Aebischer selbstbewusst. Gegen Jordanien erhielt er nach seinem Traumassist vor dem 2:0 ein Sonderlob von Yakin, auch gegen Australien zeigte er eine solide Leistung – einmal auf der linken Aussenbahn, einmal als rechter Flügel. «Ich bin keiner, der gerne auf der Titelseite einer Zeitung steht. Viel wichtiger ist mir, dass der Trainer und das Team wissen, was sie an mir haben.»

Michel Aebischer hat sich in der Hierarchie nach vorne gekämpft.
Foto: TOTO MARTI

Dan Ndoye (25): Der Lausanner war die grosse Entdeckung der EM 2024. Doch der steile Aufstieg Ndoyes geriet zumindest auf Klubebene in der letzten Saison ins Stocken. Er verlor bei Nottingham seinen Stammplatz und wurde zwischenzeitlich immer wieder auch von kleineren Verletzungen zurückgeworfen. In der Nati ist er aber unbestritten, in der WM-Vorbereitung war er nicht nur wegen seiner Tore der beste Schweizer Offensivspieler. Gegen Australien, als Breel Embolo fehlte, lief fast jeder gefährliche Angriff über Ndoye. Noch immer ist sein Speed seine grösste Waffe, aber trifft er auch an der WM so regelmässig wie in den letzten fünf Länderspielen (4 Tore), dann kann er sogar einer der Stars dieses Turniers werden.

Dan Ndoye war der beste Schweizer Offensivspieler in der Vorbereitung.
Foto: TOTO MARTI

Johan Manzambi (20): Trotz seiner fulminanten Saison bei Freiburg musste sich der Shootingstar in der Nati lange gedulden. Murat Yakin brachte den polyvalent einsetzbaren Genfer – Manzambi kann im Mittelfeld und Sturm jede Position spielen – jeweils als Joker auf dem Flügel. «Ich will der Mannschaft helfen, egal ob ich von Anfang an spiele, eingewechselt werde oder gar nicht zum Einsatz komme», sagte Manzambi zum Auftakt der Vorbereitung. Nun deutet aber vieles darauf hin, dass Yakin einen Platz für Manzambi gesucht und gefunden hat: Das grösste Schweizer Juwel könnte wie gegen Jordanien und Australien auch am Samstag beim WM-Auftakt gegen Katar in der Startelf stehen.

Johan Manzambi könnte auch am Samstag beim WM-Start gegen Katar in der Startaufstellung stehen.
Foto: TOTO MARTI

Die Verlierer

Silvan Widmer (33): Beim 1:1 gegen Australien feierte der Aargauer ein Jubiläum. Widmer bestritt sein 60. Länderspiel für die Nati, zog dabei aber keinen guten Tag ein. Gegen den wirbligen Ex-GC’ler Nestory Irankunda bekundete er grosse Mühe, und auch beim Gegentor kurz nach der Pause machte der rechte Aussenverteidiger keine gute Figur. Widmer, an den letzten drei grossen Turnieren praktisch immer Stammspieler, und einziger Rechtsverteidiger im Kader (!), könnte ein Opfer von Yakins Systemwahl werden. Spielt die Nati gegen Katar mit einer Dreierkette, dürfte sich der Nati-Trainer auf der rechten Seite wie gegen Jordanien für eine offensivere Variante entscheiden.

Silvan Widmer könnte bei einem 3-4-3-System seinen Platz in der Startelf verlieren.
Foto: TOTO MARTI

Fabian Rieder (24): Der Berner spielte sich während der EM in Deutschland ins Team und war seither praktisch immer gesetzt, auch wenn er im Klub nicht immer Stammspieler war. Yakin schätzt die Aggressivität, das Laufvermögen und die guten Standards des Mittelfeldspielers. Mitte der ersten Vorbereitungswoche erlebte der Augsburger aber eine Schrecksekunde. Rieder knickte um, weswegen er aufgrund der leichten Sprunggelenkverletzung gegen Jordanien passen musste. Gegen Australien stand er in der zweiten Halbzeit zwar auf dem Platz, dabei gab die Nati aber kein gutes Bild ab. Vieles deutet darauf hin, dass Rieder plötzlich hinten anstehen muss.

Fabian Rieder wurde in der Vorbereitung von einer Verletzung gestoppt.
Foto: TOTO MARTI

Luca Jaquez (23): Nachdem er beim VfB Stuttgart gegen Ende der Saison wieder regelmässig zum Einsatz kam, rückte der Luzerner mit breiter Brust ins Nati-Camp ein. Doch der Innenverteidiger konnte seine Chance nicht nutzen. Gegen Jordanien spielte Jaquez die zweite Halbzeit und machte dabei sowohl mit als auch ohne Ball keine gute Figur. Die Konsequenz: In der Hierarchie der Verteidiger ist er durchgereicht worden, gegen Australien kam er als einziger der 23 in die USA gereisten Feldspieler neben den beiden geschonten Ruben Vargas und Breel Embolo nicht zum Einsatz.

Luca Jaquez kam gegen Australien nicht zum Einsatz – als einziger Feldspieler neben den geschonten Breel Embolo und Ruben Vargas.
Foto: TOTO MARTI

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 10. Juni 2026.

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