«Kritik muss möglich sein»
SFV-Boss Knäbel über Embolo, Doppeladler und WM-Gigantismus

SFV-Präsident Peter Knäbel spricht im Blick-Interview vor dem WM-Start über Nebengeräusche in der Nati, erfolgreiche SFV-Kampagnen in der Vergangenheit und Fifa-Boss Gianni Infantino.
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SFV-Präsident Peter Knäbel ist froh, dass die WM endlich losgeht.
Foto: TOTO MARTI

Blick: Peter Knäbel, Sie haben einmal gesagt, Sie träumen oft vom Fussball. Wovon träumen Sie kurz vor dem WM-Start?
Knäbel: In meinen Träumen dreht sich vieles um Fussball, das stimmt. Das kommt wahrscheinlich davon, dass ich mich auch am Tag sehr viel mit Fussball beschäftige. Was die Nati betrifft: Ja, Träumen ist erlaubt, aber entscheidend ist, dass man in dem Moment, wenn man ins Stadion einläuft, wirklich bereit ist.

Was ist möglich?
Wir haben Erfahrung, Qualität und Zusammenhalt. Das gibt uns Zuversicht. Aber ein Turnier verzeiht nichts, vor allem keine Genügsamkeit. Entscheidend ist nicht, was man vorher sagt, sondern wie bereit man in jedem einzelnen Spiel ist.

Sie sprechen die Erfahrung an. Die Nati stellt eine der routiniertesten Mannschaften.
An keiner WM war die Erfahrung auf und neben dem Platz so wichtig wie an dieser WM. In den USA und Kanada wird alles noch einmal grösser und lauter sein; die Stadien, die Reisedistanzen, 48 Teilnehmer, der Rhythmus zwischen den Spielen. Da hilft der Parcours, den wir in den letzten Turnieren gemeinsam gegangen sind: der Staff aber vor allem auch die Spieler.

Peter Knäbel persönlich

Peter Knäbel (59) wurde am 2. Oktober 1966 in Witten in Nordrhein-Westfalen geboren. In seiner Karriere bestritt er unter anderen 108 Bundesligaspiele für Bochum, St. Pauli und 1860 München. Nach dem Aufstieg mit Nürnberg 1998 wechselte er zum damals drittklassigen FC Winterthur, wo er als Spieler, Trainer, Manager und Junioren-Koordinator tätig war. Ab 2006 war er während drei Jahren Technischer Direktor beim FC Basel, 2009 bis 2014 Direktor beim Schweizerischen Fussballverband (SFV). Von 2014 bis 2024 war Knäbel mit Unterbrüchen als Manager beim HSV und bei Schalke 04 engagiert. Seit dem 1. August 2025 ist der deutsch-schweizerische Doppelbürger und Familienvater SFV-Präsident.

Peter Knäbel (59) wurde am 2. Oktober 1966 in Witten in Nordrhein-Westfalen geboren. In seiner Karriere bestritt er unter anderen 108 Bundesligaspiele für Bochum, St. Pauli und 1860 München. Nach dem Aufstieg mit Nürnberg 1998 wechselte er zum damals drittklassigen FC Winterthur, wo er als Spieler, Trainer, Manager und Junioren-Koordinator tätig war. Ab 2006 war er während drei Jahren Technischer Direktor beim FC Basel, 2009 bis 2014 Direktor beim Schweizerischen Fussballverband (SFV). Von 2014 bis 2024 war Knäbel mit Unterbrüchen als Manager beim HSV und bei Schalke 04 engagiert. Seit dem 1. August 2025 ist der deutsch-schweizerische Doppelbürger und Familienvater SFV-Präsident.

Die erste Woche verlief nicht ohne Nebengeräusche. Breel Embolo kam erst mit 72 Stunden Verspätung wegen Visum-Problemen an. Hätte der SFV aufgrund von Embolos Verurteilung diese Situation adaptieren müssen?
Es war eine unangenehme Situation, die wir intern aufarbeiten. Wichtig war es aber, handlungsfähig zu bleiben und Breel schnellstmöglich zum Team zu bringen. Allen, die uns dabei begleitet haben, gilt ein grosser Dank. Breel ist acht Tage vor dem ersten Spiel eingetroffen. Damit liegt unser Fokus wieder auf dem Sportlichen.

Captain Granit Xhaka übte Pauschalkritik nach dem 1:1 gegen Australien, danach machten er und Ricardo Rodriguez den Doppeladler-Gruss auf der Tribüne des Baseballspiels. Wie beurteilen Sie diese Aktion?
Ich verstehe, dass solche Bilder unterschiedlich wahrgenommen werden. Unsere Spieler bringen Biografien, Familiengeschichten und Emotionen mit – das gehört zu ihnen. Gleichzeitig ist klar: Wenn sie für die Schweiz spielen und auf dem Platz stehen, steht dieses Trikot im Zentrum.

Sie haben beim Teamevent am Montag zur Delegation gesprochen. Was war Ihre Message?
Es war spürbar, dass das Turnier näher rückt: Abläufe, Sicherheitsdispositiv etc. Das musste jedem klar sein. Jetzt gilt es ernst. Mir war wichtig, der ganzen Delegation ein Gefühl mitzugeben: Jeder hier trägt Verantwortung für das Ganze. Eine WM wird nicht nur von den elf Spielern auf dem Platz getragen. Es braucht Klarheit, Ruhe, Vertrauen und Menschen, die ihre Rolle kennen, akzeptieren und leben. Dieses gemeinsame Verständnis wollte ich nochmals stärken.

Sie haben am Abend der WM-Quali intern das Ziel ausgerufen, die beste WM aller Zeiten zu spielen. Was war der Beweggrund?
Keine Qualifikation ist selbstverständlich. Diese war zudem souverän und absolut verdient. Da war es mir ein Anliegen, in Pristina etwas zu sagen, womit alle etwas anfangen können, das aber nicht nur resultatabhängig ist. Wir haben eine A-Nati, die einen mutigen Fussball spielt, das Heft in die Hand nimmt und ihre dominanten Phasen hat. Wenn wir auf den Punkt parat und füreinander da sind, werden wir das ausgerufene Ziel erreichen.

Was muss passieren, um Geschichte zu schreiben?
Zu Beginn ein Statement, das habe ich aus erfolgreichen Kampagnen mit der U17 2002 und 2009 sowie der U21 2011 gelernt. In Dänemark schlugen wir zum Auftakt den Gastgeber vor ausverkauften Rängen 1:0, danach sind wir geflogen. Ein guter Start ist ein Türöffner, auch wenn bei einem Fehlstart längst nicht alles verloren ist. Zudem muss sich die gesamte Gruppe während des Turniers miteinander entwickeln. Dazu gehört eine klare Rollenakzeptanz, der beharrliche Wille, mit und in diesem Team etwas Besonderes zu leisten, sowie die Bereitschaft, schnell aus Fehlern zu lernen.

Beim U17-WM-Titel 2009 waren Rodriguez und Xhaka dabei. Hat diese Generation die Schweiz gelehrt, gross zu denken?
Es ist ja nicht so, dass wir Schweizer in anderen Branchen ein solches Selbstverständnis nicht hätten. Wir machen die beste Schokolade, wir produzieren die besten Uhren, wir stellen den besten Käse her. Wir identifizieren uns über Qualität. Traditionell haben die grossen Fussballnationen mehr Mittel und mehr Historie als wir. Aber wenn wir uns gut fühlen, kann viel passieren. An der U17-EM 2002 waren Rooney und Ronaldo dabei, an der U17-WM 2009 Neymar. Da spielten wir gegen Brasilien in der Vorrunde. Man hätte die besten Spieler schonen können, in der Annahme, man verliere gegen Brasilien sowieso. Doch die Mannschaft wollte das nicht. Sie gewann 1:0 und zog es durch. Das war so ein Moment, in dem Selbstverständnis entstand. Am Ende war es ein Symbol, das nicht zu unterschätzen ist. Denn es zeigte: Wir trauen uns etwas zu. Alles ist möglich.

Die Spieler sagten im Vorfeld, dass sie noch nie in einem so gut funktionierenden Team gewesen sind. Haben Sie das in Ihrer langen Karriere schon erlebt?
Das Lob der Spieler kann man direkt an Pierluigi Tami und Murat Yakin weiterleiten. Pier hat einen sehr gut funktionierenden Staff mit ausgezeichneten Experten zusammengestellt. Die gute Teamatmosphäre verantwortet das Trainerteam und dazu hat sicherlich die souveräne Qualifikation beigetragen. Ein Turnier ist wie eine Mini-Saison, die bei null startet. Das Ziel ist es, dass das Team am Ende eine stabile Balance auf höchstmöglichem Niveau findet. Das entscheidet aus meiner Sicht das Turnier.

Wie entscheidend kann der Teamgeist sein?
Er ist Voraussetzung und kann den Unterschied machen, wenn es eng wird. Wir Schweizer sind gerne zusammen. Und wenn wir uns richtig wohlfühlen, sind wir fähig, als Team Besonderes zu leisten.

Wie wichtig ist die WM für den Verband?
Eine WM-Teilnahme ist sportlich und wirtschaftlich sehr wichtig. Sie gibt uns zusätzlichen Spielraum, um den Fussball in der Schweiz für die kommenden Generationen weiterzuentwickeln - im Nachwuchs, in den Strukturen und in der Breite. Gleichzeitig müssen wir als Verband so aufgestellt sein, dass wir verantwortungsvoll und langfristig planen, unabhängig von einem einzelnen Turnier.

Wie stark nehmen Sie Einfluss auf sportliche Belange? Vor zwei Jahren gab es Probleme mit Noah Okafor, jetzt fehlt Alvyn Sanches im WM-Aufgebot.
Ein Teil von erfolgreichen Kampagnen ist die Definition, die Klärung und die Akzeptanz der Rollen. Das ist der Schlüssel für alle Stufen, inklusive meiner. Es ist ganz wichtig, dass jeder seine Aufgabe kennt und weiss, wo seine Grenzen sind. Das ist Teil einer Führungskultur, die man schaffen muss. Am Anfang einer Spielerkarriere bist du verantwortlich für das Resultat; du machst das Tor oder gewinnst den Zweikampf, aber je älter du wirst und je höher du als Funktionär in der Hierarchie kletterst, umso mehr bist du für die Menschen verantwortlich, die das Resultat produzieren. Die WM ist eine gute WM, wenn der Präsident so wenig wie möglich stattfinden muss.

Es wird eine WM des Gigantismus. 48 Teams, teure Tickets, hohe Parkkosten. Entfernt sich die Fifa von der Basis?
Der wichtigste Punkt bleibt: Fussball darf nicht nur für eine zahlungskräftige Zielgruppe zugänglich sein. Eine WM muss, vor allem für Familien, junge Menschen und echte Fans erreichbar bleiben. Welche Erkenntnisse man aus neuen Preismodellen zieht, kann man nach dem Turnier seriös analysieren.

Uli Hoeness hat die hohen Preise stark kritisiert. Auch Uefa-Präsident Aleksander Ceferin hat sich deutlich geäussert.
Natürlich wollen in erster Linie alle ökonomisch profitieren. Aber bitte nicht zulasten der nächsten Generation. Diese darf diese WM nicht nur am iPad erleben. Ich bin sehr gespannt auf die Erkenntnisse nach dem Turnier, denn erstmals sind 48 Teams dabei, was auch für die Fifa neu ist. Aber den Fussball weltweit zu entwickeln, ist nun einmal die Aufgabe der Fifa, weswegen es global gesehen auch wünschenswert ist, dass eine WM mehr Teams zugänglich gemacht wird. Bei allen Nationen, die erstmals dabei sind, wird diese WM einiges auslösen.

Die WM ist erneut politisch umstritten wegen des militärischen Konflikts der USA mit dem Iran. Wie stehen Sie dazu?
Ich wünsche mir, dass endlich der Fussball im Fokus steht. Wir gehen davon aus, dass die Organisatoren und Behörden diese Themen sehr ernst nehmen. Für uns gilt: Wir konzentrieren uns auf den Fussball, bleiben aber aufmerksam. Sollte eine Situation entstehen, die unsere Mannschaft, unsere Delegation oder die Interessen des Schweizer Fussballs unmittelbar betrifft, werden wir klar und verantwortungsvoll reagieren.

Präsident Gianni Infantino wird von Ihrer norwegischen Kollegin Lise Klaveness stark kritisiert, weil die Fifa unter ihm zu stark ein politischer Akteur geworden ist.
Kritik an der Fifa muss grundsätzlich möglich sein. Gleichzeitig ist meine Rolle jetzt, die Interessen des Schweizer Fussballs und unserer Delegation während des Turniers zu vertreten. Grundsatzfragen gehören auf die entsprechenden Bühnen – aber sie verschwinden nicht, nur weil eine WM beginnt.

Haben Sie persönlich Kontakt zu Infantino?
Der Austausch mit der Fifa und der Uefa gehört zur Arbeit eines nationalen Verbandes. Der persönliche Austausch auf präsidialer Ebene ergibt sich vor allem rund um die Finalspiele, Turniere und Kongresse, wie zuletzt mit Infantino in Vancouver. Dass beide Organisationen in der Schweiz eine starke Präsenz haben, ist für uns ein Vorteil. Aber Nähe bedeutet nicht Unkritisch sein. Wir vertreten die Interessen des Schweizer Fussballs – konstruktiv, respektvoll und eigenständig.

Besteht die Gefahr, dass es für die Nati aufgrund der Altersstruktur vorerst die letzte WM wird?
Nein, kurzfristig habe ich keine Bedenken. Wenn man sieht, dass bei der U21 Spieler wie Bruno Ogbus sind, die sich in Freiburg behauptet haben, sowie viele andere, die entweder in der Super League oder im Ausland regelmässig spielen, ist das ein gutes Zeichen für unsere Breite. Quantitativ stehen wir heute deutlich besser da als zu meiner Zeit als Technischer Direktor. Entscheidend bleibt aber: Spielzeit ist das Öl der Talententwicklung.

Noch näher dran an der Schweizer Nati

Füge jetzt die Fussball-Nati deinen Teams hinzu, um nichts mehr zu verpassen. 

WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
0
0
0
2
Südafrika
Südafrika
0
0
0
3
Südkorea
Südkorea
0
0
0
4
Tschechien
Tschechien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
0
0
0
2
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
0
0
0
3
Katar
Katar
0
0
0
4
Schweiz
Schweiz
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
0
0
0
2
Marokko
Marokko
0
0
0
3
Haiti
Haiti
0
0
0
4
Schottland
Schottland
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
0
0
0
2
Paraguay
Paraguay
0
0
0
3
Australien
Australien
0
0
0
4
Türkei
Türkei
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
0
0
0
2
Curacao
Curacao
0
0
0
3
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
0
0
0
4
Ecuador
Ecuador
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
0
0
0
2
Japan
Japan
0
0
0
3
Schweden
Schweden
0
0
0
4
Tunesien
Tunesien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
0
0
0
2
Ägypten
Ägypten
0
0
0
3
Iran
Iran
0
0
0
4
Neuseeland
Neuseeland
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
0
0
0
2
Kap Verde
Kap Verde
0
0
0
3
Saudi Arabien
Saudi Arabien
0
0
0
4
Uruguay
Uruguay
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
0
0
0
2
Senegal
Senegal
0
0
0
3
Irak
Irak
0
0
0
4
Norwegen
Norwegen
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
0
0
0
2
Algerien
Algerien
0
0
0
3
Österreich
Österreich
0
0
0
4
Jordanien
Jordanien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Portugal
Portugal
0
0
0
2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
0
0
0
3
Usbekistan
Usbekistan
0
0
0
4
Kolumbien
Kolumbien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
0
0
0
2
Kroatien
Kroatien
0
0
0
3
Ghana
Ghana
0
0
0
4
Panama
Panama
0
0
0
K.o.-Phase
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