Darum gehts
- Manuel Akanji verschiesst entscheidenden Penalty im WM-Achtelfinal gegen Kolumbien
- 62 Prozent der Verteidiger-Penaltys an WMs erfolgreich, Stürmer 73,2 Prozent
- Goalies haben 100 Prozent Penalty-Trefferquote bei WM und EM laut Opta
Manuel Akanji nimmt fünf Schritte Anlauf, atmet einmal tief durch, läuft an und haut dann den dritten Schweizer Penalty im WM-Achtelfinal gegen Kolumbien über statt ins Tor! Der Fehlschuss fällt aus Sicht der Nati nicht weiter ins Gewicht, weil Goalie Gregor Kobel eine Monster-Parade auspackt und die Schweiz so in den Viertelfinal bringt. Bitter ist das Elfmeterschiessen für Akanji aber trotzdem: Der Verteidiger übernahm bereits an der Euro 2024 gegen England die Verantwortung, verschoss damals aber als einziger Spieler und die Schweiz schied aus.
Nach dem Spiel erklärte Akanji seine Karriere als Penaltyschütze mit einem Lachen für beendet: «Ich habe Muri gesagt, das war mein letzter Penalty, den ich geschossen habe. Er war katastrophal.» Nati-Trainer Murat Yakin bestätigt dies kurz darauf mit einem Augenzwinkern: «Ja, das Thema ist jetzt definitiv begraben.»
Losgelöst von der Schweiz flattern erstaunlich vielen Verteidigern die Nerven an dieser Endrunde, wenn sie zum Punkt schreiten. Insgesamt haben zehn Abwehrspieler die Verantwortung übernommen – nur vier haben verwandelt. Fast noch schlimmer: Bei fünf Schützen musste der Goalie nicht einmal eingreifen, da der Ball entweder an oder über die Latte flog. Stellt sich die Frage: Warum schiessen Verteidiger überhaupt Penaltys?
Schwache WM-Quote
Klar, wenn auch das Penaltyschiessen in die Verlängerung geht, müssen sie zwangsläufig antreten. Bislang brauchte es aber nur beim Deutschland-Aus gegen Paraguay einen sechsten Schützen – es wären also noch genug Offensive auf dem Platz gestanden, die Verteidiger Jonathan Tah vor seinem Schicksal hätten bewahren können.
Wirft man einen Blick in die Geschichtsbücher, ist es nicht erstaunlich, dass so viele Verteidiger verschiessen. Nur 62 Prozent aller Versuche von Verteidigern an einer WM gehen rein – über alle Spieler liegt der Wert immerhin bei 68,6 Prozent (Mittelfeldspieler verwandeln 69,2 Prozent, Stürmer 73,2 Prozent), wie Datenlieferant Opta schreibt.
Turnierformat spielt eine Rolle
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das Turnierformat unter anderem einen Einfluss auf die Treffsicherheit hat. Wenn man auf die Zahlen der Europameisterschaft blickt, sollte man unbedingt Verteidiger schiessen lassen. 77,9 Prozent aller Elfer finden dort den Weg in die Maschen, knapp dahinter liegt die Quote der Stürmer mit 77,8 Prozent – das Schlusslicht bilden die Mittelfeldspieler, die «nur» 75,3 Prozent ihrer Penaltys verwandeln.
Funfact: Blickt man nur auf die Quote, sollten die Trainer zwingend ihre Goalies zum Punkt schicken. Bislang weist diese Position eine 100-prozentige Treffsicherheit aus. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass erst einmal ein Torhüter an einer WM oder EM zum Penalty angetreten ist. Im EM-Viertelfinal 2004 zwischen Portugal und England hielt der portugiesische Keeper Ricardo erst den Versuch von Darius Vassell – das, obwohl er sich die Handschuhe dafür ausgezogen hatte – und verwandelte dann seinen eigenen Schuss souverän. Portugal stand damit im Halbfinal.
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