Nati-Kollege hatte Vorahnung
Kobel musste viel Kritik einstecken – jetzt ist er Gregor der Grosse

Mit seinem gehaltenen Penalty gegen Kolumbien wird Gregor Kobel (28) zum Schweizer Helden. Der Dortmund-Keeper führt die Nati erstmals seit 1954 in einen WM-Viertelfinal – und tritt endgültig aus dem Schatten von Yann Sommer.
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Gregor Kobel strahlt über das ganze Gesicht.
Foto: TOTO MARTI

Gregor sei Dank! Gregor der Grosse! Penalty-Held Kobel!

Die Schweiz hat ihren neuen Goalie-Helden. Mit seinem gehaltenen Penalty gegen Kolumbien wird Gregor Kobel (28) zum Mann des Abends und führt die Schweiz entscheidend zum historischen Viertelfinaleinzug. Erstmals seit der Heim-WM 1954 steht die Nati wieder unter den besten acht Mannschaften der Welt.

Gleichzeitig ist Kobel endgültig aus dem Schatten von Yann Sommer (37) getreten. Jahrelang stand ihm bei der Nationalmannschaft sein Vorgänger vor der Nase. Auch in der Beliebtheitsskala der Nati-Fans und teils gar der Mitspieler. Kobel fehlte vor allem eines: dieser eine grosse Nati-Moment, der sich für immer ins kollektive Gedächtnis einbrennt. So etwas wie «Sommer hält! Sommer hält! Sommer hält!», Sascha Ruefers legendärer Kommentar nach dem gehaltenen Penalty gegen Frankreich und Kylian Mbappé im EM-Achtelfinal 2021.

Yakin: «Er hat alle Entscheide richtig getroffen»

Jetzt hat auch Kobel seinen ganz persönlichen Gänsehaut-Moment. Einen, der ihm für immer gehören wird. Der Zürcher hält die Nati mit seiner Parade im Penaltyschiessen im Turnier. «Sportlich ist das ganz sicher der schönste Tag meines Lebens. Ich brauche wahrscheinlich noch einen Moment, um das alles zu realisieren», sagt Kobel nach dem Spiel in der Mixed Zone zu Blick. Nach einem solchen Spiel wisse er gar nicht richtig, was alles um ihn herum passiere. «Ich bin schlecht darin, nach einem Spiel über meine Emotionen zu sprechen. Ich bin etwas sprachlos, es ist ein unfassbares Gefühl.»

Das Loben ihres Goalies, der zum zweiten Mal in Folge kein Gegentor kassiert hat, übernehmen derweil die anderen. Allen voran Trainer Murat Yakin: «Wir wussten, dass er ein sehr guter Torhüter ist im Penaltyschiessen, aber natürlich nicht nur dort. Er hat praktisch alle Entscheide richtig getroffen. Er geht wenig oder gar kein Risiko ein, findet aber auch bei den technischen Elementen immer besser ins Spiel rein. Ich bin absolut glücklich.»

Freuler ahnte Kobel als Penaltyheld

Remo Freuler ahnte schon vor dem Penaltyschiessen, dass es Kobels Abend sein wird. «Es ist schon ein grosser Unterschied für die Schützen, ob ein Gregor mit fast zwei Metern Körpergrösse im Tor steht oder der gegnerische Goalie mit rund 1,80.» Kobel sei aber nicht nur ein Top-Torhüter, sondern ein Super-Typ mit einer beeindruckenden Ruhe – selbst in solchen Situationen. «Er hat ein sehr grosses Selbstvertrauen und dank ihm sind wir nun eine Runde weiter», so Freuler.

Stürmer Cedric Itten kennt Kobel schon seit den U-Mannschaften der Nati. «Er war schon immer eine mega Persönlichkeit. Er rettet uns nicht nur im Penaltyschiessen, sondern fischt auch noch einen Ball überragend aus dem Lattenkreuz. Er ist einfach Weltklasse», sagt Itten.

Kobel musste viel Kritik einstecken

Weltklasse-Niveau und die ganz grosse Fussballbühne kennt Gregor Kobel längst in- und auswendig. Seit Jahren ist er die Nummer eins bei Borussia Dortmund, wird ebenfalls seit Jahren als einer der weltbesten Goalies gehandelt, stand bereits im Final der Champions League und spielt Woche für Woche vor der weltberühmten Gelben Wand. Druck ist für Kobel Alltag. Doch dieser Moment im Nati-Trikot ist selbst für ihn etwas Besonderes.

Zumal er sich in der Nati seinen Platz erst hart erkämpfen musste. Das Sommer-Erbe war kein einfaches. In der schlechtesten Nati-Phase der letzten Jahre, dem Abstieg in der Nations League im Herbst 2024, wird Kobel zur Nummer 1. Einzelne Unsicherheiten und Fehler sorgten schnell für Kritik. In seinen ersten sieben Länderspielen als Stammkeeper blieb er nie ohne Gegentor. Dazu kamen Spekulationen über Spannungen mit Torwarttrainer Patrick Foletti (52) und Zweifel, ob Kobel seinen Platz innerhalb der Mannschaft bereits gefunden habe.

Weisse Weste in den USA als Wendepunkt

Gejammert hat er darüber nie, fragte die Journalisten aber auch mal direkt, wieso die Fragen immer so negativ seien, auch wenn man gewinnt. Später räumte er im grossen Blick-Interview ein, dass ihn gewisse Diskussionen durchaus beschäftigt hätten. Vor allem die ständige Frage, wann er endlich sein erstes Länderspiel ohne Gegentor absolvieren werde. «Es war eine Erfahrung, die ich in dieser Intensität noch nicht hatte», sagte Kobel damals. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass eine Karriere nicht nur aus Höhen bestehen könne.

Nati-Trainer Murat Yakin sieht die US-Testspiel-Reise vor einem Jahr und das erste Zu-Null-Spiel Kobels als so etwas wie den Wendepunkt in Kobels Nati-Karriere: «Das war der Einstieg ins WM-Jahr, auch für ihn und seine Position. Er hat sich danach Spiel für Spiel gesteigert, in der Quali und an der WM sind wir mit ihm ungeschlagen.»

Mit seinem gehaltenen Penalty hat sich der Zürcher seinen Platz in der Schweizer Fussballgeschichte gesichert: «Jedes Mal, wenn du das Trikot deines Landes anziehen darfst, ist das ein unglaublich schönes Gefühl, das dich mit Stolz erfüllt. Dass ich gleich bei meinem ersten Turnier einen WM-Viertelfinal erleben darf, ist einfach mega.»

Zwei Souvenirs im Gepäck

Natürlich wurde Kobel nach dem Kolumbien-Spiel von der Fifa zum «Man of the Match» gewählt. Als Blick ihn in den Katakomben auf die Trophäe anspricht, sagt er mit breitem Grinsen: «Die bekommt zu Hause ganz sicher einen speziellen Platz.»

Es ist nicht das einzige Souvenir, das er mit nach Hause nimmt, wie er im SRF-Interview verrät. «Meine Handschuhe behalte ich auf jeden Fall. Ich werde sie zwar nicht mehr brauchen, aber sie kommen mit nach Hause», sagt Kobel und betrachtet sie schmunzelnd. «Schon verrückt, wie sie nach so kurzer Zeit bereits aussehen.»

Hoffentlich bleiben diese beiden Souvenirs für Kobel nicht die einzigen. Denn seit Dienstag Nacht träumt die ganze Schweiz davon, dass Kobels bisher grösster Nati-Moment noch lange nicht der Letzte gewesen ist.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
3
6
9
2
Südafrika
Südafrika
3
-1
4
3
Südkorea
Südkorea
3
-1
3
4
Tschechien
Tschechien
3
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
3
4
7
2
Kanada
Kanada
3
5
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
3
-1
4
4
Katar
Katar
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
3
6
7
2
Marokko
Marokko
3
3
7
3
Schottland
Schottland
3
-3
3
4
Haiti
Haiti
3
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
3
4
6
2
Australien
Australien
3
0
4
3
Paraguay
Paraguay
3
-2
4
4
Türkei
Türkei
3
-2
3
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
3
6
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
3
2
6
3
Ecuador
Ecuador
3
0
4
4
Curacao
Curacao
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
3
6
7
2
Japan
Japan
3
4
5
3
Schweden
Schweden
3
0
4
4
Tunesien
Tunesien
3
-10
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
3
4
5
2
Ägypten
Ägypten
3
2
5
3
Iran
Iran
3
0
3
4
Neuseeland
Neuseeland
3
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
3
5
7
2
Kap Verde
Kap Verde
3
0
3
3
Uruguay
Uruguay
3
-1
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
3
-4
2
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
3
8
9
2
Norwegen
Norwegen
3
1
6
3
Senegal
Senegal
3
2
3
4
Irak
Irak
3
-11
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
3
7
9
2
Österreich
Österreich
3
0
4
3
Algerien
Algerien
3
-2
4
4
Jordanien
Jordanien
3
-5
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
3
3
7
2
Portugal
Portugal
3
5
5
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
3
1
4
4
Usbekistan
Usbekistan
3
-9
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
3
4
7
2
Kroatien
Kroatien
3
0
6
3
Ghana
Ghana
3
0
4
4
Panama
Panama
3
-4
0
K.o.-Phase
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