Darum gehts
- WM-Eröffnungsspiel bleibt Lucas Werder in Erinnerung
- Christian Finkbeiner wurde von Manzambis Solo gegen Algerien geflasht
- Blick-Fussballchef erinnert sich an Schreckmoment um Xhaka
Lucas Werder – WM-Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika
WM-Eröffnungsspiel, 83’000 heissblütige mexikanische Fans im Aztekenstadion – und ich stehe rund 2300 Kilometer entfernt in einem Public Viewing. Trotzdem fühlt es sich an, als wäre ich mitten im Hexenkessel in Mexiko-City. Für eine Reportage bin ich an diesem Tag von San Diego über die Grenze nach Tijuana gereist. «Die gefährlichste Stadt der Welt», heisst es im Internet immer wieder. Davon ist an diesem Tag nichts zu spüren. Ausnahmslos jede und jeder trägt ein grünes Mexiko-Shirt. Schon zwei Stunden vor dem Spiel ist die Fanzone auf der Avenida Revolución gefüllt. Noch vor Anpfiff sorgen Drohnenaufnahmen des Aztekenstadions auf der Grossleinwand für Euphorieausbrüche. Lauter wird es in den darauffolgenden 90 Minuten nur zweimal – bei den beiden Toren der neuen mexikanischen Volkshelden Quinones und Jimenez, die den WM-Gastgeber zum 2:0-Sieg über Südafrika schiessen.
Christian Finkbeiner – Johan Manzambis Dribbling gegen Algerien
Vancouver. BC Place, der Ort, der für die Nati zum Glücksbringer wurde. Das erste K.o.-Spiel gegen Algerien. Das Duell Petkovic gegen Yakin, in dem die Schweiz schwer in die Gänge kommt, weil der Vorgänger seinen Nachfolger überrascht, in dem er ohne einen Neuner spielt. Doch dann kommt die 10. Minute, die Nati kann einen Entlastungsangriff über links lancieren. Und dort zieht Johan Manzambi unwiderstehlich davon, lässt seinen Gegenspieler aussteigen und legt den Ball von der Grundlinie zu Breel Embolo, der ins leere Tor trifft. «Wow!», schiesst es mir durch den Kopf. «Einfach nur wow!» Ich hatte Johan Manzambi vor dem Beginn der WM-Vorbereitung in seiner Heimat Genf getroffen. Ein fröhlicher, anständiger junger Mann – ohne Allüren und mit Bodenhaftung. Wenige Wochen später ist er der Shootingstar dieser WM und versetzt auch die Fussball-Fans in der Heimat morgens um 5.10 Uhr in Ekstase.
Tobias Wedermann – Zittern mit Granit Xhaka
Es läuft die 115. Spielminute im BC Place Stadion in Vancouver. Verlängerung im Achtelfinal zwischen der Schweiz und Kolumbien. Es ist die Zeit, in der Helden geboren werden. Schafft die Nati einen historischen WM-Erfolg oder scheitert man erneut knapp vor dem Ziel? Die Anspannung ist auch auf der Medientribüne kaum auszuhalten. Kolumbien-Goalie Camilo Vargas macht einen langen Abschlag über den ganzen Platz und der Ball landet bei Granit Xhaka. Doch der Captain kann den Ball weder richtig annehmen noch weiterleiten. Jaminton Campaz profitiert von der Situation, läuft plötzlich ganz alleine auf Gregor Kobel zu. «Das kann doch jetzt alles nicht wahr sein», schiesst mir als Gedanke durch den Kopf. Ausgerechnet Rekordnationalspieler Granit Xhaka entscheidet die Partie mit einem riesigen Bock? Nein! Campaz schiesst übers Tor. Dann wusste ich: «Jetzt gewinnt die Schweiz dieses Ding, heute geht nichts mehr schief.» Und so war es dann auch. Granit Xhaka gleich wieder im Fokus, als Erster beim Penaltyschiessen, übernimmt Verantwortung und trifft. Genauso wie Zeki Amdouni, Cedric Itten und Rubén Vargas, der den Deckel draufmacht. Es ist passiert. Viertelfinal gegen Titelverteidiger Argentinien, wo der nächste «Das kann doch jetzt alles nicht wahr sein»-Moment auf mich warten wird.
Alain Kunz – ganz alleine bei den Kataris
Das Leben ist und bleibt eine Wundertüte. Das gilt auch für den weltgrössten Sportanlass. Diejenige in den USA, Kanada und Mexiko war jetzt meine achte Weltmeisterschaft. Doch noch nie war ich zuvor an einem für die Presse zugänglichen Training oder einem Interviewtermin mit Spielern eines WM-Teilnehmers ganz alleine. Die Premiere steigt im Westmont College in Montecito, Santa Barbara. Das Training unseres WM-Gegners Katar ist eine Viertelstunde frei für Medienvertreter. Die Mehrzahl kann man sich sparen. Es wird kein Weiterer kommen. Ich bin alleine … Das Spielchen wiederholt sich im America First Field in Salt Lake City mit den wesentlich fussballverrückteren Bosniern. Derweil am öffentlichen Training am Vortag noch Halligalli war mit mehreren Tausend Fans, interessiert sich zwei Tage vor dem Spiel kein Schwein für das Training sowie die beiden Dauerreservisten Martin Zlomislic und Stjepan Radeljic. Toll ist, dass dennoch nur zwei Fragen gestellt werden dürfen und der eine der beiden nur bosnisch spricht … Wundersame Fussballwelt!
Toto Marti – Lionel Messi vor der Linse
Es war meine sechste Fussball-Weltmeisterschaft, die ich als Fotograf abgedeckt habe, und ich hatte Angst, zum ersten Mal keinen Weltstar vor die Linse zu bekommen. Bis zum Viertelfinal war Fifa-Präsident Gianni Infantino die grösste Nummer, die ich an Schweizer Spielen fotografiert habe. In Deutschland 2006 war es Zinédine Zidane beim Auftaktspiel, in Südafrika 2010 Sergio Ramos und Iker Casillas im ersten Spiel, 2014 in Brasilien Karim Benzema und Paul Pogba in der Gruppenphase, später dann Lionel Messi im Achtelfinal. 2018 in Russland war es Neymar, 2022 in Katar waren es Vinicius Jr. und im Achtelfinal Cristiano Ronaldo. In diesem Jahr, für mich im Gesamtpaket die bisher beste Fussball-WM, musste ich mich bis zum sechsten Nati-Spiel gedulden. Und dann kam Lionel Messi.
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