Tendenz zu unverhohlener Arroganz
Kanada-Trainer Marsch spaltet den Nati-Gegner

Jesse Marsch lässt Kanada träumen. Vom ganz grossen Coup an der Heim-WM. Gleichzeitig spaltet er das Land. Wegen seiner Über-Emotionalität voller Pathos. Und weil er US-Amerikaner ist. Mit unverhohlener Tendenz zu Arroganz.
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Kanada-Coach Jesse Marsch auf der Ehrenrunde nach dem 6:0 gegen Katar: Jubelposen ohne Ende ...
Foto: imago/Xinhua

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jesse Marsch sorgt in Kanada für Diskussionen vor dem WM-Gruppenfinale gegen die Schweiz.
  • Sein emotionales Verhalten spaltet die Meinungen, Ex-Spieler kritisieren fehlende Bescheidenheit.
  • Bayern-Star und Kanada-Captain Alphonso Davies könnte gegen Schweiz erstmals spielen.
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Alain KunzReporter Fussball

Die Gesten waren schon der nackte Wahnsinn. Wie Jesse Marsch die sechs kanadischen Tore gegen Katar bejubelt hat. Wie er den (vermeintlichen) Penalty und die Rote Karte gegen die Katari abfeierte. Wie er sich nach dem Spiel auf der Ehrenrunde in den Mittelpunkt stellte, überemotional, immer wieder die Fäuste reckend, danach sechs Finger in die Höhe haltend. Und dazu eine Fratze riss. «Das ist nicht kanadisch», kritisierte der ehemalige Nationalspieler Daniel Imhof. «Wir sind eigentlich bescheiden.»

Kanadier haben keinen Bock auf Amis

Marsch ist es nicht. Dafür gleich auch noch respektlos. Wie er Julen Lopetegui, einen ungleich erfolgreicheren Coach als er, stehen liess, sprach Bände. Und gegen den US-Amerikaner. Apropos USA: Derzeit ist man in Kanada ohnehin nicht gut zu sprechen auf den grossen Bruder, seit dessen Präsident – auch respektlos – von einem 51. Bundesstaat sprach. 

Lust, sich Spiele in den USA anzuschauen, haben die Kanadier keine. Zumal die US-Amerikaner sie wie ein Juniorpartner behandeln, der bei der Ausrichtung der Spiele auch ein bisschen dabei ist. Umso wichtiger wäre es für das kanadische Team, gegen die Schweiz nicht zu verlieren und Gruppensieger zu werden, denn nur dann geht der Weg auch im eigenen Land weiter, in Vancouver. Als Zweiter würde man in Los Angeles spielen. Wie viele Kanadier den Weg in die USA antreten würden?

Pathos allenthalben

Dabei hatte man zu Beginn von Marschs Amtszeit noch eine andere Wahrnehmung. Dieses bisschen US-amerikanische Arroganz sei genau das, was Kanada für den nächsten Schritt fehle, war die allgemeine Meinung. Mittlerweile ist es von allem zu viel geworden. «Kein Kanadier wird diesen Tag jemals vergessen!», begann Marsch seine Pathos-geschwängerte Nachbetrachtung des 6:0 gegen den Nobody. «Vierzig Millionen Kanadier werden nach heute sagen, dass sie dabei gewesen sind. Wir haben heute allen gezeigt, was diese Mannschaft ausmacht. Wir sind sehr stolz darauf, wer wir sind und was wir sind. Wir sprechen von einer Bruderschaft. Davon, wie stark sich die Spieler lieben und wie sie es lieben, für die Nationalmannschaft aufzulaufen.»

«Man findet in meinem Tun amerikanische Arroganz»

Marsch scheut sich nicht mal, auch von seinen Spielern eine gewisse Arroganz auf dem Platz zu fordern. Sein Credo ist es, ein grosses Ego und unerschütterliches Selbstvertrauen zu kultivieren. Das gebe seinem Team eine grössere Chance, Gewinner zu sein. Und von sich selbst sagte er in einem Interview mit der staatlichen kanadischen TV-Anstalt CBC im Vorfeld der WM auf die Frage, ob seine Spieler den Amerikaner und einen Angeber in ihm gebraucht hätten: «Man findet in dem, was ich tue, ganz zweifelsfrei amerikanische Arroganz und Selbstvertrauen.» So, als er im Vorfeld der WM bereits posaunte: «Wir wollen diese Gruppe gewinnen!»

Auch das grandiose Scheitern bei RB Leipzig 2021 – nach nicht mal fünf Monaten entliess der Klub den Mann, der aus der Red-Bull-Schule kam und ein Protegé von Ralf Rangnick war – tat seiner Attitüde keinen Abbruch.

Marschs Vertrag wurde unlängst bis 2030 verlängert

Und einige Leute hat er förmlich infiziert. So sagte Ex-Assistenztrainer Michael Findlay (ein Kanadier) nach dem 6:0: «Das war der erste monumentale Moment in der Geschichte des kanadischen Fussballs! Die Tage, in denen wir Underdogs waren, sind vorbei! Diese Spieler spielen auf höchstem internationalem Level in ihren Klubs.» 

Bei den Fans mag Marsch umstritten sein. Bei seinen Bossen ist er es kein bisschen. Weder von seiner Attitüde her noch von seiner Spielphilosophie, die das RB-übliche ultra-aggressive Pressing vorsieht wie auch viel Tempo und erfrischend direkten Zug zum Tor. Eben haben sie seinen Vertrag bis 2030 verlängert.

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Spielt Alphonso Davies gegen die Schweiz?

Die ganz grosse Frage vor dem Gruppenfinale gegen die Schweiz ist aber eine andere: Lässt Marsch seinen Captain und einzigen Weltstar erstmals laufen? Gut möglich, dass Bayerns Alphonso Davies sein WM-Debüt 2026 gibt. Marsch sagt dazu: «Wir unterziehen ihn diese Woche dem richtigen Trainingsregime und schauen dann, wie er ins Spiel gegen die Schweiz passt. Fakt ist, dass er einem Fitnesszustand von hundert Prozent immer näherkommt.»

Und ja, Bosnien-Coach Sergej Barbarez hat auch das Schweiz-Spiel abgewartet, um seinen Superstar Edin Dzeko erstmals laufenzulassen. Wie es herausgekommen ist, wissen wir …

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
2
3
6
2
Südkorea
Südkorea
2
0
3
3
Tschechien
Tschechien
2
-1
1
4
Südafrika
Südafrika
2
-2
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
2
6
4
2
Schweiz
Schweiz
2
3
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
2
-3
1
4
Katar
Katar
2
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
2
3
4
2
Marokko
Marokko
2
1
4
3
Schottland
Schottland
2
0
3
4
Haiti
Haiti
2
-4
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
2
5
6
2
Australien
Australien
2
0
3
3
Paraguay
Paraguay
2
-2
3
4
Türkei
Türkei
2
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
2
7
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
2
0
3
3
Ecuador
Ecuador
2
-1
1
4
Curacao
Curacao
2
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
2
4
4
2
Japan
Japan
2
4
4
3
Schweden
Schweden
2
0
3
4
Tunesien
Tunesien
2
-8
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Ägypten
Ägypten
2
2
4
2
Iran
Iran
2
0
2
3
Belgien
Belgien
2
0
2
4
Neuseeland
Neuseeland
2
-2
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
2
4
4
2
Uruguay
Uruguay
2
0
2
3
Kap Verde
Kap Verde
2
0
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
2
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
2
5
6
2
Norwegen
Norwegen
2
4
6
3
Senegal
Senegal
2
-3
0
4
Irak
Irak
2
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
2
5
6
2
Österreich
Österreich
2
0
3
3
Algerien
Algerien
2
-2
3
4
Jordanien
Jordanien
2
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
2
3
6
2
Portugal
Portugal
2
5
4
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
2
-1
1
4
Usbekistan
Usbekistan
2
-7
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
2
2
4
2
Ghana
Ghana
2
1
4
3
Kroatien
Kroatien
2
-1
3
4
Panama
Panama
2
-2
0
K.o.-Phase
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