Darum gehts
- Belgiens Trainer Rudi Garcia redet gerne Klartext
- Garcia setzt Altstars wie Kevin De Bruyne gegen die USA auf die Bank
- Belgien feiert mit 4:1 gegen die USA mit dem Trump-Tanz
Ist er das Grossmaul dieser WM? Rudi Garcia (62) müsste zumindest auf der Shortlist stehen. Andere Trainer hätten sich nach einem Auftritt wie jenem seiner Belgier gegen Senegal glücklich geschätzt, dem verdienten Ausscheiden noch einmal von der Schippe gesprungen zu sein.
Garcia dagegen nutzte das unverhoffte 3:2 im Sechzehntelfinal, um dem gegnerischen Coach ein paar süffisante Tipps mit auf den Weg zu geben: «Wir wussten, dass sie beim Stand von 2:0 alles tun würden, um ihr Tor zu verteidigen, was meiner Meinung nach ein schwerwiegender Fehler ist. Erinnert mich daran, wenn wir 2:0 führen, das nicht zu tun.»
Plötzlich bietet Belgien das volle Programm
Grosse Worte, wenn man bedenkt, dass seine Belgier noch in der 85. Minute mit 0:2 im Rückstand lagen und bis dahin einen fürchterlichen Fussball spielten. Aber seit der verrückten Wende gegen Senegal ist Belgien tatsächlich zu einer der unterhaltsamsten Mannschaften dieses Turniers geworden.
Manchmal, wie beim 4:1 gegen die USA, gilt das sogar für das Geschehen auf dem Rasen. Vor allem aber gilt es für all die Kämpfe neben dem Feld, die die Belgier derzeit ausfechten.
Natürlich konnten sie nichts dafür, dass sich US-Präsident Donald Trump mit einem Telefonat an Fifa-Präsident Gianni Infantino in die WM einmischte. Aber sie haben ihre Entrüstung über die Begnadigung von Stürmer Folarin Balogun (25) in viel Energie umgesetzt. Und es war natürlich Garcia, der die erste bittere Pointe setzte, als er sagte: «Ich wusste gar nicht, dass der 5. Juli an der WM der 1. April ist.»
Als die Belgier die bedauernswerten Amerikaner auf dem Feld überrollten, stimmte der belgische Verband mit ein und stellte einen jubelnden Romelu Lukaku auf die sozialen Medien mit der Überschrift: «Overturn this!» Heb das auf! Und schliesslich feierten die belgischen Spieler in der Kabine zu Trumps Lieblingssong «YMCA» mit den typisch ruckartigen Tanzbewegungen des US-Präsidenten.
Dem sagt man dann wohl trollen auf Weltmeisterniveau.
Garcia setzt auch Nationalheilige auf die Bank
Aber bei allem Tamtam neben dem Rasen muss festgehalten werden: Garcia spuckt nicht nur grosse Töne. Der Franzose hat sein Team in den letzten beiden Spielen ohne jede Sentimentalität umgebaut.
Andere Trainer tun sich an dieser WM schwer im Umgang mit Nationalheiligen. Garcia aber versorgte Altstar Kevin De Bruyne (35) und Flügelflitzer Jérémy Doku (24) gegen die USA erst einmal auf der Bank, um seinem Team mehr Energie im Zentrum zu geben. Es war die richtige Entscheidung. Oder wie Garcia danach sagte: «Wir haben Kevin heute nicht gebraucht, wir haben genug Tore geschossen.»
Klar ist aber auch: Im Viertelfinal gegen Europameister Spanien muss Belgien noch einmal eine Klasse besser spielen als bisher an dieser WM. Sonst ist die WM-Reise zu Ende. Grosse Klappe hin oder her.
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