Sportjurist analysiert den Balogun-Fall
«Die Fifa dehnt ihre eigenen Bestimmungen aus»

Trotz Rot darf Folarin Balogun gegen Belgien spielen. Sportjurist Martin Kaiser erklärt, weshalb die Begnadigung aus seiner Sicht vom Fifa-Disziplinarreglement nicht gedeckt ist – und warnt vor einem gefährlichen Präzedenzfall.
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Folarin Balogun darf heute Nacht gegen Belgien spielen.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Darum gehts

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Carlo Emanuele FrezzaReporter Fussball

Der Fall Folarin Balogun (24) hat sich innert weniger Stunden zu einem waschechten Politikum entwickelt. Der US-Stürmer darf in der Nacht auf Dienstag (2 Uhr MEZ) im WM-Achtelfinal gegen Belgien auflaufen – obwohl er im letzten Spiel gegen Bosnien die Rote Karte gesehen hat.

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Folarin Balogun darf heute Nacht gegen Belgien spielen.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Dabei galt im Fussball bislang ein klarer Grundsatz: Wer vom Platz fliegt, ist im nächsten Spiel automatisch gesperrt – mindestens für eine Partie. Die Fifa teilte am Sonntagabend jedoch mit, dass Baloguns Sperre «gemäss Artikel 27 des Fifa-Disziplinarreglements für eine Bewährungszeit von einem Jahr ausgesetzt» werde.

Ein Anwalt ordnet den Fall ein

Abgesehen von der Fifa ist die Meinung in der Fussballwelt eindeutig: Für den Entscheid gibt es kaum Verständnis. Doch wie sieht die Rechtslage aus? Blick hat am Montag mehrere Sportjuristen kontaktiert, um über das Fifa-Disziplinarreglement zu sprechen. Die meisten wollten sich nicht äussern. Einer aber schon: der Anwalt Martin Kaiser.

Er hat das Reglement für Blick analysiert und kommt im Fall Balogun zu folgendem Schluss: «Auf den ersten Blick bin ich der Auffassung, dass Artikel 27 Absatz 2 des Disciplinary Code (DC) hier nicht zur Anwendung kommt. Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit Sachverhalten gemäss Artikel 13 ff. DC, nicht aber mit Platzverweisen.» Dort geht es um allgemeine Disziplinarverstösse wie etwa Diskriminierung, Manipulation oder Gewalt – nicht um die Folgen einer Roten Karte.

«Für mich nicht ersichtlich»

Nach Ansicht von Kaiser sind die Folgen eines Platzverweises in den Artikeln 66 ff. des Disziplinarreglements wohl abschliessend geregelt. «Bei Artikel 66 ff. DC findet sich aber keine Regelung im Sinne von Artikel 27 Absatz 2 DC. Ein entsprechender Vorbehalt oder Verweis ist für mich ebenfalls nicht ersichtlich.»

Deshalb kommt der Jurist prima vista zu einem brisanten Fazit: «Stand jetzt habe ich den Eindruck, dass die Fifa ihre Bestimmung ausdehnt, um die automatische Sperre gemäss Artikel 66 Absatz 5 DC aufzuheben.» Reglementarisch sei das wohl gar nicht vorgesehen gewesen – darauf deute auch der Protest der Uefa hin.

Fifa schafft Präzedenzfall

Kaiser ergänzt diesbezüglich: «Es könnte künftig ja bei jeder Roten Karte der Aufschub der automatischen Sperre angeordnet werden. Das würde Artikel 66 Absatz 5 DC faktisch aushebeln.» Gleichzeitig stelle sich die Frage, nach welchen Kriterien die Fifa künftig entscheide. «Wann ist ein Aufschub möglich und wann nicht? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?»

Das Problem ist deshalb nicht nur, dass Balogun gegen Belgien heute Nacht spielen darf. Vielmehr könnte die Fifa mit ihrem Entscheid einen Präzedenzfall geschaffen haben, der die Anwendung des Disziplinarreglements nachhaltig verändert.

England-Politiker fordert Aufhebung der Quansah-Sperre

Ein erstes Beispiel liess nicht lange auf sich warten. So hat der englische Parlamentarier Noah Law in einem Schreiben an Infantino beantragt, dass die Rote Karte von Jarell Quansah, die er gegen Mexiko gesehen hat, bis nach der WM aufgehoben wird.

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Dabei bezieht er sich auf den Entscheid der Fifa im Fall Balogun: «Die Integrität jedes grossen internationalen Turniers hängt nicht nur davon ab, dass Spieler und Offizielle sich an die Regeln halten, sondern auch davon, dass diese Regeln für alle teilnehmenden Nationen gleichermassen gelten. Ich bin mir sicher, dass wir eine Situation nicht rechtfertigen können, in der ein Spieler von einer aufgeschobenen Sperre profitiert, während ein anderer unter im Wesentlichen ähnlichen Umständen davon ausgeschlossen bleibt.»

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
3
6
9
2
Südafrika
Südafrika
3
-1
4
3
Südkorea
Südkorea
3
-1
3
4
Tschechien
Tschechien
3
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
3
4
7
2
Kanada
Kanada
3
5
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
3
-1
4
4
Katar
Katar
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
3
6
7
2
Marokko
Marokko
3
3
7
3
Schottland
Schottland
3
-3
3
4
Haiti
Haiti
3
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
3
4
6
2
Australien
Australien
3
0
4
3
Paraguay
Paraguay
3
-2
4
4
Türkei
Türkei
3
-2
3
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
3
6
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
3
2
6
3
Ecuador
Ecuador
3
0
4
4
Curacao
Curacao
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
3
6
7
2
Japan
Japan
3
4
5
3
Schweden
Schweden
3
0
4
4
Tunesien
Tunesien
3
-10
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
3
4
5
2
Ägypten
Ägypten
3
2
5
3
Iran
Iran
3
0
3
4
Neuseeland
Neuseeland
3
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
0:0
3
5
7
2
Kap Verde
Kap Verde
3
0
3
3
Uruguay
Uruguay
3
-1
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
3
-4
2
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
3
8
9
2
Norwegen
Norwegen
3
1
6
3
Senegal
Senegal
3
2
3
4
Irak
Irak
3
-11
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
3
7
9
2
Österreich
Österreich
3
0
4
3
Algerien
Algerien
3
-2
4
4
Jordanien
Jordanien
3
-5
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
3
3
7
2
Portugal
Portugal
0:0
3
5
5
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
3
1
4
4
Usbekistan
Usbekistan
3
-9
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
3
4
7
2
Kroatien
Kroatien
3
0
6
3
Ghana
Ghana
3
0
4
4
Panama
Panama
3
-4
0
K.o.-Phase
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