Darum gehts
Blick: Ali Kabacalman, wie geht man in eine Saison, deren Ziel man schon in der Vorsaison erreicht hat? Ein europäischer Platz war erst für 2026/27 geplant …
Ali Kabacalman: Indem man das Ziel halt ein bisschen höher steckt. Wir können uns ja verbessern. In der Meisterschaft, im Cup. Also wollen wir unter die ersten drei und den Cupsieg holen. Man kennt die Bedeutung des Cups für das Wallis.
Das erste Saisonspiel des FC Sion ist ein europäisches. Am 23. Juli geht es in Aserbaidschan gegen die Weissrussen aus Borissow.
Wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen, um eine gute Ausgangslage für das Rückspiel im Tourbillon zu haben. Erst danach folgt das grosse Spiel bei YB, das sich nach der missglückten letzten Saison rehabilitieren will.
Sion hat bei seinem letzten internationalen Auftritt 2017 eine historische Negativmarke gesetzt, als man kläglich an den Litauern von Suduva Marijampole scheiterte. Blick setzte dieses Out auf Platz 1 der grössten Schweizer Fussball-Blamagen der letzten 20 Jahre …
Ich erinnere mich vage daran. Wir wollen eine grosse Leistung zeigen. Es hat ja in unserem Team kaum Wechsel gegeben, und wir kennen uns alle. Wir wissen genau, wie spielen. Das ist ein Vorteil.
Der damalige Trainer Paolo Tramezzani sagte, dass einige Spieler nie mehr unter ihm auflaufen würden.
Sion war ja klarer Favorit – und dann verlierst du gleich 0:3. Das erklärt solche Reaktionen.
Was ist aus dem Skandalklub Sion geworden, der oft Transferfenster für das Betreiben eines Basars nutzte? Ich denke, Sie hatten ein komplett anderes Bild vom Klub, als Sie vor drei Jahren von Yverdon ins Wallis wechselten.
Von aussen betrachtet war das Image in der Tat anders. Der Abstieg hat dem Klub aber gutgetan. Er wurde umstrukturiert und ist dadurch stabiler geworden. Dies ist enorm wichtig. Das sieht man auch international. PSG hält die Mannschaft zusammen und gewinnt zweimal hintereinander die Champions League. Bei Liverpool bleibt im Mercato kein Stein auf dem anderen, und der amtierende Meister wird nur Fünfter. Sportchef Barthélémy Constantin hat viel gelernt und in seinem Job enorme Fortschritte gemacht. Und Coach Didier Tholot steht sowieso für Kontinuität. Die Spieler auch.
Speziell der Captain, so scheint es. Denn diese Ruhe ist mit Ihrer Ankunft in Sion eingekehrt.
(Lacht.) Vielleicht. Viel wichtiger ist aber, dass man vornehmlich Schweizer Spieler geholt hat, die die gleiche Mentalität haben, die gleiche Geisteshaltung. Zuvor kamen viele Ausländer, denen die Resultate – etwas überspitzt formuliert – egal waren.
Apropos Wechsel zu Sion: Sie hatten als einer der wichtigsten Stützpfeiler des Teams wesentlichen Anteil am Aufstieg von Yverdon. Und danach wurden Sie schnöde rausgeschmissen, weil Ihr Vertrag ausgelaufen war. Das muss enorm wehgetan haben?
Tat es, ja. Vor allem, wenn man fast 28 Jahre alt ist. Aber die neue Führung damals wollte keine Verträge verlängern, was uns erst in letzter Sekunde mitgeteilt wurde.
Man hatte Ihnen nicht zugetraut, in der obersten Liga eine Rolle zu spielen.
Ja. Das war mental schwierig. Und dann stehst du auf der Strasse und findest wochenlang keinen Klub …
Ali Kabacalman wird am 27. September 1995 in Lausanne als Immigrantensohn von kurdischen Türken geboren. Er schliesst die Handelsschule als Kaufmann ab. Er durchläuft die Junioren bei Ouest Lausanne, dann Stade-Lausanne-Ouchy und Monthey VS. Als Aktiver heissen seine Stationen Azzurri 90 LS, Lausanne-Sport, Chiasso, Rapperswil-Jona und Yverdon, bevor er im Juli 2023 zu Sion geht. Er steigt mit Lausanne und Yverdon auf, erhält an beiden Orten aber keinen Vertrag für die Super League. Er steigt auch mit Sion auf, hat dort aber einen weiterlaufenden Kontrakt. Im März 2025 wird er als Nachfolger von Reto Ziegler, Numa Lavanchy und Joël Schmied Captain des FC Sion. Er lebt mit seiner Lebenspartnerin in Le Bouveret VS und ist Vater zweier kleiner Kinder.
Ali Kabacalman wird am 27. September 1995 in Lausanne als Immigrantensohn von kurdischen Türken geboren. Er schliesst die Handelsschule als Kaufmann ab. Er durchläuft die Junioren bei Ouest Lausanne, dann Stade-Lausanne-Ouchy und Monthey VS. Als Aktiver heissen seine Stationen Azzurri 90 LS, Lausanne-Sport, Chiasso, Rapperswil-Jona und Yverdon, bevor er im Juli 2023 zu Sion geht. Er steigt mit Lausanne und Yverdon auf, erhält an beiden Orten aber keinen Vertrag für die Super League. Er steigt auch mit Sion auf, hat dort aber einen weiterlaufenden Kontrakt. Im März 2025 wird er als Nachfolger von Reto Ziegler, Numa Lavanchy und Joël Schmied Captain des FC Sion. Er lebt mit seiner Lebenspartnerin in Le Bouveret VS und ist Vater zweier kleiner Kinder.
Und dann landen Sie in Sion, machen jedes Spiel und werden mit 27 Jahren zum unumstrittenen Stamm- und Führungsspieler in der Super League. Nachdem Sie vor dem Aufstieg mit Sion null Super-League-Spiele bestritten hatten. Da ist eine verrückte Leistungsexplosion.
Mag sein. Aber ich hatte das Bewusstsein, dass ich von meiner Mentalität her in der Super League spielen kann. Es hatte sich einfach noch nicht ergeben. Aber ganz ehrlich: Viel faszinierender als meine eigene Laufbahn finde ich, was Thun gemacht hat. Da hat die Mehrheit des Teams noch nie in der Super League gespielt – und dann werden die Meister! Was beweist: Wenn man die nötige Überzeugung hat, ist im Leben alles möglich.
Diese neue Ruhe in Sion kommt Ihnen augenscheinlich entgegen?
Ja. In der ersten Super-League-Saison nach dem Aufstieg hatten wir dennoch eine schwierige Phase zu durchleben. Die Fans sind fordernd, der Präsident sagt seine Meinung knallhart, wenn es nicht läuft. Da ist es gut, wenn solch eine Periode nicht allzu lange anhält, sonst schlägts auf die Moral.
Sie selbst sind kein Mann der lauten Worte.
Nein. Ich bin der ruhige und zurückhaltende Typ. Im Team hat es ja genügend weitere Spieler, die auch mal was sagen wie Benjamin Kololli oder Numa Lavanchy. Aber auch sie sind keine Lautsprecher. Ich ziehe es jedenfalls vor, ein Leader auf dem Feld zu sein. Und ich spreche mit einem Spieler, wenn der Trainer gerade keine Lust dazu hat. Ich bin das Verbindungsglied zwischen Staff und Spielern.
Für die grössten Schlagzeilen haben Sie letzte Saison gesorgt, als Sie mit einem Panenka einen Penalty verschossen haben. Irgendwie ist das symptomatisch.
Das wurde aufgebauscht. Man hat mir da unberechtigte Vorwürfe gemacht. Hätte ich diesen Penalty verwandelt, wäre es das 2:0 gewesen. Viele sagten, wir hätten dann das Spiel gewonnen. Aber das muss keineswegs so sein. In den beiden folgenden Spielen haben wir jeweils 2:0 geführt und zweimal nicht gewonnen. Zudem habe ich den Elfer nicht in arroganter Manier geschossen. Ich hatte die Mitte einfach als beste Option ausgemacht.
Aber die Sache endete im Büro des Präsidenten.
Ja. Aber er war nicht böse, sondern sehr korrekt. Und ich habe ja gut reagiert darauf. Also haben seine Worte Wirkung gezeigt …
Was man nicht wegdiskutieren kann: Sie haben letzte Saison bloss drei von sechs Penaltys verwandelt. Das ist eine miserable Quote.
Stimmt leider. Aber ich bin ja nicht der einzige Schütze bei uns.
Was hat Sie in Ihrem Leben am meisten gezeichnet?
Die Geburt meiner Kinder.
Wie alt sind diese?
Zweieinhalb Jahre und einen Monat.
Dann gibts derzeit wenig Schlaf?
Da ist so. Aber wenn man mitten in der Nacht aufstehen muss, konnte man sich zuletzt auch mal ein WM-Spiel reinziehen. Das ist der Vorteil.
Den Namen Kabacalman gibts im Weltfussball nur einmal. Woher kommt er?
Meine Eltern sind türkische Kurden.
Sie sind also Doppelbürger?
Ja. Ich bin ja in Lausanne geboren und aufgewachsen.
Und so haben Sie in der Schule Deutsch gehabt. Ist das eigentlich nötig als Captain im zweisprachigen Wallis?
(Schmunzelt.) Es geht auch ohne. Das ist nicht meine Sprache. Ich habe sie in der Schule gehabt, aber mittlerweile habe ich alles vergessen. Ist auch eine schwierige Sprache.
Und Ihre kurzen fünf Monate in Rapperswil haben auch nicht geholfen?
Nein, da gab es zu viele Spieler, die Französisch sprachen.
Jedenfalls haben Se Ihren Vertrag vorzeitig bis 2028 verlängert. Kam die Anfrage vom Klub?
Ja. Aber ich wollte auch bleiben. Das war im Rahmen der Kontinuität unserer gemeinsamen Geschichte irgendwie logisch.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Basel | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Lugano | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Luzern | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Sion | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC St. Gallen | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Thun | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Vaduz | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Zürich | 0 | 0 | 0 | |
1 | Grasshopper Club Zürich | 0 | 0 | 0 | |
1 | FC Lausanne-Sport | 0 | 0 | 0 | |
1 | Servette FC | 0 | 0 | 0 | |
1 | BSC Young Boys | 0 | 0 | 0 |

