Darum gehts
- Jonas Omlin zurück beim FCB, will Führungsfigur werden und Meistertitel holen
- Omlin betont Wichtigkeit von Teamgeist und Zusammenhalt
- FCB-Spieler sollen nicht mehr nach Österreich oder in die 2. Bundesliga wechseln
Eine Stunde hat er bereits geredet, da sagt Jonas Omlin (32): «Ich merke, was mich hier in Basel etwas stresst.» Spätestens jetzt wird klar: Der Goalie ist gekommen, um eine Führungsfigur zu sein in diesem Klub, den er einst 2020 in Richtung Mönchengladbach verlassen hat.
Also nutzt er seinen Auftritt vor den Medien, um seine Botschaften zu platzieren. An die Mitspieler. An den Trainer. Und an die Öffentlichkeit, von der der Stress kommt, den er gerade fühlt.
«Die Fans sind unzufrieden»
«Ich spüre, dass die Fans unzufrieden sind. Die Presse schreibt negativ», stellt Omlin fest: «Das verstehe ich nicht. Ja, letzte Saison hat es nicht funktioniert. Aber man darf nicht vergessen, dass vor zwei Jahren das Double gewonnen worden ist. Irgendetwas machen sie hier also schon richtig.»
Für Omlin zumindest ist klar, warum er nach sechs Jahren in Deutschland und Frankreich zurück zum FCB gekommen ist: «Mein Ziel ist es, Meister zu werden. Das habe ich noch offen. In Basel hast du jedes Jahr die Chance, den Titel zu gewinnen.»
Wobei der Innerschweizer nicht naiv ist. Auch er muss zum Beispiel wissen, dass der FCB nach der verkorksten letzten Saison mit einem Trainer auf Bewährung in die Saison startet. «Für ihn ist es eine zweite Chance», sagt Omlin über Stephan Lichtsteiner (42): «Er hat jetzt eine ganze Vorbereitung, in der er seine Philosophie viel besser rüberbringen kann als während einer laufenden Saison. Ich bin sehr positiv gestimmt.»
Was sicher ist: Mit Omlin hat Lichtsteiner einen Goalie im Kader, der mehr tun will, als bloss Bälle zu halten. Zum Beispiel, indem er jungen Talenten den Egoismus austreibt: «Fussball ist in der Schweiz kein Einzelsport. Daran arbeiten wir.»
Omlin hat da eine Botschaft an die Mitspieler
Gut möglich, dass er in näherer Zukunft deswegen eine kleine Ansprache hält. «Ich habe den Mitspielern meine Sicht noch nicht mitgeteilt. Aber ich glaube, das werde ich noch tun», kündigt Omlin an. Seine Botschaft? «Der FC Thun hat bewiesen, wie weit man mit Mentalität und Zusammenhalt kommen kann.»
Klingt nach Fussballromantik. Aber Omlin ist nicht blauäugig: «Heute ist jeder Spieler seine eigene Firma. Jeder will das Maximum aus seiner Karriere herausholen. Das ist normal.»
Darum hat er ein sehr rationales Argument, mit dem er aus einer Ansammlung von jungen Ich-AGs eine Mannschaft formen will: «Du kannst den FCB als Sprungbrett nutzen. Aber du musst checken, dass du automatisch attraktiver bist für andere Vereine, wenn du als Kollektiv guten Fussball zeigst.»
Ein kleiner Gruss an Schmid und Broschinski?
Für Omlin steht fest: Wer sich in ein Team einfügt, gewinnt auch als Einzelspieler: «Dann kannst du das nutzen, um keinen Transfer nach, ich sage jetzt mal Österreich oder in die 2. Bundesliga zu machen. Dann bist du interessant für die 1. Bundesliga, für Spanien oder die Premier League.»
Ein kleiner, feiner Gruss in Richtung zweier Ex-Spieler? In diesem Sommer ist Dominik Schmid (28) zu RB Salzburg nach Österreich gewechselt. Und Ein-Tore-Stürmer Moritz Broschinski (25) wurde soeben nach Karlsruhe verliehen – in die 2. Bundesliga …
Nach dem Auftritt am Donnerstag ist jedenfalls klar, warum ihn der FCB zurückgeholt hat, obwohl er zuvor in Deutschland ein Jahr lang ohne Spiel geblieben ist: Omlin soll dafür sorgen, dass in Basel nach einer komplett verpatzten Saison wieder eine Mannschaft auf dem Feld steht. Und nicht elf Einzelspieler.
Jonas Omlin macht den Eindruck, dass er diese Aufgabe angehen wird. Nicht nur, weil er sowieso gerne vorangeht. Sondern auch aus Eigennutz. Er hat neben dem Meistertitel ein zweites Ziel in Basel. Eines, das ihm fast noch wichtiger ist als der Pokal: «Ich will eine gute Zeit haben. Ich will mit Freude ins Training kommen. Ich will mit Leuten spielen, die auch Freude haben.»
Eine funktionierende Mannschaft, die Erfolge feiert, kann dabei nur helfen.
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