Nerven, Enten und Tränen
Die zwölf Super-League-Fragen vor dem Rückrundenstart

Zittern in Thun plötzlich die Füsse? Erlebt St. Gallen die grösste Party seit 26 Jahren? Lernt YB verteidigen? Macht Magnin den Celestini? Stolpert der FCZ über den nächsten Umbruch?
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Die einen wissen nicht, wie Abwehrarbeit geht. Die anderen finden das Tor nicht: Die Young Boys und der FC Basel müssen sich 2026 steigern, wollen sie Meister werden.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Darum gehts

  • Blick stellt die zwölf wichtigsten Fragen vor dem Rückrundenstart
  • Eine Frage zu jedem Klub für die zweite Hälfte
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Florian RazReporter Fussball
1

Thun: Wann beginnt das Füsschen zu zittern?

Wer nach 19 Spielen an der Tabellenspitze steht, kann das bis zur letzten Runde durchziehen. Das weiss auch Thuns Trainer Mauro Lustrinelli (49), der offen zugibt, dass er gerne um den Titel spielen würde. Aber ab wann beginnt das Kopfkino bei den Spielern – und behalten die Thuner ihre Nerven, wenn der Titel in die Nähe rückt? Der menschliche Geist kann tückisch sein. Das durfte der Kantonsrivale YB 2010 einmal feststellen, als er 13 Punkte Vorsprung auf Basel verspielte.

2

St. Gallen: Sind 26 Jahre Warten genug?

Blick hat Enrico Maassen (41) zu Saisonbeginn auf Rang drei der Trainer-Flugparade gesetzt. Inzwischen belehrt uns der Deutsche mit seinen vielen Landsmännern im Team eines Besseren und verlängert bis 2028. Ja, es besteht sogar die Chance, ganz Grosses zu schaffen und den ersten Meistertitel seit dem Jahr 2000 in die Ostschweiz zu holen. Eine Aussicht, die beflügeln kann. Basel hat einst von 1980 bis 2002 22 Jahre gewartet. YB von 1986 bis 2018 sogar deren 32. Die Meisterfeiern sind in beiden Städten bis heute Legende.

3

Lugano: Wer schlägt als Nächstes zu?

Renato Steffen und Antonios Papadopoulos im April. Jetzt Kevin Behrens gegen Georgios Koutsias in einem Testspiel. Bei den Tessinern geraten immer wieder mal Teamkollegen körperlich aneinander. Können die Luganesi diese Aggressivität in positive Energie umwandeln und schlagen im Meisterrennen zu? Oder schlägt die Stimmung bei sportlichem Misserfolg wieder auf dem Trainingsplatz um?

4

Basel: Macht Magnin den Celestini?

Muss zusammen mit seinem Captain Xherdan Shaqiri den Weg zum Erfolg finden: FCB-Trainer Ludovic Magnin.
Foto: Toto Marti

Acht Punkte Rückstand auf Thun? Alles kein Problem, versuchen Spieler und Trainer der Basler Öffentlichkeit weiszumachen: Die entscheidenden Spiele kommen ja erst noch. Letzte Saison hatten wir nach 19 Spielen sogar einen Punkt weniger – und wurden trotzdem Meister. Macht es Ludovic Magnin (46) also Vorgänger Fabio Celestini (50) nach, der mit einem Endspurt ein Double eingetütet hat? Wenn nicht, dürfte seine erste Saison in Basel auch Magnins letzte gewesen sein.

5

Young Boys: Weiss jemand, wie Verteidigen geht?

Zwei Gegentore kassieren die Berner pro Spiel. Zwei! Die Abwehr der Young Boys bleibt ein Rätsel, an dem letzte Saison schon Patrick Rahmen (56) verzweifelt ist. Inzwischen versucht sich mit Gerardo Seoane (47) der vierte Trainer daran, YB beizubringen, dass man offensiv guten Fussball spielen kann, ohne dabei die eigene Defensive zu entblössen. Scheitert auch er, kann sich Bern den Titel abschminken.

6

Sion: Macht Langeweile erfolgreich?

So richtig langweilig können die beiden vermutlich gar nicht: Christian Constantin, Präsident des FC Sion, mit seinem Sohn und Sportchef Barthélémy.
Foto: Claudio De Capitani

Er hat also wieder einen Klub gefunden, der gerne Geld verbrennt. Mario Balotelli (35) hat soeben einen Vertrag bei Al-Ittifaq in der zweiten Liga der Vereinigten Arabischen Emirate unterschrieben. Diese Phase hat der FC Sion offenbar hinter sich. Da ist kein Balotelli mehr, kein Rigobert Song, nicht einmal mehr einen Valon Behrami oder Anton Mirantschuk leisten sich die beiden Constantins. Keine Verrücktheiten, keine Extravaganzen. Stattdessen liefert das Team unter Trainer Didier Tholot (61) seriöse Arbeit ab. Langweilig – aber bislang erfolgreich.

7

Zürich: Wie teuer wird der nächste Umbruch?

Der FCZ unter Milos Malenovic (40) kurz zusammengefasst: Umbruch, Umbruch, Umbruch. Jetzt ist der Mann weg, der alles entscheiden wollte. Und schon folgt der nächste Umbruch. Kommt es gut, dann passt es jetzt menschlich in der Kabine besser und die Zürcher spielen sich mit ganz vielen Eigengewächsen in die Top 6. Oder die Canepas müssen als Klubbesitzer noch einmal in die eigene Tasche greifen, weil Europa erneut verpasst wird. Es geht schliesslich auch darum, den Klub für mögliche Nachfolger attraktiv zu machen.

8

Luzern: Ist Mario Frick eine lahme Ente?

«So viele Fehler wie wohl nie in meiner Karriere.» Mario Frick gibt sich extrem selbstkritisch.
Foto: keystone-sda.ch

Die Luzerner starten mit einer Hängepartie ins neue Jahr, weil die Zukunft von Trainer Mario Frick (51) ungewiss ist. Er selber gibt sich extrem selbstkritisch. «Ich habe im Herbst so viele Fehler gemacht wie wohl noch nie in meiner Karriere», sagt er im FCL-Talk der «Luzerner Zeitung». Aber eine «Lame Duck» will er nicht sein: «Das ist ja eine Bezeichnung für jemanden, der im Sommer sicher nicht mehr da ist. Und das ist bei uns überhaupt nicht so.» Aber ob ein Trainer, der vielleicht bleibt, vielleicht aber auch nicht, mehr Gewicht in der Kabine hat?

9

Lausanne: Reicht es für einen europäischen Final?

Von der Deutschschweiz fast unbemerkt haben die Waadtländer in der Conference League fleissig Punkte gesammelt und zuletzt gar die Fiorentina 1:0 geschlagen. Der Wettbewerb passt zu einem Team mit Talenten wie Stürmer Gaoussou Diakité (20), die Lausanne vor allem als Sprungbrett für höhere Aufgaben sehen. Die verbleibenden Gegner wirken alle nicht übermächtig. Warum also nicht den ganz grossen Sprung wagen? Klar scheint: Mit jedem Einsatz in der Conference League sinkt die Chance der Lausanner auf einen Platz in den Top 6 der Super League.

10

Servette: Weiss dieses Team, dass es absteigen kann?

Natürlich hat dieses Servette eigentlich viel zu viel Talent, um etwas mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Dieser Vorteil wird aber zum Problem, wenn die Spieler selbst das auch so sehen. Der Start ins neue Jahr mit einer schwachsinnigen Gelb-Roten Karte für eine Schwalbe und einem lahmen 0:1 gegen Lausanne erweckt zumindest nicht den Eindruck, als ob dieses Team bereits ums Überleben kämpfen würde. Fallen die Genfer so noch in die Barrage, könnte das Erwachen schmerzhaft werden.

11

Grasshoppers: Fittestes oder verletztestes Team der Liga?

Rennen, bis es dampft: GC-Captain Amir Abrashi im Wintertraining.
Foto: keystone-sda.ch

Seit Gerald Scheiblehner (48) auf dem GC-Campus das Sagen hat, kursieren wilde Erzählungen über die unerhörte Intensität der Trainingseinheiten und der Matches. «Wir brauchen Spieler, die das aushalten», sagt Sportchef Alain Sutter im Interview. Heisst: Entweder rennen die Grasshoppers als fittestes Team der Rückrunde die Gegner in Grund und Boden. Oder sie häufen die meisten Muskelverletzungen der Liga an.

12

Winterthur: Muss die Liga Abschied nehmen?

Fast alle mögen den FC Winterthur! Weil er so nett ist. Das Stadion – nostalgisch und immer ausverkauft. Und die Sirupkurve – so herzig. Die Winterthurer haben ihre Rolle als gallisches Dorf der Liga wunderbar gespielt. Aber es braucht eine Menge Zaubertrank, um in den letzten 19 Spielen noch einmal ein Wunder zu vollbringen. Sonst heisst es für die Winterthurer und die Konkurrenz: Mit einer Träne im Knopfloch geniessen, so lange es noch geht.

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
19
16
40
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
19
16
37
3
FC Lugano
FC Lugano
19
5
33
4
FC Basel
FC Basel
19
8
32
5
FC Sion
FC Sion
19
6
30
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
19
0
29
7
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
19
1
24
8
FC Zürich
FC Zürich
19
-7
24
9
FC Luzern
FC Luzern
19
0
21
10
Servette FC
Servette FC
19
-7
20
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
19
-9
17
12
FC Winterthur
FC Winterthur
19
-29
10
Meisterschaftsrunde
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