Blick hat einen Abend lang mitgehört
«Das war fünfte Liga!» Wie Schiri, VAR und Spieler miteinander reden

Für ein Spiel erleben die Medien mit, wie die Kommunikation zwischen Schiedsrichtern und Video-Assistenten funktioniert. Das Gehörte ist überraschend unterhaltsam.
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«Bist du der Captain? Ich rede nur mit dem Captain!» Schiedsrichter Sandro Schärer lässt sich nicht auf Diskussionen mit protestierenden Genfern ein.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

Darum gehts

  • VAR-System im Fokus: Servette-Lausanne-Spiel zeigt Schiedsrichter und Video-Assistenten in Aktion
  • 75 VAR-Interventionen in der Saison; 72 Entscheidungen wurden korrigiert
  • VAR kostet die Liga jährlich zwischen 700’000 und 900’000 Franken
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Florian RazReporter Fussball

«Das hier ist professioneller Fussball! Das war fünfte Liga! Du kannst mit deinem Spieler reden. Nicht mit mir!» Nein, Sandro Schärer (37) hat keine Lust, über die Gelb-Rote Karte zu diskutieren, die er gerade dem Servette-Teenie Mardochée Miguel (18) gezeigt hat. Für ihn ist klar: « Schwalbe!» In Volketswil ZH geht Video-Assistent Sven Wolfensberger (36) mit ihm einig. Auch wenn er in diesem Fall gar nicht hätte eingreifen dürfen.

Für einen Abend sind beim Spiel Servette gegen Lausanne alle Linien für die Medien geöffnet. Sascha Amhof (45) als Präsident der Schiedsrichterkommission des Schweizerischen Fussballverbandes und Daniel Wermelinger (54) als Chef der Spitzenschiedsrichter haben eingeladen. Sie wollen zeigen, wie das Zusammenspiel zwischen den beiden Video-Assistenten (VAR) in Volketswil und dem Quartett im Stadion funktioniert.

Krasse Fehlentscheide in der Vorrunde

Zwischen 700’000 und 900’000 Franken kostet der VAR die Liga pro Saison. Für dieses Geld ist in der ersten Saisonhälfte einiges falsch gelaufen, gibt Wermelinger zu. Er erwähnt das übersehene Abseits von Xherdan Shaqiri, das Basel einen Sieg gegen die Young Boys geschenkt hat. Oder ein Stossen gegen den Sittener Numa Lavanchy in Thun, das mit Rot und Penalty bestraft gehört hätte: «Das genügt unseren Ansprüchen nicht.» Er hätte auch noch YB gegen GC anführen können, als Fans und Spieler insgesamt 15 Minuten lang auf die Entscheidungen des VAR warten mussten.

Nun wollen die Schiri-Bosse zeigen, was ihre Schiedsrichter im Wintertraining gelernt haben. Zwei Dinge sind Amhof besonders wichtig. Dass sich die Video-Assistenten bei ihren Eingriffen an klare Richtlinien halten. Und dass sich die Leute auf dem Feld und vor den Bildschirmen klarer absprechen: «Kein Blabla, nur Fakten!» Amhof sagt es auf Englisch. So, wie an diesem Abend zwischen den Spielleitern praktisch nur Englisch gesprochen wird.

Schnell wird klar, dass Amhof entweder ein sehr guter Lehrer ist. Oder dass Schärer nicht zufälligerweise als bester Schweizer Schiedsrichter gilt. Gesprochen wird zwischen Genf und Volketswil sehr wenig. Bloss in der 11. Minute ruft Schärer nach Hilfe. Ein mögliches Handspiel: «I didn’t see.» Seine Sicht war verdeckt. In Volketswil werden die Bilder zurückgespult. Schnell meldet Wolfensberger: normale Körperhaltung, kein Penalty: «Check complete!»

Es ist eine Art Code, den die Spielleiter untereinander nutzen. Kurze Stichwörter, meist zwischen Schärer und seinen Linienrichtern. «Touch», wenn ein weit geschlagener Ball verlängert wird. «Delay», wenn der Assistent ein Abseits gesehen haben will, die Aktion aber erst einmal laufen lässt.

Zeigen, wer der Chef auf dem Platz ist

Währenddessen murmelt Video-Assistent Wolfensberger die Szenen mit, die er auf einem Schirm live und auf vier weiteren mit drei Sekunden Verzögerung schaut. «Possible Offside», mögliches Abseits, bei fast jedem Pass nach vorne. «Possible Foul», wenn ein Zweikampf etwas härter geführt wird. Er merkt sich so Szenen, die er prüfen müsste, sollte gleich ein Tor fallen oder ein Penalty gepfiffen werden.

Schiri Schärer gibt von Anfang an durch, wer der Chef auf dem Feld ist. Keine zwei Minuten sind gespielt, als er Genfs Captain Steve Rouiller (35) anweist, Mitspieler Anthony Baron (33) die Spielregeln zu erklären: «Er hält jetzt das zweite Mal. Im Strafraum ist das ein Problem. Rede mit ihm! Manage es!»

«Froh, einen fehlerlosen Schiedsrichter zu zeigen»

75-mal haben Video-Assistenten in dieser Saison in der Super League schon interveniert. 72-mal wurde ein Entscheid korrigiert. In Genf aber zeigt sich, dass der VAR den Schiedsrichter auch stützen kann. Als Schärer Lausanne keinen Penalty gibt, bestätigt Wolfensberger rasch. «Oli, der Check ist durch!», kann Schärer so wenige Sekunden später Lausannes Captain Olivier Custodio (30) zurufen. Damit sind alle Proteste beendet.

Am Ende gewinnt Lausanne ein lahmes Léman-Derby 1:0. Bester und unterhaltsamster Mann auf dem Platz ist Schiedsrichter Schärer mit seinen knallharten Ansagen an die Spieler. Sein Boss Wermelinger sagt den Journalisten: «Ich bin froh, konnten wir euch einen fehlerlosen Schiedsrichter zeigen.» Er weiss, es kommen wieder andere Spiele.

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Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
19
16
40
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
19
16
37
3
FC Lugano
FC Lugano
19
5
33
4
FC Basel
FC Basel
19
8
32
5
FC Sion
FC Sion
19
6
30
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
19
0
29
7
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
19
1
24
8
FC Zürich
FC Zürich
19
-7
24
9
FC Luzern
FC Luzern
19
0
21
10
Servette FC
Servette FC
19
-7
20
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
19
-9
17
12
FC Winterthur
FC Winterthur
19
-29
10
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