Nach viereinhalb Jahren in Luzern ist Schluss
Trotz positiven Aspekten – ein Frick-Makel bleibt

Jetzt ist klar: Mario Frick wird die Luzerner verlassen. Der Liechtensteiner prägte den FCL, doch die ganz grosse Krönung blieb aus. Eine Analyse.
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Carlo Emanuele FrezzaReporter Fussball

Nach viereinhalb Jahren ist Schluss: Der FC Luzern und Mario Frick (51) gehen im Sommer getrennte Wege. Der Klub gab am Freitag bekannt, dass der auslaufende Vertrag nicht verlängert wird. Damit endet in der Zentralschweiz eine Ära. Nur Meistertrainer Friedel Rausch (†77; 292 Spiele) stand bei mehr FCL-Partien an der Seitenlinie als der Liechtensteiner, der am Ende auf 188 Einsätze kommt.

Mit Frick verliert der FC Luzern einen Trainer, der die Klubphilosophie von Beginn an verinnerlichte und lebte – unvergessen etwa sein Siegesjubel im St. Galler Kybunpark.

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Mario Fricks Jubel in St. Gallen wird in Luzern unvergessen bleiben.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Begonnen hat alles im Dezember 2021, als Sportchef Remo Meyer (45) ihn vom FC Vaduz verpflichtete. Damals wechselte Frick vom Tabellenführer der Challenge League zum Schlusslicht der Super League.

Mutiger Sprung ins Haifischbecken

Vom sicheren Hafen wagte er den Sprung ins Haifischbecken Luzern, wie es Alex Frei einst nannte. Das sagt viel über Fricks Charakter aus: Er scheut auch unbequeme Wege nicht. Anders gesagt: Wenn er von etwas überzeugt ist, zieht er es kompromisslos durch – so war er als Spieler, so ist er als Trainer. Frick wusste schon immer, wie man aneckt. Das bewies er auch in Luzern, als er schon früh klarmachte, dass der FCL für ihn eine Zwischenstation zu einer höheren Aufgabe sei. Einige hielten das für arrogant – ihn störte es nicht. Denn er war stets mit Herz und Leidenschaft in der Zentralschweiz dabei.

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Frick führte den FCL nicht nur über die Barrage zum Klassenerhalt – es blieb das einzige Mal, dass der Klub unter ihm in Abstiegsgefahr geriet. In den Jahren danach stabilisierte er die Mannschaft im Mittelfeld. Das mag unspektakulär klingen, ist angesichts eines begrenzten Budgets und des langwierigen Aktionärsstreits im Hintergrund aber alles andere als selbstverständlich.

Mutiger Fussball und ein Auge für Talente

In Erinnerung bleiben wird Fricks Zeit in Luzern vor allem aus zwei Gründen: wegen seines mutigen Fussballs und wegen seiner Arbeit mit jungen Spielern. Zwar setzte er meist auf die auf dem Papier öde 4-4-2-Raute, doch sein Team stand selten für Langeweile. Im Gegenteil: Luzern gehörte unter ihm offensiv regelmässig zu den attraktivsten Mannschaften der Liga – auf Kosten der Defensive, die sehr viel zuliess.

Noch prägender aber ist Fricks Einfluss auf den Nachwuchs. Frick machte Luzern zu einer angesehenen Plattform für junge Spieler und schenkte 21 Eigengewächsen das Profidebüt. Eine seiner ersten Entdeckungen war Ardon Jashari (23): Frick erkannte dessen Potenzial in seinen ersten Einheiten und machte ihn bald zum Captain. Zweieinhalb Jahre später wurde Jashari zum Luzerner Rekordtransfer – dringend benötigtes Geld für den finanziell klammen Klub.

Die Krönung bleibt aus

Vor und nach Jashari lancierte Frick zahlreiche weitere Talente wie Luca Jaquez (22), Pascal Loretz (22), Lars Villiger (22), Lucas Ferreira (19) oder Andrej Vasovic (18). Doch nicht nur Eigengewächse entwickelten sich unter ihm weiter: Man denke an einen Leihspieler wie Aleksandar Stankovic (20), der sich zu einem der begehrtesten Mittelfeld-Talente in Europa mauserte.

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Trotz all dieser positiven Aspekte bleibt ein Makel: die fehlende Krönung. In entscheidenden Momenten fehlte Fricks Team oft die letzte Konsequenz. Das zeigt sich sowohl in der Liga – etwa in Spielen, in denen man die Tabellenführung hätte übernehmen können – als auch im Cup. Dort blieb Frick hinter den Erwartungen: Abgesehen von seiner ersten Saison kam Luzern nie über den Viertelfinal hinaus und scheiterte wiederholt an unterklassigen Gegnern wie Delémont, Thun, Aarau oder zuletzt SLO.

Nächste Station unbekannt

Bei seiner nächsten Station wird Frick beweisen müssen, dass er auch K.o.-Spiele erfolgreich gestalten kann. Wohin es ihn zieht, ist offen. Eine Pause einzulegen, kommt für ihn aber nicht infrage. Deutschland reizt ihn, in Italien ist er seit seiner Spielerzeit in der Serie A ein Begriff. Das zeigt ein Beispiel aus dem letzten Sommer, als er in Gesprächen mit Aufsteiger Pisa war. Rückblickend dürfte Frick froh sein, noch ein Jahr in Luzern geblieben zu sein. Er erlebte erstmals eine echte Krise – und fand den Weg wieder heraus.

Nun sind sowohl Klub als auch Trainer zum Schluss gekommen, dass der richtige Zeitpunkt für eine Trennung gekommen ist. Frick verlässt Luzern als Trainer, der Klartext spricht, sehr gerne die Gegner lobt – und dabei stets für Unterhaltung sorgt. Sein Nachfolger tritt in grosse Fussstapfen, findet aber insbesondere dank der starken Nachwuchsarbeit ein stabiles Fundament vor. Nun liegt es an Sportchef Meyer, die passende Lösung zu finden.

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
31
37
71
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
31
23
56
3
FC Basel
FC Basel
31
8
52
4
FC Lugano
FC Lugano
31
10
51
5
FC Sion
FC Sion
31
9
46
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
31
5
46
7
FC Luzern
FC Luzern
31
6
39
8
Servette FC
Servette FC
31
-3
36
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
31
-8
36
10
FC Zürich
FC Zürich
31
-16
34
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
31
-23
24
12
FC Winterthur
FC Winterthur
31
-48
19
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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