Marco Streller (44) und Andrin Hunziker (23) müssen Brüder im Geiste sein. Beide sind seit ihrer Kindheit wandelnde Riesen und nur sechs Kilometer voneinander entfernt im Baselbiet daheim. Streller stammt aus Arlesheim, Hunziker aus Therwil. Beide tragen, seit sie denken können, ein rot-blaues Herz in ihrer Brust, sie sind nur knapp 20 Minuten vom Joggeli entfernt aufgewachsen. Beide sind Vollblutstürmer.
Als Hunziker mit 19 vom FCB zum FC Aarau ausgeliehen wird, arbeitet er nebenbei auf der Geschäftsstelle des Vereins – und findet in Streller einen wahren Mentor. «Marco hat mir wertvolle Tipps gegeben. Heute haben viele Nachwuchsspieler das Gefühl, sie müssten mit 18 schon Champions League spielen. Aber er war in meinem Alter ebenfalls Leihspieler, beim FC Thun. Er hat mir gesagt, ich solle mich nicht stressen lassen. Dass es manchmal einen Umweg brauche, um ans Ziel zu kommen. Das war ziemlich cool und hat mir Mut gemacht.»
Hunziker lässt sich nicht stressen
Vier Jahre später ist Hunziker vom FCB an den FCW ausgeliehen. Stressen lässt er sich deswegen aber noch immer nicht. Trotz seiner mittlerweile 23 Jahre. «Als Mittelstürmer spielt das Alter keine entscheidende Rolle. Ich komme nicht über die Schnelligkeit, sondern über den Abschluss, über die Präsenz in der Box. Ich kann auch mit 30 oder mit 35 noch ein guter Stürmer sein», sagt Hunziker.
Im Winter hätten die Basler ihren Leihspieler gern zurück ins Joggeli geholt. Weil es die FCB-Verantwortlichen aber versäumten, eine entsprechende Klausel im Vertrag zu verankern, wurde die geplante Aktion zum Rohrkrepierer. Dass Winti im Abstiegskampf nicht freiwillig auf seinen besten Stürmer verzichten kann, leuchtet Hunziker ein. Auch wenn er gern zu seiner grossen Liebe zurückgekehrt wäre. «Ich bin niemandem böse und bin mehr als glücklich hier in Winterthur. Es ist ein spezieller Verein, mit einer speziellen Atmosphäre. Auch wenn ich in der Rückrunde beim FCB wohl Spielzeit bekommen hätte, habe ich im Abstiegskampf eine Verantwortung gegenüber dem FCW», sagt Hunziker. Dass nun mit Giacomo Koloto ein 18-jähriges Eigengewächs im Sturm der Bebbi gesetzt ist, gehört zur Ironie der Geschichte. Und es zeigt, wie schnell es im Fussball manchmal gehen kann.
Verletzungspech bremst Hunziker aus
Auch Hunziker war einst sehr nah dran, sich in der ersten Mannschaft des FCB zu etablieren. Im August 2023 erzielte er gegen Lausanne sein erstes Super-League-Tor, drei Tage später riss er sich im Training das Kreuzband. «Bitter» sei das gewesen, so Hunziker. «Pech!» Wer weiss, wo er jetzt stehen würde, hätte ihm die Verletzungshexe damals keinen Streich gespielt. Via Karlsruhe landet Hunziker im Sommer auf der Schützenwiese. Dort hat er sich mit neun Toren und vier Assists zum mit Abstand besten Basler Stürmer der Super League gemausert. Albian Ajeti, Moritz Broschinski und Giacomo Koloto kommen zusammen auf mickrige sechs Super-League-Treffer.
Für Mentor Streller ist die Topquote keine Überraschung: «Andrin hat eine super Entwicklung durchgemacht. Er ist endlich verletzungsfrei und hat mit Patrick Rahmen einen Trainer, der voll auf ihn setzt und der selbst Stürmer war.» Dass Hunziker in einem Verein spiele, wo Ruhe herrsche, sei ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Vorteil, so Streller: «Hier kann er eine Führungsrolle übernehmen und spielt jedes Spiel. Besser könnte es für ihn nicht sein. Es ist wichtig, dass er spielt, dass er Tore schiesst.»
Beim FCB hat Hunziker noch einen Vertrag bis Juni 2027. Für Streller steht fest, dass der Stürmer das Potenzial hat, sich bei seinem Herzensklub festzubeissen. «Andrin hat physisch zugelegt, schiesst Tore, hält die Bälle gut, hat sich als Super-League-Stürmer etabliert. Ich traue ihm den Schritt zurück zum FCB zu. Er hat ein saugrosses Potenzial. Wichtig ist, dass er die Saison gesund zu Ende bringt.»
Gedanken ans letzte Duell gegen Basel
Am Sonntag trifft Hunziker auf der Schützenwiese auf seinen FCB. Beim letzten Duell traf er zum zwischenzeitlichen Ausgleich, musste am Ende aber mit ansehen, wie die Basler in letzter Sekunde den Siegtreffer erzielten. Ärgern tut ihn das heute noch. «Weil ich mit drei Toren aus diesem Spiel hätte herauslaufen müssen», sagt Hunziker, der in der Startphase mehrere Topchancen liegen liess.
Als es dann doch noch klappte mit dem Tor gegen seine grosse Liebe, hielt sich Hunziker beide Hände an die Ohren. Zu hoch hängen will er den Jubel aber nicht: «Es war ein bisschen ein Zeichen, dass ich jetzt hier spiele und nicht beim FCB.»
Das wird bis spätestens im Sommer so bleiben. Trifft er weiter wie bisher, dann kommen die Basler wohl nicht drum herum, ihrem Eigengewächs eine echte Chance zu geben. So wie damals bei Streller, der nach seiner Rückkehr aus Thun im Joggeli zum Stammspieler und Jahre später zu einem der grössten Spieler der Vereinsgeschichte wurde.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Lugano | 30 | 10 | 50 | |
4 | FC Basel | 30 | 6 | 49 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 30 | 5 | 45 | |
7 | FC Luzern | 30 | 2 | 36 | |
8 | Servette FC | 31 | -3 | 36 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 30 | -4 | 36 | |
10 | FC Zürich | 31 | -16 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 31 | -23 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 30 | -46 | 19 |


