«Ich wollte nicht über ihnen stehen»
2:33
Stocker über neue FCB-Rolle:«Ich wollte nicht über ihnen stehen»

FCB-Legende packt an
Darum gibt Valentin Stocker nun doch den Chef

Den Sportchef-Posten hat er mehrfach abgelehnt. Jetzt folgt Valentin Stocker doch dem Ruf der Pflicht. Ihm zur Seite steht ein Mann mit Erfahrung bei Manchester United. Vor ihm die vielleicht grösste Herausforderung seiner Karriere.
Kommentieren
1/6
Valentin Stocker trägt vorerst den Titel «Sportlicher Leiter». Wie lange? Das bleibt offen.
Foto: Philipp Kresnik/freshfocus

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • FC Basel stellt seine sportliche Führung vor: Valentin Stocker und Andreas Herrmann
  • Stocker übernimmt Leitung interimistisch, Herrmann bringt Manchester-United-Erfahrung mit
  • FCB plant Kaderumbruch, Dominik Schmid vor Wechsel nach Salzburg, Shaqiri-Verhandlungen laufen
Florian_Raz_Fussball-Reporter_Ringier_1-Bearbeitet.jpg
Florian RazReporter Fussball

So sieht sie also aus: die neue Doppelspitze in der sportlichen Führung des FC Basel. Hier Valentin Stocker (37), Klublegende, 416 Matches in Rotblau, 230 Skorerpunkte, 10 Titel. Da Andreas Herrmann (34), der als junger Fussball-Nerd zunächst einmal drei Jahre lang gratis für Manchester United gearbeitet hat, um an seinen ersten Job im Profifussball zu kommen.

Unterschiedlicher könnten ihre Wege kaum sein. Und doch sind sie jetzt gemeinsam verantwortlich dafür, dass der FCB nicht noch einmal eine Katastrophensaison wie zuletzt hinlegt.

Stocker wollte nie alleiniger Sportchef werden

Für den Frankfurter Herrmann ist es der nächste Karriereschritt, nachdem er bei United zuletzt Head of Emerging Talent war. Stocker dagegen ist dem Ruf der Pflicht gefolgt. Auf den Titel Sportchef hat er mehrfach dankend verzichtet. Weil er einfach nicht glaubt, dass eine Person alleine das leisten kann, was ein Klub von der Grösse des FCB braucht.

Aber als erst Sportdirektor Daniel Stucki (44) seinen Rücktritt bekannt gab und dann auch noch Chefscout Ruedi Zbinden (76), spürte Stocker: «Ich bin derjenige, der dem FC Basel in diesem Moment helfen kann.» Also ist er wenigstens Sportlicher Leiter geworden. Vorerst. «Kommissarisch» steht vor seinem Titel.

Wobei es vielleicht schon noch sein könnte, dass es ihm den Ärmel ganz reinzieht «Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spass macht», sagt er nach knapp zwei Wochen Arbeit. So lange er im Amt ist, wird Stocker zwangsläufig das öffentliche Gesicht der sportlichen Führung sein. Daran führt bei seinem Bekanntheitsgrad kein Weg vorbei.

Auch seine Rolle innerhalb des Vereins deutet in diese Richtung. Weil Stocker derjenige ist, der im engen Kontakt mit Trainer Stephan Lichtsteiner (42) steht und in der Nähe der Mannschaft. Herrmann dagegen ist eher für das Aufgleisen der Transfers zuständig.

Profitiert der FCB vom Manchester-Wissen?

Und da könnte der FCB vom Know-How von Manchester United profitieren. Schliesslich war Herrmann im Nordengland dafür zuständig, junge Spieler mit hohem Entwicklungspotenzial ausfindig zu machen. «Wir fischen in ähnlichen Bereichen», sagt Hermann über den FCB und United: «Es könnte durchaus sein, dass wir einen Spieler holen, den wir mal bei Manchester auf dem Schirm hatten.»

Ohnehin wird Stocker und Herrmann die Arbeit nicht ausgehen. Demnächst ist der Abgang von Dominik Schmid (28) nach Salzburg zu erwarten. Und nicht zuletzt hat FCB-Präsident David Degen (43) einen Kaderumbruch im Sommer angekündigt. Auch wenn Herrmann findet: «Grosse Teile des Teams wurden Double-Sieger. Wir müssen keine Rundum-Erneuerung vollführen.»

Womit genau der Punkt erreicht ist, an dem die derzeit herrschende Harmonie beim FCB eher früher als später auf die Probe gestellt werden dürfte: beim Umgang mit den Wünschen des Präsidenten. Stucki scheute sich nicht vor dem manchmal auch lauten Konflikt. Ihm gelang es mit seiner standhaften Art zumindest ab und zu, Degens in alle Richtungen fliessende Energie zu erden.

Wer übernimmt Stuckis Rolle bei Konflikten?

Wer übernimmt also künftig die Aufgabe als Knautschzone zwischen Präsident und Mannschaft? Unklar. Stocker sagt dazu bloss: «Ich habe nicht den Anspruch mit David zu streiten. Ich habe einen sehr guten Umgang mit ihm. Mal sehen, was die Zukunft bringt.»

Es ist zu vermuten, dass die Arbeit im Dreieck zwischen Trainer, Spielern und dem Präsidenten zu Stockers grösster Herausforderung in seiner bisherigen Karriere wird.

Was die Zukunft sicher bringt, sind viele Entscheidungen, die gefällt werden müssen. Zum Beispiel, wie es mit Xherdan Shaqiri (34) weitergehen soll, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft? Die Gespräche mit dem Team Shaqiri laufen.

Aber was will der Star des derzeitigen Kaders genau? Möchte er noch ein Jahr anhängen? «Er will einfach nur gute Spieler haben neben sich», sagt Andreas Herrmann. Und weiss in dem Moment, dass er genau dafür verantwortlich ist, diese Spieler nach Basel zu holen.

In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen