Der Ball ist an seinen Händen, dann liegt er im Netz. Als Uran Bislimi (27) am Sonntag aus der Distanz abzieht, kann Niklas Steffen (25) den Schuss nur ins eigene Tor lenken. Das 2:1 kurz nach der Pause bringt Lugano beim späteren 3:2-Sieg in Thun auf Kurs. Und den Meistergoalie stärker in den Fokus.
Denn der Fehlgriff passt zu Steffens Saison. Die Statistik ist nach elf Runden brutal: Laut dem Blick-Datenlieferanten kassiert Steffen pro Spiel knapp ein halbes Tor mehr, als es von einem durchschnittlichen Goalie erwartet würde. Selbst der Vorletzte, Basels Mirko Salvi (32), steht mit minus 0,10 deutlich besser da.
Bester in der Tabelle ist Luzerns Karlo Letica (26), der pro Spiel 0,4 Tore mehr verhindert, als aufgrund der gegnerischen Abschlüsse zu erwarten wäre. Hinter Letica kommen Luganos David von Ballmoos (31) mit plus 0,33 und GC-Goalie Marvin Hübel (23) mit plus 0,29.
Steffens minus 0,48 heisst somit: Pro 90 Minuten verhindert er fast ein Tor weniger als Luzern-Keeper Letica.
Vor kurzem gehörte Steffen noch zu den besten der Liga
Wie anders sah das im Frühling aus! In der Meistersaison 2025/26 stand Steffen in 36 von 38 Ligaspielen im Einsatz. Seine Bilanz: plus 0,25 pro 90 Minuten, Rang zwei hinter St. Gallens Lawrence Ati-Zigi (29) mit plus 0,29. Nun fehlt Thun genau dieser Rückhalt.
Über seine grundsätzliche Klasse sagen elf Runden zwar wenig aus, doch der Negativ-Trend ist Tatsache. Eine Mitschuld an den schwachen Thuner Resultaten hat aber natürlich auch die Verteidigung.
Den Luganesi genügt am Sonntagnachmittag zweimal ein langer Ball, um die Abwehr auszuhebeln. Vor dem 0:1 lässt sich Nicolas Bürgy (31) von Dereck Moncada (18) abschütteln. Vor dem 1:3 schlägt er nach einem Zuspiel von Lukas Mai über den Ball. Albian Ajeti (29) kann alleine auf Steffen losziehen und trifft.
Die Szenen zeigen Thuns Dilemma: Die Verteidiger bringen ihren Goalie mit Fehlern in Bedrängnis und Steffen wiederum gelingt es derzeit zu selten, die Mannschaft mit einer Parade aufzufangen. So fehlt dem Meister hinten die Absicherung in beide Richtungen.
Trainer Gian-Luca Privitelli (48) sieht das aber pragmatisch: «Ja, die drei Gegentore fallen ein bisschen zu einfach», sagt er und fügt dazu an: «Das gibt es halt einfach im Fussball.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 11 | 25 | 31 | |
2 | BSC Young Boys | 11 | 17 | 25 | |
3 | FC Sion | 11 | 7 | 22 | |
4 | FC Zürich | 11 | -3 | 17 | |
5 | Servette FC | 11 | 2 | 16 | |
6 | FC St. Gallen | 11 | -4 | 16 | |
7 | FC Basel | 11 | -3 | 14 | |
8 | FC Luzern | 11 | -6 | 12 | |
9 | FC Thun | 11 | -11 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 11 | -1 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 11 | -13 | 9 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 11 | -10 | 6 |