Meistermacher Albrecht über Thun-Abgang und seine Rückkehr
«Ich schaute keine Thun-Spiele mehr»

Dominik Albrecht (41) führte den FC Thun als Sportchef aus der Challenge League bis zum Meistertitel. Kurz darauf trat er Knall auf Fall zurück. Nun spricht er mit Blick über seine Auszeit und seine Rückkehr in neuer Rolle.
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4. August 2026: Meister-Sportchef Dominik Albrecht verlässt den FC Thun völlig überraschend und per sofort.
Foto: Benjamin Soland

Darum gehts

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Benjamin GwerderRedaktor Sport

Blick: Herr Albrecht, im August traten Sie als Thun-Sportchef zurück. Was wäre passiert, wenn Sie weitergemacht hätten?

Dominik Albrecht: Ich glaube, dass ich irgendwann gesagt hätte: «Ich will vom Fussball nichts mehr wissen.» Und dann wäre ich auch nicht mehr zurückgekehrt.

Was führte letztendlich zu Ihrem Entscheid, der für die Öffentlichkeit sehr überraschend kam?

Wir haben bereits vor über einem Jahr mit dem Prozess meiner Nachfolgelösung begonnen. Mit diesem Hintergrund haben wir im Sommer ja auch Simone Rapp als Kaderplaner engagiert. Es kamen dann verschiedene Faktoren zusammen, die letztlich dazu geführt haben, dass ich sofort und früher als geplant aufhörte: Die Sommerferien waren vorbei und ich hatte meine Kinder einmal mehr kaum gesehen. Gleichzeitig begann auch meine Frau wieder zu arbeiten. Zudem wusste ich, dass ich mit den internationalen Spielen erneut viel unterwegs sein würde. Doch auch gewisse Mechanismen im Fussballgeschäft, vor allem im Umgang mit Spielerberatern, störten mich zunehmend. Ich verspürte nach fünfeinhalb Jahren als Sportchef eine Art Sättigung und war zunehmend gereizt. Ich merkte, dass das nicht mehr zielführend war und ich Abstand brauchte.

Dominik Albrecht persönlich

Der 41-Jährige ist Vater von drei Töchtern und lebt mit seiner Familie im Berner Oberland. Er spielte einst Unihockey für Floorball Köniz in der höchsten Schweizer Liga. 2011 kam er nach einer Blindbewerbung zum FC Thun, wo zuerst er als Sportkoordinator und Assistent des damaligen Sportchefs Andres Gerber arbeitete. 2020 stieg er selbst zum Sportchef auf.

Der 41-Jährige ist Vater von drei Töchtern und lebt mit seiner Familie im Berner Oberland. Er spielte einst Unihockey für Floorball Köniz in der höchsten Schweizer Liga. 2011 kam er nach einer Blindbewerbung zum FC Thun, wo zuerst er als Sportkoordinator und Assistent des damaligen Sportchefs Andres Gerber arbeitete. 2020 stieg er selbst zum Sportchef auf.

Wie stark beanspruchte Sie der Job damals?

Wenn ich abends nach Hause kam, winkte ich manchmal von draussen den Kindern zu und telefonierte dann doch noch zwei Stunden, bevor ich überhaupt ins Haus ging. Ich musste meine Kinder beim ins Bett bringen immer wieder hetzen, weil noch Telefonate anstanden. Als Sportchef steckst du ständig im Hamsterrad des Tagesgeschäfts. Du hast kaum Zeit, dich einmal in Ruhe hinzusetzen und über andere Themen nachzudenken.

In seiner neuen Position als Geschäftsführer Sport kann sich Albrecht die Zeit mit seiner Familie besser einplanen.
Foto: Pius Koller

Einer, der von Ihrem Rücktritt auch überrascht wurde, ist Trainer Gian-Luca Privitelli. Sie hatten ihn kurz zuvor verpflichtet.

Das tat mir leid für ihn. Ich wusste, dass mein Abgang Konsequenzen hat und ein Vakuum entsteht. Trotzdem hatte ich kein schlechtes Gewissen. Ich musste für mich diesen Entscheid treffen. Gleichzeitig traute ich Simone Rapp diesen Schritt bereits zu und wusste, dass Andres Gerber näher an die Mannschaft rückt und ihn unterstützt.

Auch Meistertrainer Mauro Lustrinelli verliess den Klub im Sommer. Wie viel Kontakt haben Sie noch zu ihm?

Seit seiner Verabschiedung hatten wir keinen Kontakt, aber wir haben uns vor ein paar Tagen kurz gesehen, weil er gerade in der Region war. Ich wollte während meiner Auszeit wenig vom Fussball wissen und die Zeit mit der Familie geniessen. Mauro seinerseits war nach seinem Wechsel in die Bundesliga ebenfalls sehr beschäftigt. Das ist Teil des Fussballs: Man arbeitet intensiv zusammen und baut ein fast familiäres Vertrauensverhältnis auf. Dann geht jeder seinen Weg. Wenn man sich wiedersieht, schwelgt man zusammen in Erinnerungen.

«Das tat mir leid für ihn»: Albrecht ging kurz nach der Einstellung von Privitelli in seine Auszeit.
Foto: Claudio De Capitani/freshfocus

Sie verfolgten den FC Thun in Ihrer Auszeit zunächst weiter. Weshalb hörten Sie damit auf?

Ich fieberte zunächst vor dem TV weiter voll mit, meine Familie auch. Sie war ja immer Teil des Ganzen. Ich merkte jedoch, dass ich so nicht abschalten konnte und Distanz brauche. Deshalb schaute ich mir eine Zeit lang keine Spiele mehr an. Später konnte ich wieder zuschauen, ohne danach noch mehrere Stunden darüber nachzugrübeln. Und ich konnte auch einmal ein Spiel auslassen, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.

«
Ich will definitiv nicht mehr zurück.
Dominik Albrecht über seinen alten Posten als Sportchef.
»

Wie verbrachten Sie die gewonnene Zeit?

Ich war während der Auszeit Hausmann und kümmerte mich um unsere drei Kinder: bringen, abholen, Brei machen, kochen, einkaufen und so weiter. Es war wunderschön, diese Zeit mit der Familie zu haben. Gleichzeitig konnte ich beobachten, was der Abstand mit mir macht, und mir überlegen, wo ich meine Zukunft sehe.

Mit Floorball Köniz spielte Albrecht zwei Jahre lang in der höchsten Schweizer Unihockey-Liga.
Foto: Keystone

War eine Rückkehr zum FC Thun immer der Plan?

Sie war angedacht, aber für mich keineswegs sicher. Ich wollte herausfinden, wie sich der Abstand anfühlt. Mit Andres Gerber hatte ich bewusst zwei Monate lang fast keinen Kontakt. Ich hielt mir auch offen, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Es gab auch Möglichkeiten im Fussball und anderen Sportarten. Aber für mich war klar: Wenn ich im Sport bleibe, kommt für mich nur der FC Thun infrage.

Seit dem 20. Oktober sind Sie als Geschäftsleiter Sport zurück. Was ist heute anders?

Ich habe mehr Distanz zum Tagesgeschäft und kann übergeordnete Themen mehr in Ruhe angehen: etwa die Sportstrategie, das Scouting, die Schnittstellen zum Nachwuchs und Frauenfussball, infrastrukturelle Themen sowie Prozessoptimierungen. Meine Tage sind weiterhin gefüllt, aber ich kann sie besser einteilen und habe am Abend mehr Zeit für die Familie – es ist ausbalancierter.

Wer entscheidet nun über Transfers: Sie oder Ihr Nachfolger Simone Rapp?

In meiner neuen Rolle trage ich die Gesamtverantwortung für den Sportbereich und sehe mich als Sparringpartner. Wir diskutieren in der sportlichen Führung gemeinsam, was uns bei der Kaderzusammensetzung wichtig ist. Aber Simone ist der Sportchef. Er ist mit seinem Team dafür verantwortlich, die passenden Spieler zu finden.

«Wir haben bereits vor über einem Jahr mit dem Prozess meiner Nachfolgelösung begonnen.» Albrecht Seite an Seite mit seinem Nachfolger Simone Rapp.
Foto: keystone-sda.ch

Nach dem Meistertitel verliessen viele Leistungsträger den Klub. Wurde man von der grossen Anzahl etwas überrumpelt?

Es gab Stimmen, die uns Naivität oder Überforderung vorwarfen. Da frage ich zurück: Was hätten wir konkret anders machen sollen? Wir wussten bei vielen Spielern, dass sie uns wohl verlassen würden, wenn was Passendes kommt. Und wir waren ja auch auf Transfererlöse angewiesen. Aber solange nichts unterschrieben war, konnten wir nicht einfach auf Vorrat neue Spieler verpflichten. Dafür fehlten uns die finanziellen Reserven. Gleichzeitig stiegen aufgrund unseres Meistertitels die Ablöse- und Lohnvorstellungen gerade auf dem Schweizer Markt. Da konnten wir in den Verhandlungen teilweise nicht mit anderen Clubs mithalten. Vielleicht hätten wir deshalb noch klarer kommunizieren sollen, dass wir uns trotz Meistertitel in einem Umbruch befinden und gewissermassen ein neuer Zyklus startet.

Viele sagen, Thun ist jetzt in der Tabelle wieder dort, wo es hingehört. Stimmen Sie dem zu?

Wir gehören zu den drei Klubs mit dem kleinsten Budget der Liga. Wenn alle, gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten gleich gut arbeiten, bewegen wir uns auf dem Papier in dieser Region, wo wir uns derzeitig befinden. Gleichzeitig haben wir das ambitionierte Ziel, uns nachhaltig in den Top 6 festzusetzen. Ich bin überzeugt, dass wir dafür das Fundament haben. Das bedeutet aber nicht, dass es jedes Jahr eine Katastrophe ist, wenn wir die ersten sechs Plätze verpassen.

Vermissen Sie den Sportchef-Job?

Inhaltlich fehlt mir überhaupt nichts. Ich habe ihn fünfeinhalb Jahre lang sehr gern gemacht, gehe aber in meiner neuen Rolle voll auf. Ich will definitiv nicht mehr zurück.

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Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
12
26
34
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
13
16
28
3
FC Sion
FC Sion
13
11
26
4
FC Zürich
FC Zürich
12
-1
20
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
12
-3
19
6
Servette FC
Servette FC
12
1
16
7
FC Basel
FC Basel
12
-4
14
8
FC Luzern
FC Luzern
13
-7
13
9
FC Thun
FC Thun
12
-10
13
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
13
-13
11
11
FC Vaduz
FC Vaduz
13
-5
10
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
13
-11
7
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