Darum gehts
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23 Gegentore hat YB diese Saison nach zwölf Spielen schon kassiert. Das ist der sechstschlechteste Wert der ganzen Liga. Selbst der Letzte in der Tabelle, Lausanne, hat ein Tor weniger erhalten. Und: Das ist ein Tor mehr, als YB zu diesem Zeitpunkt in der desaströsen letzten Saison zugelassen hatte, die im Verpassen des europäischen Geschäfts gipfelte. Eine eigentlich unfassbare Zahl.
Zum Glück läuft die eigene Tormaschinerie. Mit 36 Treffern sind die YB-Offensivspieler sogar zielsicherer als jene des ungeschlagenen Leaders Lugano. YB hat in jedem Match mindestens zwei Tore gemacht. Der Schnitt liegt bei über drei.
«So konnte das gar nie stabil werden»
Doch das mit den Gegentoren kann nicht ewig so weitergehen, wenn die Berner einigermassen auf der Fährte der Tessiner bleiben wollen. Das sagt auch YB-Rekordspieler Martin «Tinu» Weber (69), der für die Stadtberner 578-mal seine Knochen hingehalten hat und damit fast hundert Spiele mehr gemacht hat als die Nummer zwei, Jean-Marie Conz. Aber vor allem: Der 32-fache Nationalspieler war Innenverteidiger. Und er geht heute noch an fast jedes Heimspiel.
Mehr Kompetenz geht nicht. Seine Kurzanalyse: «Die Misere ist immer noch eine Folge der missglückten Transfers der letzten Saison und der fehlenden Kontinuität, die das mit sich brachte. Mal spielte Benito, mal Lauper, mal Wüthrich, mal Fernandes, mal Zoukrou in der Mitte. So konnte das gar nie stabil werden.»
Zesiger und Jenz sind die beste Wahl
Doch jetzt, so Weber, habe Gerardo Seoane sein Duo gefunden. «Zesiger und Jenz sind die beste Wahl. Es sind technisch nicht überragende Fussballer, aber beide sind körperlich stark und stabil. Und sie sind echte Innenverteidiger. Im Gegensatz zu Lauper und Benito. Wüthrich war bisher eine grosse Enttäuschung. Er müsste gewaltig aufdrehen, um sich ins Team zu spielen.»
Und was ist mit den fünf Gegentoren beim FCZ? «Gegen St. Gallen war die Innenverteidigung beim 2:0 sehr stabil. Gegen Zürich überhaupt nicht. Aber das ganze Team hat defensiv versagt. Auch die Aussenverteidiger. Das defensive Mittelfeld hat nicht existiert. Und Goalie Marvin Keller muss zwei Tore auf seine Kappe nehmen. Das ist ein Ausrutscher, der dann passiert, wenn man noch nicht stabil genug ist. Denn grundsätzlich war YB mit zuvor zwei Matches zu null auf dem Weg der Besserung.»
YB muss mehr an die Defensive denken
Weshalb es für Weber nur eines geben kann: «Seoane muss den Spielern das Vertrauen schenken, die seine erste Wahl sind. Also Keller. Dann Blum und Schmidt auf den Seiten, das sind zwei sehr gute, energetische Aussenverteidiger. Wie erwähnt Zesiger und Jenz in der Mitte. Auf Dauer kommt das gut mit den beiden. Und Fernandes, der das Team trotz allem stabilisiert, sowie Gigovic mit Lauper als Alternative im defensiven Mittelfeld. Und sie sollen sich primär auf ihren defensiven Job konzentrieren, denn wenn auch sie primär an die Offensive denken, geht das bei einem Team mit einem solchen Vorwärtsdrang wie YB schief. Dann fehlt die Balance, was in dieser Saison so oft der Fall war.»
Doch das Defensivspiel hört bekanntlich nicht beim defensiven Mittelfeld auf. Und so macht Weber auch weiter vorne Probleme aus: «Auch die offensiven Mittelfeldspieler müssen mehr nach hinten machen. Gerade Alvyn Sanches, dieser unglaublich begnadete Fussballer, ist total auf die Offensive fixiert. Das geht nur deshalb einigermassen, weil YB mit einer Sturmspitze spielt. Würde Seoane mit zweien spielen, wäre ein Zehner dahinter defensiv ein Problem.»
Das Problem von YB heisst Lugano
Aber es gibt da noch ein Problem – und das heisst FC Lugano. Denn bei der Pace, welche die seit 23 Spielen (!) ungeschlagenen Tessiner anschlagen, bleibt kein Platz für Ausrutscher und Rückschläge. Mit solchen hat sich YB bereits neun Punkte Rückstand eingehandelt. Zumindest wenn man sich die Geschichte der Super League anschaut, ist das Meisterrennen gelaufen. Nicht für Weber. «Seoane muss die Offensive ein bisschen zurückfahren, denn das Risiko, das er mit seiner Strategie eingeht, ist doch beträchtlich. Wird YB dann endlich stabil und leistet sich keine Patzer mehr, bin ich überzeugt: Mit der Doppelbelastung werden das die Tessiner nicht durchziehen. Auch sie werden einen Einbruch haben.»
Webers Kurzversion davon: «Wenn wir stabil werden, sind wir immer noch Meisterkandidat!»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 12 | 26 | 34 | |
2 | BSC Young Boys | 12 | 15 | 25 | |
3 | FC Sion | 12 | 7 | 23 | |
4 | FC Zürich | 12 | -1 | 20 | |
5 | FC St. Gallen | 12 | -3 | 19 | |
6 | Servette FC | 12 | 1 | 16 | |
7 | FC Basel | 12 | -4 | 14 | |
8 | FC Luzern | 12 | -6 | 13 | |
9 | FC Thun | 12 | -10 | 13 | |
10 | FC Vaduz | 12 | -1 | 10 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 12 | -13 | 10 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 12 | -11 | 6 |