«Er ist ein bissiger Hund»
So tickt der stille Baumeister des Thuner Märchens

Auf dem Pausenplatz stattete Dominik Albrecht seine Gspänli mit Verträgen aus. Heute lebt er als Sportchef beim Super-League-Leader FC Thun seinen Bubentraum.
Kommentieren

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

«Im Quartier, in dem ich aufgewachsen bin, haben wir praktisch jeden freien Nachmittag auf dem nahegelegenen Pausenplatz verbracht. Im Strassenhockey oder Fussball haben wir dann Meisterschaften organisiert. Ich gab meinen Kameraden zum Beispiel Verträge, in denen sie sich ‹verpflichten› mussten, in unserem Team zu spielen, und hatte einen Ordner für diese Papiere.»

1/8
Steiler Weg nach oben: Dominik Albrecht schaffte es von der Blindbewerbung zum Super-League-Sportchef.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Diese Episode von früher erzählt Dominik Albrecht (40). Als langjähriger Sportchef des FC Thun hat er grossen Anteil am Super-League-Wunder des Aufsteigers. In der Öffentlichkeit ist er jedoch noch wenig bekannt. Wer ist der Thuner Baumeister?

Albrecht ist Quereinsteiger – er war Nati-A-Captain

«Ich erinnere mich an eine andere Episode», sagt Emanuel Antener (38). Er ist eine Schweizer Unihockey-Legende. Mit Dominik Albrecht spielt er zwar nicht auf dem Pausenplatz, aber danach im Leistungssport beim Nati-A-Team Floorball Köniz, wo Albrecht später auch Captain war und 2014 seine Karriere beendete.

Fussball oder Unihockey? Eine Zeit lang war es beides parallel bei Dominik Albrecht.
Foto: BENJAMIN SOLAND

«Es gab dieses Onlinespiel Hattrick. Das Managerspiel boomte, viele in unserem Team spielten es. Die meisten liessen sich einfach mitreissen, aber Dominik war schon damals jener, der wohl am meisten Zeit darin investiert hat und das Spiel sehr ambitioniert angegangen ist.»

Thun-Sportchef über seinen härtesten Entscheid
1:25
«Ist mir schwer gefallen»:Thun-Sportchef über seinen härtesten Entscheid

Trotz Bubentraum: Den Weg zum Sportchef muss sich Albrecht hart erarbeiten. Als 25-jähriger Nati-A-Unihockeyaner schreibt er eine Blindbewerbung an den heutigen Präsidenten Andres Gerber (52), der damals gerade erst in das Amt als Sportchef hineingerutscht ist. Albrecht muss nachhaken. «Er hatte logischerweise noch andere Themen, als sich um meine Bewerbung zu kümmern», lacht Albrecht. Genau das ist aber der Punkt: Gerber hat alle Hände voll zu tun und ist froh um Hilfe. Albrechts Chance.

Auch auf dem Feld bissig: Dominik Albrecht (l.) im Köniz-Trikot im Jahr 2010.
Foto: Keystone

Der Sportchef mit der harten Hand

Heute ist Gerber Präsident des FC Thun. Er erinnert sich an die Anfänge mit Dominik Albrecht, mit dem er nun seit 15 Jahren ununterbrochen zusammenarbeitet. «Es begann in einem Praktikum. Er musste Trainingslager organisieren, Qualifikationsgesuche einreichen. Alles, was man ihm in die Hände gab, hatte Hand und Fuss. So ist das Pensum immer mehr angestiegen, er erhielt laufend mehr Verantwortung.»

«
Er ist ein bissiger Hund
Andres Gerber, Präsident des FC Thun
»

Nach dem Abstieg des FC Thun im Jahr 2020 wird Gerber Präsident. So wird der Weg frei für Albrecht zum Sportchef und zur Erfüllung des Bubentraums, in den er schon längst hineingewachsen ist. Das Duo ergänzt sich. Während bei Gerber die harmonische Seite ausgeprägt ist, bringt Albrecht die harte Komponente mit, zum Beispiel in Verhandlungen. «Er ist ein bissiger Hund», sagt Gerber mit einem Schmunzeln.

Anstrengend für die Spielerberater

Sportchef Albrecht gilt nicht nur als harter Verhandlungspartner, sondern auch als eine sehr genaue, manchmal auch pingelige Person. Wenn man sich umhört, erfährt man: Diese Art kann für Spielerberater zuweilen ins Anstrengende abdriften. Dazu sagt Albrecht: «Ich bin in den Verhandlungen sehr klar und habe meine Prinzipien. Wenn ich nun als stur oder bissig beschrieben werde, kann ich das nachvollziehen. Ich nenne es jedoch eher konsequent und direkt. Ich habe den Anspruch, dass die Spieler immer wissen, woran sie sind, und finde es auch fair, wenn ich ihnen einen klaren Rahmen gebe.»

Wer Dominik Albrecht am Verhandlungstisch gegenübersitzt, beisst zuweilen auch auf Granit.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Albrecht ist Vater von drei Töchtern. Die jüngste ist vier Monate alt. FCB-Sportchef Daniel Stucki sprach einst davon, dass das Familienleben eigentlich nicht mit dem Job des Sportchefs vereinbar sei. Mit Betonung auf eigentlich. Wie sieht das in Thun aus? «Ich verstehe diese Aussage», sagt Albrecht. «Es geht darum, seinen Alltag so zu strukturieren, dass es trotzdem geht. Aber meinem sozialen Umfeld gerecht zu werden, ist für mich tatsächlich die grösste Herausforderung.»

«Rechne mit einem grösseren Umbruch als letzten Sommer»

Nun steht seine wohl turbulenteste Transferphase als Sportchef bevor. Nach dem sensationellen Höhenflug des Aufsteigers und dem kaum mehr zu nehmenden Meistertitel haben Spieler wie Meichtry, Rastoder, Steffen, Matoshi, Reichmuth oder Heule Begehrlichkeiten geweckt. «Ich rechne damit, dass es einen grösseren Umbruch geben wird als im letzten Sommer. Was aber nicht heisst, dass es dann auch zwingend so sein wird», sagt Albrecht.

Jedenfalls wird er im allfälligen Sommer-Wirbel eine Konstante sein. Denn was seine Sportchef-Karriere angeht, sagt Albrecht klar: «Ich habe meinen Vertrag erst kürzlich zusammen mit Andres Gerber verlängert und fühle mich extrem wohl beim FC Thun. Zudem habe ich drei Kinder, zwei davon im schulpflichtigen Alter, und wir sind in der Region stark verwurzelt. Stand heute kann ich mir keinen anderen Klub in der Schweiz vorstellen. Und das Ausland reizt mich derzeit ebenfalls nicht.»

Einmal mehr dringt durch: Dominik Albrecht ist nicht jemand, der dem Prestige der grossen Fussballwelt nachrennt. Sondern jemand, der mitten im Thuner Super-League-Märchen das tut, wovon er schon als Junge auf dem Pausenplatz geträumt hat.

Noch näher dran an deinem Klub

Nutze das Feature «Follow My Team» für Fussball- und Eishockey-Fans. Folge deinem Lieblingsverein ganz egal ob Super League oder National League – oder etwa auch bei den Nationalteams und in den internationalen Top-Ligen. So erhältst du personalisierte Inhalte, jedes Spiel live aufs Handy und verpasst keine Story mehr. Jetzt followen!

Nutze das Feature «Follow My Team» für Fussball- und Eishockey-Fans. Folge deinem Lieblingsverein ganz egal ob Super League oder National League – oder etwa auch bei den Nationalteams und in den internationalen Top-Ligen. So erhältst du personalisierte Inhalte, jedes Spiel live aufs Handy und verpasst keine Story mehr. Jetzt followen!

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
29
34
68
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
29
23
54
3
FC Lugano
FC Lugano
29
10
49
4
FC Basel
FC Basel
29
4
46
5
FC Sion
FC Sion
29
8
42
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
29
3
42
7
FC Luzern
FC Luzern
29
3
36
8
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
29
-2
36
9
Servette FC
Servette FC
29
-6
33
10
FC Zürich
FC Zürich
29
-16
31
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
29
-14
24
12
FC Winterthur
FC Winterthur
29
-47
16
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen