Darum gehts
- Thun gewinnt das Derby gegen YB nach spektakulärer Aufholjagd in Bern
- Eingewechselter Valmir Matoshi gleicht aus, Nils Reichmuth erzielt Siegtor
- Bertone verschiesst Penalty, trotzdem dreht Thun das Spiel
Auf das Monster wird eingeprügelt. Es taumelt, liegt in den Seilen – unter dem Schatten des dominanten Gegners. Dann ist Pause. 15 Minuten durchatmen. Und plötzlich ist alles anders. Thun frisst YB im Derby in der zweiten Halbzeit auf und marschiert unaufhaltsam Richtung Sensations-Titel.
Nach dem Seitenwechsel dauert es nicht lange, bis der auferstandene Leader erstmals heftig zuschlägt. Der eingewechselte Valmir Matoshi eilt nach einem Ball von Ethan Meichtry davon, lässt Gregory Wüthrich alt aussehen und erzielt den Ausgleich. Matoshi kam zur Halbzeit für Kastriot Imeri. Hauptgrund: Imeri kämpfte wieder mit seinem Rücken. Mauro Lustrinelli wollte ihn gegen seinen Arbeitgeber aber unbedingt laufen lassen (Imeri ist mit Kaufoption an Thun ausgeliehen).
Auch YB zeigt zwei Gesichter
YB zeigt zwei komplett verschiedene Gesichter. Die Dominanz in der ersten Halbzeit ist beeindruckend und erinnert an das YB zu besten Zeiten. Thun kriegt kaum Luft. Sandro Lauper grätscht hinten alles weg. Die Stadtberner liegen in Führung, haben alles im Griff und marschieren erhobenen Hauptes zum Spielereingang. Es ist der Schnitt in diesem Spiel.
Als die Berner wieder zurückkommen, werden sie vom schnörkellosen Spiel der Thuner zerfetzt. Das Leader-Monster sieht dabei auch über sämtliche Hindernisse hinweg. Leonardo Bertone verschiesst den Penalty gegen den starken Marvin Keller (49.). Aber das stachelt die Thuner nur noch mehr an. Eine Minute später zappelt der Ball im Netz.
«Wenn YB so spielt, ist es schwierig»
«Unser Team hat eine grosse Resilienz gezeigt», sagt Thun-Coach Lustrinelli (50). «Der verschossene Penalty war mental nicht einfach. Das aberkannte Führungstor dann auch nicht.» Dieses erzielt Lucien Dähler in der 61. Minute. Für ihn springt später Joker Nils Reichmuth mit dem Siegtor in die Bresche. Wie schon im Spitzenspiel am Donnerstag gegen St. Gallen (2:2) ist die Pause der Schlüsselmoment. Thun kommt wie verwandelt zurück. Wendet Lustrinelli vorwiegend taktische oder mentale Kniffe an? «Es ist eine Mischung aus beidem», sagt Lustrinelli. «Es war wichtig, die Spielidee wieder klarzumachen. Aber man muss auch sagen: Wenn YB so spielt, wie in der ersten Halbzeit, ist es schwierig.»
YB-Coach Gerardo Seoane (47) muss einmal mehr mit zwei Gesichtern seiner Mannschaft umgehen. Einige Aussagen von ihm lassen aufhorchen: «Der Penalty hat etwas Unsicherheit bei uns ausgelöst.» Müsste ein von Keller gehaltener Elfer dem Team nicht erst Recht Energie und Mut geben? Und: «Thun hat in der zweiten Hälfte mehr investiert.» Die Frage stellt sich: Warum konnte YB die Pace nicht aufrechterhalten? Das Thuner Mentalitätsmonster lag doch schon in den Seilen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 29 | 34 | 68 | |
2 | FC St. Gallen | 29 | 23 | 54 | |
3 | FC Lugano | 29 | 10 | 49 | |
4 | FC Basel | 29 | 4 | 46 | |
5 | FC Sion | 29 | 8 | 42 | |
6 | BSC Young Boys | 29 | 3 | 42 | |
7 | FC Luzern | 29 | 3 | 36 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 29 | -2 | 36 | |
9 | Servette FC | 29 | -6 | 33 | |
10 | FC Zürich | 29 | -16 | 31 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 29 | -14 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 29 | -47 | 16 |


