Der Platz im Tourbillon, an welchem üblicherweise Präsident Christian Constantin (69) sitzt, bleibt an diesem lauschigen Samstagabend leer. Sein Buddy Alex Burgener, sein Anwalt Alex Zen-Ruffinen und Generaldirektor Marco Degennaro besetzen den Sektor alleine. Wo also ist CC, der üblicherweise kein Spiel seines Spielzeugs verpasst?
Burgener sagt schelmisch grinsend: «Ich weiss es nicht …» Sohn Barthélémy seinerseits sagt bloss: «Er ist nicht da.»
Anderntags meldet sich der Verschollene. Er sonnt sich auf einer paradiesischen Insel. «Wegen der Natipause hatte ich einige Ferientage in der Planung. Ursprünglich wollte ich am Montagabend nach Dubai. Doch wegen des Kriegs flog ich ab Zürich auf die Seychellen.»
CC kann tief durchatmen – so tief, dass er fehlt
Sein Fehlen zeigt etwas exemplarisch auf: Dass CC damit zufrieden ist, wie die Dinge laufen, so dass er sich eine Absenz leisten kann. Und dass das Erreichen der Championship Group, die ja eigentlich schon vor dem Spiel gegen St. Gallen feststand, bei CC eine derart grosse Erleichterung ausgelöst hat, dass er sich entschied, ausnahmsweise dem Tourbillon fernzubleiben und sich dem «Dolce far niente» hinzugeben.
Denn das neue Ziel hat nichts mehr mit dem Schielen nach unten zu tun, wie in den gefühlt zehn letzten Saisons zuvor. Und als es für einmal nicht darum ging, die Klasse zu halten, da war Sion in der Challenge League. Und CC hatte denselben Druck: nur einfach nach oben statt unten.
Sion muss für Europa wohl zwei der Grossen hinter sich lassen
Und so ist ein neues Ziel ausgerufen worden: Europa! Ein sehr schwierig zu erreichendes Ziel. Man muss unter die ersten vier kommen, das ist unabdingbar.
Wenn man davon ausgeht, dass Thun Meister wird (was praktisch sicher ist) und St. Gallen in der Pole Position für Platz zwei ist, dann bedeutet das: Sion muss zwei der drei Grossen – also Basel, YB oder Lugano – hinter sich lassen, um Ähnliches zu erleben wie 2015, als man mit zwei Unentschieden gegen Liverpool und Siegen gegen Bordeaux und Rubin Kasan in der Europa League überwinterte. «Stimmt. Das ist eine sehr grosse Challenge», sagt Sportchef Barth Constantin.
Kronig zu seinem Monster-Save: «Das war Glück ...»
Aus dieser Sicht war der eine Punkt gegen St. Gallen fast zu wenig. «Ist es. Wir hätten gewinnen müssen», bestätigt Jan Kronig, der mit einem Monster-Save Zentimeter vor der Torlinie in der Schlussphase den Punkt rettete. «Es würde keinen Sinn machen, wenn wir sagen würden: Wir wollen nicht nach Europa. Aber der Druck ist mehr bei den anderen, bei den Grossen, als bei uns.» Und zu seiner Rettungstat? «Das war viel Glück. In neun von zehn Fällen gibts da ein Eigentor.»
Trainer Tholot adelt die Konkurrenz
Trainer Didier Tholot scheint zufriedener zu sein als sein Innenverteidiger. Das hat seinen Grund: «Es ist sehr, sehr schwierig gegen St. Gallen zu spielen. Die stehen nicht zufällig oben. Sondern deshalb, weil sie zusammen mit Thun aus allen taktisch-technischen Aspekten diese Saison der schwierigste Gegner sind.» Nun versuche man, die Überraschungsequipe in dieser finalen Runde zu werden. Das Zeug dazu haben die Walliser jedenfalls.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Basel | 31 | 8 | 52 | |
4 | FC Lugano | 30 | 10 | 50 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 30 | 5 | 45 | |
7 | FC Luzern | 30 | 2 | 36 | |
8 | Servette FC | 31 | -3 | 36 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 30 | -4 | 36 | |
10 | FC Zürich | 31 | -16 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 31 | -23 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 31 | -48 | 19 |

