WM-Party im Eishockey-Land Kanada
«Die Leute haben jetzt realisiert, was Fussball genau ist»

Die kanadische Nationalmannschaft ist raus aus der WM. Doch das Team hat nicht nur Historisches erreicht, sondern auch geschafft, dass in der Eishockeyhochburg Kanada für 90 Minuten der Fussball König war. Eine Reportage aus dem WM-Austragungsort Vancouver.
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Foto: TOTO MARTI
WM 2026: Fussballfieber im Eishockey-Land Kanada

Es ist kurz nach 10 Uhr Ortszeit in Vancouver am Samstagmorgen und in den Strassen der kanadischen Grossstadt ist nur noch etwas zu hören: der Kommentator des einheimischen TV-Senders TSN, der die WM-Spiele überträgt. Vereinzelte Fans irren noch herum, um verzweifelt einen Platz in einem Lokal zu finden, wo das Spiel zwischen Kanada und Marokko gezeigt wird. Der Einzug in den WM-Achtelfinal der kanadischen Nationalmannschaft hat eine Fussballeuphorie entfacht, die dieses Land noch nie gesehen hat.

Gleich mehrere Tausend Fans haben sich bei strahlendem Sonnenschein frühmorgens auf dem Jack Poole Plaza versammelt, um die Partie ihrer Mannschaft im fernen Houston zu verfolgen. In Kanada heisst das nicht Public Viewing, sondern Watch Party. Ein «Schiedsrichter» rennt herum, pfeift mit seiner Trillerpfeife und verteilt Gelbe Karten, wenn man auf sein Handy schaut, statt das Spiel aufmerksam zu verfolgen.

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Die kanadische Grossstadt ist im Fussballfieber.
Foto: TOTO MARTI

Eishockey-Trikots sind omnipräsent

Der Platz direkt am Wasser des Vancouver Harbour ist rappelvoll, im Hintergrund die Skyline der Innenstadt auf der einen, das Bergpanorama auf der anderen Seite. Viele Fans sind vor allem wegen der Stimmung da, denn selbst haben viele keine Chance, einen Blick auf die etwas zu klein geratenen Leinwände zu ergattern. Immer wieder landet ein Wasserflugzeug nur rund 200 Meter neben der wohl grössten Watch Party Vancouvers.

Auch die Trikots der Superstars aus der kanadischen Eishockeynationalmannschaft sind überall zu sehen.
Foto: TOTO MARTI

Daneben liegt das riesige Kreuzfahrtschiff «Discovery Princess», das Platz für über 3600 Passagiere hat. Auf dem Deck? Ein riesiger Bildschirm, auf dem das Kanada-Spiel gezeigt wird. Der Fussball-Hype ist angekommen, in keinem Austragungsort an der Westküste ist die WM mehr spürbar als in Vancouver. Da ist es auch egal, wenn die Zahl der Fans mit Trikots der Eishockey-Nationalmannschaft mindestens so gross ist wie jene des Fussballnationalteams. Hauptsache Rot und Weiss.

Siegestorschütze wird lauter bejubelt als Wayne Gretzky

Nicht anders sieht es auf der rund fünf Kilometer entfernten Halbinsel Granville Island aus. Türöffnung für den Achtelfinal ist um 8 Uhr morgens, zwei Stunden vor Anpfiff. Doch bereits nach ein paar Minuten ist die Kapazitätsgrenze von 1000 Personen erreicht. So bleibt mehreren Hundert Fans nichts anderes übrig, als sich ausserhalb der abgesperrten Zone ein Plätzchen zu suchen, von wo man durch das hellblaue Gitter zumindest einen halbwegs vernünftigen Blick auf den auch hier verhältnismässig kleinen Grossbildschirm erhaschen kann.

Doch die Screens sind verhältnismässig klein.
Foto: TOTO MARTI

Für 90 Minuten macht der Fussball der Nationalsportart Eishockey richtig grosse Konkurrenz. Stephen Eustaquio (29), der Siegestorschütze aus dem Sechzehntelfinal gegen Südafrika, wird bei seinen Aktionen lauter bejubelt als Nationalheld Wayne Gretzky (65), als dieser von der TV-Regie eingeblendet wird. Die Fans sind «locked in». Gesprochen wird kaum, alle starren gebannt nach vorne. Immer wieder kommt es zu Szenenapplaus. Auch bei verhältnismässig unbedeutenden Szenen wie der Wiederholung eines herausgeholten Eckballs. «Ich bin einer der neuen Fussball-Fans. Ich habe zuvor noch nie ein Fussballspiel geschaut», erzählt Stephanie, die von der Fussballeuphorie in Vancouver erfasst wurde.

«We are sorry, Canada»

Doch am Ende jubelt nicht Stephanie, sondern die Fans Marokkos, die auch am Jack Poole Plaza zahlreich vertreten sind. Es wird getrommelt und respektvoll gesungen: «We are sorry, Canada». Als sich das Nationalteam in Houston nach der Partie noch auf dem Platz in einem kleinen Kreis versammelt, wird auch in Vancouver ein letztes Mal gejubelt. Der Stolz überwiegt. Bei der ersten WM-Teilnahme 1986 wurde man punkt- und torlos nach Hause geschickt. Auch bei der zweiten Teilnahme 2022 in Katar gab es in der Gruppenphase keinen Zähler zu bejubeln. Bei der Heim-WM 2026 aber konnte man nicht nur die ersten Siege einfahren, man schaffte es gleich bis in den Achtelfinal. «Wir wollten natürlich gewinnen. Aber wir sind trotzdem stolz auf unser Team, sie haben gut gespielt», sagt Rachel nach Abpfiff.

Zur grossen Freude der anwesenden Fans des Gegners.
Foto: TOTO MARTI

Auch J.T. antwortet: «Enttäuscht? Nein, das bessere Team hat gewonnen. Es geht darum, dass wir alle zusammengekommen sind und als Gemeinschaft Spass hatten. Vancouver ist ein toller Ort, überall kommen die Menschen her und feiern gemeinsam die WM.» Der Kanada-Fan ist überzeugt, dass die WM und die Leistung des kanadischen Teams einen «Soccer-Hype» ausgelöst haben, der über das Turnier hinaus bestehen bleiben soll: «Schauen Sie sich die Leute an! Jeder hatte Spass. Und nur darum geht es.»

«Fussball ist gekommen, um da zu bleiben»

Das sei alles nur der Anfang, findet auch Rachel. «Der Fussball ist gekommen, um da zu bleiben. Die Leute haben jetzt realisiert, was das genau ist und wie viel es der restlichen Welt bedeutet. Wir können die nächste WM kaum erwarten.»

Doch am Ende heisst es 0:3 für Marokko.
Foto: TOTO MARTI

Bevor sich Kanada nicht nur als Nationalteam, sondern auch als Gastgeber aus der diesjährigen Weltmeisterschaft verabschiedet, gibt es in Vancouver aber noch ein letztes grosses Highlight mit der Austragung des Achtelfinals im BC Place Stadion, dem einzig richtigen Fussballstadion des Turniers. Mittendrin: die Schweizer Nati, die bereits das dritte Spiel in der kanadischen Metropole absolviert und zumindest einen kleinen Beitrag dazu geleistet hat, dass in Vancouver für ein paar Wochen mehr über Fussbälle als über Hockeypucks gesprochen wurde.

Noch näher dran an der Schweizer Nati

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
3
6
9
2
Südafrika
Südafrika
3
-1
4
3
Südkorea
Südkorea
3
-1
3
4
Tschechien
Tschechien
3
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
3
4
7
2
Kanada
Kanada
3
5
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
3
-1
4
4
Katar
Katar
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
3
6
7
2
Marokko
Marokko
3
3
7
3
Schottland
Schottland
3
-3
3
4
Haiti
Haiti
3
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
3
4
6
2
Australien
Australien
3
0
4
3
Paraguay
Paraguay
3
-2
4
4
Türkei
Türkei
3
-2
3
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
3
6
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
3
2
6
3
Ecuador
Ecuador
3
0
4
4
Curacao
Curacao
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
3
6
7
2
Japan
Japan
3
4
5
3
Schweden
Schweden
3
0
4
4
Tunesien
Tunesien
3
-10
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
3
4
5
2
Ägypten
Ägypten
3
2
5
3
Iran
Iran
3
0
3
4
Neuseeland
Neuseeland
3
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
3
5
7
2
Kap Verde
Kap Verde
3
0
3
3
Uruguay
Uruguay
3
-1
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
3
-4
2
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
3
8
9
2
Norwegen
Norwegen
3
1
6
3
Senegal
Senegal
3
2
3
4
Irak
Irak
3
-11
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
3
7
9
2
Österreich
Österreich
3
0
4
3
Algerien
Algerien
3
-2
4
4
Jordanien
Jordanien
3
-5
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
3
3
7
2
Portugal
Portugal
3
5
5
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
3
1
4
4
Usbekistan
Usbekistan
3
-9
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
3
4
7
2
Kroatien
Kroatien
3
0
6
3
Ghana
Ghana
3
0
4
4
Panama
Panama
3
-4
0
K.o.-Phase
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