Darum gehts
- Granit Xhaka und Breel Embolo fehlen der Nati wegen Corona-Skandalen
- Xhaka gestand gefälschtes Zertifikat, Embolo erhielt Geldstrafe für ähnliches Vergehen
- SFV betont Schutz der Nationalmannschaft
Zwei der erfolgreichsten Nati-Spieler, zwei Führungsspieler, zwei Leistungsträger – mit Granit Xhaka (33) und Breel Embolo (29) fehlen der Nati-Captain und einer seiner Stellvertreter aus dem Mannschaftsrat aufgrund des Corona-Wirbels zum Nations-League-Auftakt. Was sich anhört wie eine gruselige Schlagzeile aus dem Jahr 2021, passiert im Jahr 2026 im Nati-Camp. Rund viereinhalb Jahre, nachdem der Bundesrat den Grossteil der Corona-Massnahmen aufgehoben hat, bricht erneut Hysterie aus.
Da wäre einmal das durch Blick bekannt gewordene Ermittlungsverfahren um Granit Xhaka vor einer Woche. Der Captain hat inzwischen via Social Media zugegeben, sich ein Covid-Zertifikat gekauft zu haben, ohne sich impfen zu lassen. Er hat sich entschuldigt, nun wird er sich dafür vor der Justiz verantworten müssen – und Xhaka verzichtete aus eigenem Antrieb auf den Nati-Zusammenzug, um das Team zu schützen.
Ein respektabler und nachvollziehbarer Weg, obwohl auch klar ist: Wenn ein Spieler mit solch einem Druck und viel Lärm um die eigene Person gute Fussballspiele für die Schweiz abliefern könnte, dann ist es zweifellos Granit Xhaka.
Neuer Wirbel um USA-Reise mit Arsenal
Dennoch gibt es am Freitag neue Fragezeichen im Fall Xhaka. Der «Tages-Anzeiger» und CH Media berichten, dass der Nati-Captain sein gekauftes Zertifikat entgegen bisherigen Annahmen im Juli 2022 für eine Reise in die USA eingesetzt haben soll. Kommt damit die Argumentation des SFV, warum der Fall Granit Xhaka kein neuer Fall Patrick Fischer ist, ins Wanken? Verbandspräsident Peter Knäbel sagte am Montag: «Granit hat die Impfbestätigung nicht benötigt, um an einem grossen Turnier oder an Länderspielen teilzunehmen.»
Bei der Aufarbeitung seien ausschliesslich die Länderspiele im Fokus gewesen und nicht die Regeln und Termine bei Arsenal, heisst es aus Verbandskreisen. Zudem stellt sich aber die Frage: Was wäre bei der WM in diesem Sommer passiert, wenn die Einreise mit dem erworbenen Zertifikat vor den Spielen in den USA bekannt geworden wäre? Und was droht Granit Xhaka jetzt in den USA?
Embolo-Absage wirkt wie Panikmassnahme
Richtig grosse Fragezeichen löst auch der Fall beziehungsweise die Abwesenheit von Breel Embolo aus. Dass der 29-Jährige zwei gefälschte Reisezertifikate im Jahre 2021 erworben hat, weiss man bereits seit zwei Jahren. Dennoch darf er jetzt nicht zur Nati reisen, nachdem CH Media das Strafmass einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 3000 Franken für das längst bekannte Vergehen publik gemacht hatte.
«Dies hat die Verbandsführung entschieden, sodass der Spieler nicht wie vorgesehen zur Mannschaft stossen und die Nati den laufenden Zusammenzug ohne ihn bestreiten wird», heisst es in einem Statement des Schweizerischen Fussballverbandes. Murat Yakin betont kurze Zeit später, dass es nicht seine Entscheidung gewesen sei, Embolo nicht mitzunehmen. Während der SFV versucht, damit seinen Spieler zu schützen, wirkt es allerdings auch wie eine Panikmassnahme.
Der Eindruck verstärkt sich, wenn man zurückblickt: Als es um Embolos anderen Strafregistereintrag ging, ein Verfahren wegen Drohung, musste der Nati-Stürmer gar mitten im Zusammenzug im September 2025 zum Basler Appellationsgericht – und erzielte zwei Tage später einen Doppelpack in der WM-Quali. Von einer möglichen Abwesenheit oder dem Schutz des Spielers war keine Rede.
Verband muss aufpassen
Vom am Freitag bekannt gewordenen Fall sei man derweil überrascht worden, sagt SFV-Medienchef Adrian Arnold an der Pressekonferenz vor dem Spiel in Nordmazedonien. «Müssen wir bei jedem Spieler und jeder Meldung nachfragen, ob ein Verfahren läuft oder nicht?», fragt Arnold. Die Antwort sollte Ja lauten. Insbesondere, wenn der Nati-Trainer Murat Yakin als Nebenkläger im Hells-Angels-Prozess involviert gewesen ist, als der Fall von Embolos gekauften Zertifikaten im Jahr 2024 bekannt wurde. Diese wie auch andere Vergehen haben ihm die Nati-Fans eigentlich längst wieder verziehen. In dieser Beziehung ist Embolo ein Phänomen.
Der Status eines verdienten Nati-Stars schützt nicht vor Konsequenzen der Justiz, und man darf über die Verantwortung und Vorbildfunktion solcher Idole neben dem Platz diskutieren. Doch der Verband muss auch aufpassen, dass er seine grossen Aushängeschilder nicht mit solch kurzfristigen Massnahmen vom Team entfernt. Granit Xhaka und Breel Embolo sind Teil einer Erfolgsgeschichte für dieses Land – und diese ist noch nicht zu Ende. Entsprechend sollte mit ihnen umgegangen werden. Viel mehr Ungereimtheiten dürfen aber auch vonseiten der Spieler nicht mehr dazukommen.
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