Darum gehts
- Fifa-Chef Infantino wollte WM-Rechte an neue Tochterfirma übertragen lassen
- Drei Vorstandsmitglieder stimmten zu, zwei lehnten den Plan ab
- Grafström änderte Meinung, wusste nichts vom Plan und unterstützt Infantino nun erneut
Gianni Infantino (56) hat in den Monaten vor und während der Weltmeisterschaft einen Plan geschmiedet. Der Fifa-Präsident wollte die kommerziellen Rechte der wichtigsten Wettbewerbe wie der WM an eine Tochtergesellschaft namens «Fifa Forward Enterprise» (FFE) übertragen. Daran sollten private Investoren Anteile von bis zu 20 Prozent erwerben können.
Um diesen Plan Realität werden zu lassen, brauchte Infantino die Unterstützung aus dem fünfköpfigen Fifa-Vorstand – konkret drei Ja-Stimmen. Einen Tag vor dem WM-Final berief er deswegen eine Sitzung mit den Spitzenfunktionären ein. Wie drei Quellen der «New York Times» berichten, setzte er ihnen ein Ultimatum bis Mitternacht, um ihre Entscheidung für oder gegen den Plan zu fällen.
Drei setzten ihre Unterschrift unter die Vereinbarung: Generalsekretär Mattias Grafström, Chefjurist Emilio Garcia und Stabschef Dan O’Toole. Finanzchef Thomas Peyer und Betriebsdirektor Kevin Lamour hingegen stimmten dem Ganzen nicht zu.
Meinungsänderung in interner Nachricht
Dass Grafström dem Vorschlag zugestimmt hat, ist nach den Ereignissen der letzten Tage durchaus bemerkenswert. Als Generalsekretär ist er zwar Infantinos engster Vertrauter und seine rechte Hand, ausserdem auch zweithöchster Mann der Fifa.
Doch kaum wurden die Pläne öffentlich und die Kritik immer lauter, ändert Grafström seine Meinung. In einer Mitteilung an die Fifa-Belegschaft spricht er kritisch über die Pläne, schreibt von einer «traurigen und verwerflichen Abfolge von Ereignissen – die glücklicherweise damit endete, dass das Projekt endgültig aufgegeben wurde». Zudem behauptet er, dass er bis zur Veröffentlichung nichts von Infantinos Plänen wusste.
Der in Genf geborene Grafström arbeitet seit 2016 bei der Fifa. Er fing als Stabschef in Infantinos Büro an und wurde 2019 stellvertretender Generalsekretär für Fussballangelegenheiten. Als Fatma Samoura im Oktober 2023 als Generalsekretärin zurücktrat, übernahm Grafström das Amt zunächst ad interim, wenige Monate später dann definitiv.
Plötzlich wieder Unterstützung
Grafström ist also schon während Infantinos gesamter Amtszeit an dessen Seite. Und doch fällt der Generalsekretär dem Präsidenten plötzlich in den Rücken. Oder doch nicht? Denn so schnell, wie er sich gegen Infantino stellte, steht er wieder hinter ihm.
Nach der Krisensitzung in Marokko am Mittwochabend bekräftigen Grafström und die Mitglieder des Managementboards ihre «uneingeschränkte Unterstützung» für Infantino – «als den einzigen Amtsträger, der von den 211 Fifa-Mitgliederverbänden gewählt wurde». Umgekehrt gilt das Gleiche. Bleibt die Frage, wie lange das so bleibt.