Darum gehts
- Fifa-Chef Gianni Infantino stoppt umstrittene Milliardenpläne nach globaler Kritik
- 211 Verbände sollten 40 Mio. Dollar bei Zustimmung zu den Plänen erhalten
- Concacaf-Präsident Montagliani erwägt Kandidatur gegen Infantino bei Wahl 2027
Fifa-Boss Gianni Infantino (56) macht einen seltenen Rückzieher. Nach heftiger Kritik aus nahezu allen Kontinentalverbänden zieht der Fifa-Präsident seine umstrittenen Milliardenpläne zurück.
Eigentlich wollte Infantino Teile der kommerziellen Rechte der Fifa in eine neue Gesellschaft auslagern und externe Investoren ins Boot holen. Das Projekt hätte Milliarden in die Kassen des Weltverbands spülen sollen.
«Nachdem alle Standpunkte sorgfältig angehört wurden, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat», heisst es in einer in der Nacht auf Samstag veröffentlichten Erklärung Infantinos. Aus diesem Grund wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.
«Unser Ziel war es schon immer und wird es auch immer bleiben», so der Fifa-Chef, «Menschen zusammenzubringen und Verbesserungen zu erzielen.» Mit Blick nach vorn wolle er «alle Beteiligten wieder an einen Tisch bringen.»
Engster Machtzirkel rebellierte
Zuvor hatte am Freitag auch Infantinos langjähriger Chefberater Carlos Cordeiro (70) mit sofortiger Wirkung hingeschmissen. «Ein schlechter Deal für den Fussball», begründete der frühere US-Fussballpräsident seinen Rücktritt.
Besonders brisant: Auch Fifa-COO Kevin Lamour (45) stellte sich öffentlich gegen den eigenen Präsidenten. Er sprach von mangelnder Transparenz und erklärte, die Mitarbeitenden seien «getäuscht» worden.
Nein zu Geldregen
Die Krise um die Milliardenpläne umspannte zuletzt den Globus. Nach einer Revolte der wichtigsten Kontinentalverbände Uefa und Concacaf stellte sich inzwischen auch der Asiatische Fussballverband (AFC) gegen Infantinos Milliardenvision. Kritiker warnten vor einem Ausverkauf des Weltfussballs und befürchteten, Investoren könnten künftig zu viel Einfluss auf den internationalen Fussball erhalten.
Dies, obwohl den Verbänden ein Geldregen winkte. Infantino hatte allen 211 Mitgliedsverbänden Dutzende Millionen Dollar angeboten, falls sie dem Vorschlag für private Investitionen in seine Turniere zustimmen würden, einschliesslich Weltmeisterschaften der Männer und Frauen.
Angesichts der geschlossenen Front sah sich Infantino jetzt gezwungen, zurückzurudern. Ein ungewöhnlicher Rückzieher für den Walliser, der in den vergangenen Jahren seine Vorhaben meist ohne grösseren Widerstand durchsetzen konnte.
Droht Infantino Gegenkandidat?
Bei der Fifa-Präsidentenwahl nächsten März könnte Infantino erstmals seit Jahren ernsthafte Konkurrenz bekommen.
Laut der britischen Zeitung «The i Paper» bereitet Concacaf-Präsident Victor Montagliani (60) eine Kandidatur gegen den Schweizer vor. Offiziell bestätigt ist dies bislang nicht.