Zum Uefa-Boykott gegen Fifa
Da hat Infantino die Milliarden-Rechnung ohne Europa gemacht

Alle 55 Uefa-Mitglieder haben einem Boykott aller Fifa-Turniere, die Nationalmannschaften betreffen, zugestimmt. Ohne Europa, keine WM-Milliarden, sagt Blick-Sportchef Emanuel Gisi.
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Gianni Infantino (r.) will Teile der WM-Rechte verkaufen – hat die Rechnung aber ohne die Uefa mit Präsident Aleksander Ceferin gemacht.
Foto: imago/PA Images
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Emanuel GisiSportchef

Wer sich in den letzten Jahren mit einem Infantino-Versteher über den Fifa-Boss und dessen Geschäftsgebaren unterhielt, bekam meist relativ früh im Gespräch einen Satz unter die Nase gerieben. «Europa ist nicht mehr der Nabel der Welt.» Ein Satz, der vermitteln sollte: Eure Regeln gelten schon lange nicht mehr. Manchmal sogar: Regeln? Welche Regeln?

Nun ist der Bedeutungsverlust Europas nicht von der Hand zu weisen. Politisch, wirtschaftlich, militärisch – andere Staaten und Weltregionen haben aufgeholt, manche haben uns sogar überholt. Nicht immer mit den Mitteln, die heute in Europa als sauber gelten, aber eben: Regeln? Welche Regeln?

Einer, der das verstanden haben soll, so meinen die Infantino-Versteher, ist Gianni Infantino. Mit den Katarern, mit den Saudis, mit dem trumpschen Amerika machte der Walliser früh und gerne Geschäfte. So gerne, dass die Fifa im Trump-Tower Büros anmietete, von denen bis heute in Fifa-Kreisen niemand wissen soll, wofür man die eigentlich braucht. Vielleicht einfach, um dem Trump-Clan monatlich Geld überweisen zu können.

Die Beziehungen sind jedenfalls so gut, dass ein mit den Trumps verbundener Investment-Fund Anteile der Fussball-Weltmeisterschaft kaufen will. Infantino findet die Idee natürlich super, hat aber die Rechnung ohne die Europäer gemacht. Die sind zwar in der Minderheit, wenn die 211 Mitgliedsverbände der Fifa und das Fifa-Council über den Vorschlag befinden. Aber sie haben mehr Macht, als dem Fifa-Chef lieb ist. 

Wovor sich Infantino fürchten muss: Vor genau jenem Europa, das er so gerne für überholt erklärt. Ohne die europäischen Topligen, ohne deren TV-Gelder und Sponsoren und ohne die Top-Nationalteams aus Europa gibt es keine WM-Milliarden zu verteilen.

Infantino mag versuchen, das Geschäft trotzdem durchzudrücken. Nur diesmal könnte er merken: Wer anderen predigt, Regeln seien verhandelbar, sollte nicht überrascht sein, dass die Europäer nun beschliessen, dieselbe Regel auf ihn anzuwenden. Gutes, altes Europa. Manchmal überrascht du uns.

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