Darum gehts
- Die Fifa plant, kommerzielle Rechte in Tochtergesellschaft FFE auszulagern
- Mitgliedsverbände könnten bis zu 32 Millionen Franken pro Zyklus erhalten
- 211 Mitgliedsverbände und Fifa-Rat müssen über Umsetzung noch entscheiden
Die Kritik war heftig. Nachdem bekannt geworden war, dass die Fifa ihre kommerziellen Rechte in eine neue Gesellschaft auslagern und dafür Investoren ins Boot holen könnte, warfen Kritiker dem Weltverband vor, den Fussball «zu verkaufen». Nun meldet sich Fifa-Präsident Gianni Infantino erstmals persönlich zu Wort und versucht, die Wogen zu glätten.
In einer am Mittwochabend veröffentlichten Videobotschaft betont der 56-Jährige, dass es sich beim Projekt «Fifa Forward Enterprise» (FFE) lediglich um «einen Vorschlag» handle. «Es ist eine Chance, aber keine Verpflichtung», sagt Infantino. Über die Pläne werde nun ein Konsultationsprozess gestartet. Umgesetzt werde das Vorhaben «nur dann, wenn die Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände und der Fifa-Rat zustimmen.
Was hinter der FFE steckt
Die geplante «Fifa Forward Enterprise» wäre eine vollständig der Fifa gehörende und von ihr kontrollierte Tochtergesellschaft mit einem eigenen Management und Team von Direktoren. Sie soll sämtliche kommerziellen Aktivitäten des Weltverbands bündeln – von Sponsoring über TV-Rechte und Lizenzgeschäfte bis hin zur Vermarktung aller Fifa-Wettbewerbe wie der Männer- und Frauen-WM.
Sportlich soll sich laut Fifa dagegen nichts ändern. «Die Fifa wird den Fussball weiterhin ohne jegliche externe Einflussnahme führen», versichert Infantino. Auch die Weltmeisterschaften würden «immer bestehen bleiben». Die FFE übernehme lediglich die kommerzielle Umsetzung, während die Fifa eine Non-Profit-Organisation bleibe und sämtliche Einnahmen weiterhin in den Fussball reinvestiere.
Mehr Geld für die Verbände
Der Weltverband begründet den Schritt mit dem Ziel, bislang ungenutztes wirtschaftliches Potenzial auszuschöpfen. «Zu wenig vom wachsenden kommerziellen Wert des Fussballs erreicht jene Bereiche des Spiels, die ihn am dringendsten brauchen», sagt Infantino. Dafür brauche es zusätzliche Expertise, die über die eigentliche Führung des Sports hinausgehe.
Die Fifa verspricht ihren Mitgliedsverbänden dafür deutlich höhere Ausschüttungen. Im nächsten Fifa-Forward-Zyklus sollen diese laut Infantino von acht auf mehr als 16 Millionen Schweizer Franken pro Verband steigen. Über das Programm «Fifa Fast Forward» könnten weitere 16 Millionen hinzukommen – insgesamt also bis zu 32 Millionen Franken pro Mitgliedsverband.
Entscheid steht noch aus
Infantino weist zudem den Vorwurf zurück, die Kontrolle über den Fussball aus der Hand zu geben. Die FFE bleibe vollständig im Besitz der Fifa und sei keine Auslagerung an externe Investoren. Auch die WM stehe «nicht zum Verkauf», betont der Weltverband. Private Investoren würden lediglich eine Minderheitsbeteiligung an der FFE erhalten und weder einen Sitz im Fifa-Rat noch ein Stimmrecht im Fifa-Kongress bekommen. So schreibt die Fifa: «Grob geschätzt würden maximal 20 Prozent des Eigenkapitals der FFE zur Finanzierung spezifischer Entwicklungsmassnahmen veräussert werden, und zwar ausschliesslich in den Mitgliedsverbänden, die dies beantragen.»
Ebenso hätten die Investoren keinen Einfluss auf das WM-Format, den Austragungsrhythmus oder andere sportliche und regulatorische Entscheide. Der Fifa-Präsident ergänzt: «Die Fans bleiben das Herzstück des schönsten Spiels der Welt und der Sport, den sie lieben, wird sich nicht verändern.»
Ob die umstrittenen Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist allerdings noch offen. Zunächst müssen sich die 211 Mitgliedsverbände zum Vorschlag äussern. Erst danach entscheidet der Fifa-Rat über die Zukunft der «Fifa Forward Enterprise».