Der Schweizer Cup ist für Fussball-Romantiker ein Leckerbissen. Für viele Provinzkicker ist das Duell gegen den scheinbar übermächtigen Gegner das Spiel des Lebens. Unter der Woche steht das halbe Dorf Kopf, um alles für die Super-League-Klubs und deren Fans vorzubereiten.
Während es dieses Jahr in der ersten Runde keine Überraschung gegeben hat, haben sich einige Spieler der Super League im David-gegen-Goliath-Duell nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Dies nicht, weil sie mit einer groben Unsportlichkeit auf sich aufmerksam gemacht hätten, sondern vielmehr durch die Art und Weise, wie sich über Tore gegen die Hobby-Fussballer gefreut wurde.
Zum Beispiel Furkan Dursun vom FC Thun. Der Walliser Underdog Saxon Sports erlebt zwischen der 11. und 17. Minute Schiffbruch. Erst schiesst Thuns Adam Ilic ein absolutes Traumtor per Seitfallzieher zum 1:0. Nur zwei Minuten später fliegt ein Saxon-Akteur nach einer streng gepfiffenen Notbremse vom Platz, ehe wiederum zwei Minuten später ein (korrekter) Penaltypfiff erfolgt. Dursun läuft an, verwandelt souverän, provoziert dann aber auch mit der Zeigefinger-Geste auf dem Mund – die Hintergründe dafür kennt wohl nur er.
Vollzeit-Fussballer gegen «normale» Menschen
Da wäre aber auch Luganos Beckham Castro (22), der zum 10:1-Sieg gegen Vedeggio Calcio einen Hattrick beisteuert. Bei allen seinen Toren feiert der Sommerneuzugang aus Kolumbien erst mit seinem Jubel, dreht dann ab und setzt sich dann angelehnt an den Torpfosten demonstrativ lässig hin.
Der Dritte im Bunde, der eine Erwähnung verdient, ist Umeh Emmanuel. Das 1:0 gegen Tuggen erzielt der FCZ-Akteur etwas glücklich, trotzdem jubelt der 21-Jährige, als hätte er gerade das entscheidende Tor im Champions-League-Final erzielt. Dass das Spiel zur Zitterpartie für die Zürcher wird, weiss er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Natürlich soll sich auch ein Spieler der Super League gegen einen unterklassigen Gegner über ein Tor freuen dürfen. Trotzdem sollte dies mit etwas Würde geschehen, immerhin treffen in der ersten Runde des Cups Profi-Fussballer auf Gegenspieler, die ihr Geld als Elektriker, Maler oder Logistiker verdienen und nur in ihrer Freizeit kicken.


