Herausfordernde Zeiten für FCA-Trainer Iacopetta
«Wir haben eine Menge Arbeit vor uns»

Der FC Aarau hat schwierige Monate hinter sich. Nach dem Nichtaufstieg, dem Kaderumbruch im Sommer und dem durchzogenen Saisonstart will Trainer Brunello Iacopetta den FCA-Dampfer wieder auf Kurs bringen.
Kommentieren
1/6
Noch läuft nicht alles rund beim FC Aarau und Trainer Brunello Iacopetta.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • FC Aarau startet Saison mit vier Punkten aus drei Spielen
  • Trainer Iacopetta fordert Verstärkung für Offensive nach diversen Abgängen
  • Lieber Trainer als Spieler in jungen Jahren
RMS_Portrait_AUTOR_1052.JPG
Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

Brunello Iacopetta (41) ist nicht zu beneiden. Der Trainer des FC Aarau hat herausfordernde Wochen hinter sich. Einmal mehr verpasste der FCA im Frühling den Aufstieg in die Super League, danach folgte der grosse Umbruch im Kader, der noch nicht abgeschlossen ist. Dementsprechend durchzogen fiel der Saisonstart in der Liga mit vier Punkten aus drei Spielen aus. Und auch im Cup hatte der FCA zu leiden, setzte er sich gegen den Promotion-Ligisten Biel, den Cupfinalisten von 2025, doch erst im Penaltyschiessen durch.

Doch wie tickt der FCA-Trainer? Wie geht er mit der Situation um? Im Gespräch mit Blick wird klar: Klagen will Iacopetta nicht – im Gegenteil. «Ich darf jeden Tag meiner Leidenschaft nachgehen und mit Menschen zusammenarbeiten, sie entwickeln. Das ist das Schönste», sagt Iacopetta. Der Fussball bringe immer wieder neue Herausforderungen. «Mal, weil du ein paar Spiele in Serie nicht gewinnst, mal, weil innerhalb des Teams etwas passiert ist. Oder wie jetzt, weil noch lange nicht alles perfekt ist und wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben.»

Der Ruf der Unaufsteigbaren

Iacopetta verhehlt nicht, dass er schon angenehmere Zeiten durchlebt hat. Denn noch haben die Aarauer nicht alle Abgänge ersetzen können: Mit Valon Fazliu, Elias Filet, Leon Frokaj, Marvin Hübel und Nassim Zoukit verliessen mehrere Teamstützen den Verein. Iacopetta wünscht sich, dass die eine oder andere Verstärkung vor allem in der Offensive noch dazukommt, sagt aber auch: «Ich bin keiner, der lamentiert oder Dingen nachweint. Ich bin da, um Lösungen zu finden.»

Kein Klub in der Challenge League bewegt so viele Menschen wie der FCA, dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Iacopetta verzichtet aber bewusst auch nach drei Runden darauf, bereits jetzt ein Saisonziel festzulegen. Noch ist viel in der Schwebe, das Transferfenster schliesst erst in knapp vier Wochen. Ein System, das es durchaus einmal zu überdenken gäbe, weil es eine Form von Wettbewerbsverzerrung sei, so Iacopetta. «Bis alle Kader tatsächlich stehen, ist fast ein Viertel der Meisterschaft bereits gespielt.»

Seinen Ambitionen und denjenigen des Klubs tut dies aber keinen Abbruch. «Ich bin ambitioniert, der FC Aarau ist ambitioniert.» Dementsprechend brauchte er auch nicht lange, um die Enttäuschung der letzten Saison zu verarbeiten, als der FCA zuerst am letzten Spieltag und dann in der Barrage den Aufstieg verspielte. Die Familienferien haben ihm geholfen, sich abzulenken und wieder Kraft zu tanken. «Dank meiner Kinder war ich keine fünf Minuten ohne Beschäftigung. Entweder musste ich ins Wasser springen, Sandburgen bauen oder Fussball spielen.»

Lieber Trainer als Spieler

Die Motivation und die Energie sind seit dem ersten Tag wieder zurück. So wie immer in seinem Trainerleben. Erste Erfahrungen hatte Iacopetta als Teenager gemacht, als er bei seinem Stammverein Frauenfeld angefragt wurde, Junioren zu trainieren. Bereits mit 19 wusste er: Trainer zu sein, ist sein Ding, worauf er seine Ambitionen als Spieler zurückstellte, was bei Kollegen für Unverständnis sorgte. «Viele sagten, ich sei nicht ganz normal im Kopf.»

Doch Iacopetta folgte seinem Instinkt. Als er 2012 von der Nachwuchsabteilung des FC St. Gallen ein Angebot bekam, wurde aus der Leidenschaft sein Beruf. «Das Schöne war, dass ich dank meiner Arbeit als Zeichner, der oft in Bauleitungen und in die Lehrlingsausbildung involviert war, immer ein zweites Standbein hatte.» Doch ein Zurück in seinen herkömmlichen Beruf gab es nicht mehr. Sein Weg führte ihn nach oben, via Rapperswil-Jona und Wil folgte 2024 der Schritt nach Aarau.

Mourinho als Vorbild

Nicht nur die Spieler, auch sich selber will Iacopetta täglich weiterentwickeln. Er liest gerne Bücher über Teambuilding, mentale Stärke und Resilienz und lässt sich von anderen Trainern inspirieren. «Momentan finde ich Fabregas oder Kompany sehr spannend, wie sie kommunizieren.» Sein grosses Idol als junger Trainer war José Mourinho, auch Pep Guardiola oder Jürgen Klopp als Leader haben ihm imponiert oder Simone Inzaghi und Carlo Ancelotti aus dem Geburtsland seiner Eltern.

Im Alltag abzuschalten, fällt Iacopetta nicht immer ganz leicht. Auch im privaten Kreis ist der Fussball immer wieder Thema, mit dem Bruder oder dem Schwager. Die WM als Fan zu verfolgen – schwierig. «Mit Ausnahme der Schweizer Spiele schaute ich die Partien aus Sicht des Trainers.» Was ihm aufgefallen ist: Viele Teams traten an, um nicht zu verlieren, und gingen wenig Risiko ein. «Aber ein Turnier ist etwas anderes als eine Meisterschaft, die fast ein ganzes Jahr dauert.»

Wohin sein Weg noch führen wird, weiss Iacopetta nicht. «Die Zeit stellt dich dorthin, wo du hingehörst», sagt er. Klar wünsche sich auch jeder Trainer, einmal an einer WM oder in der Champions League zu coachen. «Aber ich lebe im Moment», so Iacopetta. Und dieser heisst: das nächste Spiel am Sonntag im Stade Municipal in Yverdon. Das Duell gegen den Aufstiegsanwärter Nummer 1 ist für Iacopetta und seine Spieler nach turbulenten Wochen die nächste Standortbestimmung.

Challenge League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Neuchatel Xamax FCS
Neuchatel Xamax FCS
3
3
9
2
FC Stade-Lausanne-Ouchy
FC Stade-Lausanne-Ouchy
3
4
7
3
Yverdon Sport FC
Yverdon Sport FC
3
2
5
4
FC Winterthur
FC Winterthur
3
3
4
5
FC Etoile Carouge
FC Etoile Carouge
3
2
4
6
FC Aarau
FC Aarau
3
-2
4
7
SC Kriens
SC Kriens
3
-1
3
8
FC Rapperswil-Jona
FC Rapperswil-Jona
3
-2
3
9
FC Wil
FC Wil
3
-5
3
10
FC Stade Nyonnais
FC Stade Nyonnais
3
-4
0
Aufstieg
Aufstiegsspiel
Abstieg
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen