Einstand nach Maassen
FCSG-Teenies versüssen Hüppi den Cupfinal-Einzug

Im wichtigsten Spiel der Saison setzt Enrico Maassen auf zwei blutjunge Eigengewächse – und wird mit dem Finaleinzug belohnt. Was FCSG-Boss Hüppi zum «Jugend-forscht-Projekt» sagt und welchen Jungprofis die Zukunft gehört.
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Stefan KreisReporter Fussball

Der FC Zürich steht vor einem Titelgewinn! Trotz himmeltrauriger Saison und 40 Punkten Rückstand auf Leader Thun. Möglich machts die Youth Trophy der Swiss Football League. Jahr für Jahr wird jener Klub ausgezeichnet, der am meisten auf eigene Nachwuchstalente baut. Der FCZ ist in dieser Hinsicht ein Musterknabe. Tsawa, Vujevic, Huber und Co. kommen auf insgesamt 6363 Einsatzminuten.

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Für gewöhnlich sitzen Joel Ruiz (l.) und Nino Weibel auf der Bank, gegen Yverdon dürfen sie von Beginn weg ran.
Foto: Pius Koller

Auf dem zweiten Platz folgt der FC St. Gallen mit 4703 Minuten. Noch in der letzten Saison lag man vor dem FC Sion auf dem zweitletzten Platz, mittlerweile aber hat der Wind gedreht. Alessandro Vogt (21), Cyrill May (19), Diego Besio (19) und Co. haben in dieser Saison schon zahlreiche Ausrufezeichen gesetzt. Mit Joel Ruiz (19), Nino Weibel (19) und Nevio Scherrer (18) stehen im Cup-Halbfinal gegen Yverdon drei weitere Eigengewächse auf dem Platz.

Hüppi lobt Nachwuchsarbeit

Für Ruiz und Weibel ist es gar das Startelf-Debüt. Beide feiern sozusagen einen Einstand nach Maassen. Dass Enrico Maassen (42), der FCSG-Coach, ein hervorragender Ausbildner ist, hat er in seinen Jahren beim BVB gezeigt. Zwei Jahre lang coachte er dort die zweite Mannschaft und machte einen derart guten Job, dass er gar als Trainer der ersten Mannschaft infrage kam. Weil sich die Verantwortlichen aber für Edin Terzic entschieden, ging Maassen zum FC Augsburg und wurde im zarten Alter von 38 Jahren Bundesligatrainer.

Mit Roger Stilz hat der FCSG zudem einen Mann als Sportchef, der in Sachen Nachwuchsarbeit einen grossen Rucksack mitbringt. Unter anderem leitete er fast fünf Jahre lang die Nachwuchsabteilung des FC St. Pauli. Auch beim SC Victoria Hamburg, wo er einst Spieler war, hatte er einen Job in der Jugendarbeit.

Zufall ist es deshalb kaum, dass in dieser Saison mehrere Eigengewächse Profiluft schnuppern durften und auch im Nati-Dress für Aufsehen sorgten. Scherrer ist Teil jener Mannschaft, die die Schweiz im Herbst vom U17-WM-Titel träumen lässt; Vogt, May und Corsin Konietzke waren Teil der U21-Nati. Erstgenannter darf sich dank seiner Kaltschnäuzigkeit gar berechtige Hoffnungen auf ein WM-Aufgebot machen.

Davon sind die beiden St. Galler Startelf-Debütanten vom Cup-Halbfinal, Ruiz und Weibel, zwar noch weit entfernt. Werbung in eigener Sache aber haben sie gemacht. Auf das Duo angesprochen, das im bislang wichtigsten Spiel der Saison Nerven wie Drahtseile hatte, antwortet Espen-Präsident Matthias Hüppi (68): «Grosse Freude! Und ein Topkompliment an unsere Nachwuchsverantwortlichen.»

Zum Youth-Trophy-Titel wirds zwar nicht reichen, weil der FCZ enteilt scheint und auch in unmittelbarer Zukunft auf Tsawa und Huber setzen wird. Der Cup-Kübel aber steht im Final gegen Stade Lausanne-Ouchy bereit. Auch dank Weibel und Ruiz, die nach dem Spiel persönlich von Hüppi beglückwünscht werden. «Super gemacht», sagt er und platzt fast vor Stolz.

Er weiss: Siege sind süss. Wenn dann aber auch noch Eigengewächse mit grün-weissem Herzen auf dem Feld stehen, wirds fast schon kitschig.

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